Jungviehweide und Saatgutmarkt in Illertissen

Alles hat gepasst: Die Gartenstadt Illertissen hat am Samstag Tausende Gäste zur Jungviehweide zu „Kraut und Krempel“ und in die Innenstadt zum Saatgutmarkt gelockt.

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  • Ein Markt für Gartenfans: Tausende aus nah und fern strömten am Samstag wieder zu Kraut und Krempel nach Illertissen. Viele machten danach noch einen Abstecher in die City zum Saatgutmarkt.  1/2
    Ein Markt für Gartenfans: Tausende aus nah und fern strömten am Samstag wieder zu Kraut und Krempel nach Illertissen. Viele machten danach noch einen Abstecher in die City zum Saatgutmarkt. Foto: 
  • Hunderte ganz unterschiedliche Samen, übersichtlich präsentiert in einem Setzkasten. 2/2
    Hunderte ganz unterschiedliche Samen, übersichtlich präsentiert in einem Setzkasten. Foto: 
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Bunt gestaltete Holzbienen, 1250 an der Zahl, sind am Samstag durch Illertissen geschwirrt. Sie sollten auf das Event aufmerksam machen, das ob seiner Beliebtheit eigentlich keines Hinweises mehr bedurfte. Bei schönstem Wetter lockten der Saat-, Regio und Ökomarkt auf dem Schrannenplatz und der Kraut- und Krempelmarkt auf der Jungviehweide tausende Besucher nach Illertissen.

„Ganz sicher werden alle gartenaffinen Besucher hier fündig“, versprach Bürgermeister Jürgen Eisen zur Eröffnung. Denn neben Ständen mit Bienenpflanzen, aus Schafswolle hergestellten Pellets und zahlreichen Vorträgen rund um das Thema Garten, stand besonders die Kultivierung von alten Samen im Vordergrund des zweiten Saatgutmarkts, der sich im Vergleich zum Vorjahr von der Zahl der Aussteller fast verdoppelt hatte.

Auch Rudolf Siehler warb dort als Kreisfachberater in Sachen ökologische Gartenberatung für die Neuentdeckung alter Apfelsorten. „Von rund 4000 Sorten sind schon etwa 3000 Sorten ausgestorben“, sagte er. Für die Erfassung- und Erhaltung der alten Sorten ist der Landkreis Neu-Ulm in ein Leader-Pojekt einbezogen, das sich im nördlichen Schwaben für die Vielfalt der Streuobstbestände einsetzt.

Was aus scheinbar langweiligen Arten herzustellen ist, führte in der Schranne die Revierleiterin aus Autenrieth, Johanna Gierth, aus. „Wir hatten im letzten Jahr eine Buchenmast im Forstbetrieb Weißenhorn“, sagte sie. Und so wurde unter Anleitung des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die Bucheckern in Weißenhorn systematisch gesammelt und ein Bucheckernöl hergestellt, das in Illertissen nun reißenden Absatz fand. „Wir sind fast ausverkauft“, sagte Gierth.

Ebenso begehrt waren die Bohnenpatenschaften am Saatgut-Tauschtisch vom Gartenbauverein Illertissen. Dort stand unter anderem Ingeborg Remiger und erklärte unentwegt, wie man Bohnen kultiviert und ausreifen lässt. Das so selbst hergestellte Saatgut könne dann an Nachbarn verschenkt werden oder im nächsten Jahr zum Tauschen wieder zum Saatgutmarkt mitgebracht werden, erläuterte Remiger die Idee von Thea Zedelmeier, der Vorsitzenden des Vereins „Förderer der Gartenkultur“.

„Im Bereich Garten und Pflanzen hat man so unendlich viele Möglichkeiten, das wird einem erst hier so richtig bewusst“, meinte Mia Werde aus Günzburg, die, beladen mit Rankhilfen und Tomatenpflanzen, von der Staudengärtnerei Gaissmayer mit dem Shuttlebus zum Schrannenplatz gefahren war. Denn parallell  lockte der Kraut- und Krempelmarkt auf der Jungviehweide wieder tausende Besucher aus dem nahen  und fernen Umland. „Das Gelände hier ist phänomenal und die Idee, Neues mit Altem in dieser Form zu verknüpfen und daraus ein Besucher-Event zu machen, sucht ihresgleichen“, schwärmte Gertrud Schrampf, die mit zwei Freundinnen extra aus Kärnten angereist war, und nun eine alte verrostete Badewanne zu ihrem Auto trug. „Die wird dekorativ im Garten eingegraben und dann zu einem Mini-Teich umfunktioniert.“

Alte Kisten, rostige Formen

Alte Holzkisten, Wasserhähne, Kutschenräder und Vasen in allen Farben und Formen – der Fantasie des Gärtners sind bei dem Trödelmarkt keine Grenzen gesetzt. Ob dann tatsächlich etwas gekauft wird, man sich bloß Anregungen holt, einem der informativen Vorträge lauscht, oder durch die Gärten des weitläufigen Geländes schlendert: alles möglich.

Selber kreativ werden konnte man in der Grünwerkstatt beim Basteln von Rankgerüsten. „Wir versuchen immer aus Altem etwas Neues zu machen. Dafür muss man kein Profi sein“,  meinte Conny Kutter, die den Kindern und Erwachsenen half, mit jungen Weidenzweigen Rankhilfen herzustellen.

„Wir sind nicht nur Bienen- wir sind auch Gartenstadt“, sagte Bürgermeister Eisen. Nur ein Jahr – und schon habe sich der Saatgutmarkt etabliert, freute er sich über die teils weitgereisten Besucher auch in der Stadt. „Im nächsten Jahr rechnen wir mit noch mehr Ausstellern hier am Schrannenplatz“,  kündigte er an.

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