Doch kein polnischer Zug fürs Illertal?

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Der Pesa Link III sollte 2017 auch im Illertal unterwegs sein. Vor fünf Jahren haben die Bahn und der Hersteller einen Rahmenvertrag über bis zu 470 dieser Züge abgeschlossen.  Foto: 

Die ersten Prototypen des „Link“ seien zu breit für die deutschen Strecken, bei späteren Modellen sollen das Gewicht der Züge und die Motorleistung nicht gut aufeinander abgestimmt sein. So berichten Medien über den Dieselzug des polnischen Herstellers Pesa. Obwohl das Fahrzeug inzwischen Zulassungen für Deutschland hat, wird es wohl mit dem geplanten Einsatz in der Region erstmal nichts.

Eigentlich sollten die modern designten Züge ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2017 unter der Bahn-Bezeichnung VT 633 als Regionalexpress auf der Illertalbahn von Ulm über Kempten bis nach Oberstdorf, Pfronten, Lindau und Wangen verkehren. Vertreter der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) als Besteller und die DB Regio Allgäu-Schwaben als Sieger der europaweiten Ausschreibung dieser Strecke haben 2015 im Kemptener Rathaus den bis 2029 reichenden Verkehrsvertrag unterzeichnet.

26 Stück des VT 633 will die DB Regio Allgäu-Schwaben demnach einsetzen, Kostenpunkt laut Branchenberichten: rund 100 Millionen Euro. Der beschleunigungsstarke, dreiteilige Zug verfügt über 142 Sitzplätze, bis zu vier Einheiten können aneinandergekoppelt werden.

Hört sich theoretisch gut an, aber in der Praxis gibt es Probleme: Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) teilt auf Anfrage mit, man habe inzwischen die zweiteiligen Pesa-Link-Fahrzeuge für den Betreiber Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) im Frühjahr 2016 zugelassen. Was aber die Fahrzeuge für die Deutsche Bahn angeht, „so sind derzeit noch mehrere Zulassungsverfahren anhängig“. Einen Zeitplan kann Pressesprecher Moritz Huckebrink nicht nennen, denn dem Eisenbahnbundesamt würden bislang „keinerlei Unterlagen zur Prüfung“ vorliegen. Bei der Deutschen Bahn gibt man sich zuknöpft: Man stehe „in intensivem Austausch mit dem Fahrzeughersteller und unserem Besteller, der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG)“, teilt eine Sprecherin mit. Rechtzeitig vor dem Start des Dieselnetzes Allgäu im Dezember werde die Bahn über das Betriebskonzept auf den Strecken informieren.

Bei der BEG hingegen hat man offenbar schon entschieden: „Der Pesa Link“ wird ab Dezember nicht fahren“, sagt Pressesprecher Wolfgang Oeser. Details könne nur die DB Regio AG nennen, da diese die Ausschreibung des Dieselnetzes Allgäu gewonnen hat und nun dafür zuständig ist, den Vertrag zu erfüllen. Was Oeser nicht sagt, aber allgemein bekannt ist: Erfüllt die Bahn die Vorgaben nicht, drohen ihr Strafen.

Stundentakt Der Verkehrsvertrag für das Diesel-Netz Allgäu beinhaltet auf der Illertalbahn einen Stundentakt zwischen Ulm und Kempten. Laut Bahn bleibt „das Fahrplankonzept im Wesentlichen unverändert“, Start ist im Dezember. Neu sind durchgehende Verbindungen von Pfronten nach Ulm und nach München. Außerdem ist künftig in jedem Zug ein Bahn-Mitarbeiter an Bord. In „nachfrageschwacher Zeit“ entfällt allerdings ein Zugpaar, teilt die BEG mit: Den Regionalexpress, der heute um 9.34 Uhr in Kempten startet und um 10.39 Uhr in Ulm ist, wird gestrichen. Ebenso wie die Rückfahrt von Ulm um 11.19 Uhr mit Ankunft in Kempten um 12.26 Uhr. Was bedeutet, dass sich auch die Anbindung von Illertissen, wo diese Regionalexpresszüge bislang ebenfalls stoppen, verschlechtern wird.

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