Drei Brüder, drei Branchen

Markthalle, Elektrotechnik, Fitnessstudio: Jeder der drei Niedermeier-Brüder verdient im Dammweg seinen Lebensunterhalt auf eigene Art und Weise. Eines haben sie gemeinsam: Sie sind ihr eigener Boss.

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"Niedermeier", an dem Namen kommt man im Unterelchinger Dammweg nicht vorbei. Die Brüder Rudolf (51), Michael (42) und Thomas (35) leben mit ihren Familien in der ruhigen Straße, die hinter der Halle des Kraftsportvereins verläuft. Und sie haben dort ihre Betriebe, jeder Niedermeier ist sein eigener Chef: CSU-Gemeinderat Rudolf Niedermeier ist Besitzer der Markthalle, in der regionale Erzeuger etwa Fleisch, Obst, Käse und Nudeln verkaufen; Michael betreibt ein Fitness- und Gesundheitszentrum und Thomas gehört ein Handwerksbetrieb für Elektrotechnik. Drei Brüder, drei Branchen.

Absehbar war das nicht: Rudolf Niedermeier senior hatte auf dem Gelände am Dammweg 1972 einen Viehhandel gegründet. Das Geschäft floriert, weitere Hallen für Ställe kommen hinzu. Der älteste Sohn Rudolf macht eine Metzgerlehre, arbeitet im Betrieb mit. Im Jahr 1986 stirbt der Vater mit 54 Jahren an Krebs. "Das war ein herber Schlag", sagt Rudolf Niedermeier. Der damals 26-Jährige versucht, den Betrieb ohne Vater weiterzuführen. Das Arbeitspensum war schon mit der Hilfe des Vaters immens, bald ist klar: Es funktioniert nicht. Die Brüder Rudolf und Michael, damals 18, setzen sich in der Stube der Mutter zusammen. "Wir haben gemerkt: So geht es nicht weiter." Der Viehhandel wird verkleinert; eine der Hallen soll bis auf die Stützpfeiler entkernt und vergrößert werden - für ein Fitnessstudio.

Nicht nur von der Verwaltung wird der Plan anfangs belächelt, in der Gemeinde gibt es viele Zweifler. Ein Fitnessstudio! Das Vorhaben ist riskant. "Wir haben gewusst: Es muss laufen, sonst sind wir pleite", sagt Rudolf Niedermeier. Sportlich sind die Brüder, alle drei sind Ringer. Michael Niedermeier hatte schon in verschiedenen Studios trainiert, richtig zufrieden mit der Betreuung war er nicht. "Der mit den dicksten Armen hat das Studio geleitet", sagt er. Er will es besser machen, beim "Deutschen Bodybuilding- und Kraftsportverband" legt er Prüfungen für eine Studio- und Trainerlizenz ab. In den folgenden Jahren kommen weitere Qualifikationen dazu, etwa eine Ausbildung zum Physiotherapeuten.

Der Bau ist ein Kraftakt, im Jahr 1989 ist das Fitness- und Gesundheitszentrum fertig. Über dem Studio eröffnet Rudolf Niedermeier den "Elch-Pub". Der genießt in der Gemeinde bald Kultstatus. Es gibt einen Billardtisch, ein Dartspiel - und als Wanddekoration einen Elchkopf. "Ein Riesengerät", sagt Rudolf Niedermeier. Besonders an den Wochenenden geht es im "Elch" hoch her. Das zehrt an den Kräften: An einem Samstag kommt Wirt Rudolf Niedermeier morgens gegen halb sechs aus dem "Elch", er will direkt weiter in den Stall, das Vieh versorgen. Dort angekommen, wird ihm schwarz vor Augen. Erst gegen Mittag kommt er wieder zu sich, geweckt durch den Lärm der Kühe. "Da habe ich einen Denkzettel gekriegt."

Es ist an der Zeit umzudenken: Im Jahr 1991 geben die Niedermeiers den Viehhandel komplett auf. Eine der Hallen wird an einen Getränkehändler vermietet, der bis ins Jahr 2000 bleibt. Dann muss eine neue Nutzung gefunden werden. Rudolf Niedermeier kommt die Idee für einen regionalen Markt, seit November 2000 kann in der Markthalle eingekauft werden. Der "Elch-Pub" wird knapp ein Jahr später geschlossen.

In die Markthalle ist auch der Betrieb für Elektrotechnik von Thomas Niedermeier eingezogen. 2001 hat er im Nebengewerbe begonnen, Ende 2007 wagt er den Schritt in die Selbstständigkeit. "Angefangen habe ich alleine", berichtet er. Heute beschäftigt der jüngste der Niedermeier-Brüder zehn Mitarbeiter, seine Firma installiert unter anderem Elektrotechnik, Datennetze und Photovoltaik-Anlagen. "Die Baustellen sind immer größer geworden." Ganze 40 Mitarbeiter hat Thomas Niedermeier mittlerweile in seinen drei Gesundheitsstudios in Elchingen, Langenau und Nersingen. Bleibt im Dammweg überhaupt noch Zeit für private Treffen der Brüder? "Der Familienzusammenhalt ist bei uns sehr groß", sagt Rudolf Niedermeier. Auch ein Anlass findet sich regelmäßig: Mutter Rosa lädt gerne zum Essen ein.

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