Die Gewalt nimmt zu

Die Zahl der Straftaten ist 2011 gesunken. Dafür nahm die Gewaltbereitschaft zu, auch im Kreis Neu-Ulm. Das geht aus einer gestern in Kempten vorgestellten Statistik des Polizeipräsidiums Schwaben hervor.

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Von den Allgäuer Alpen bis an die Donau, von Oberstdorf bis Neu-Ulm. So weit reicht der Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. "Wer in unserem Schutzbereich wohnt, der lebt in einer der sichersten Regionen Deutschlands", sagte Polizeipräsident Hans-Jürgen Memel gestern Nachmittag bei der Präsentation der Polizeistatistik in Kempten. Demnach ist das Risiko, dort Opfer einer Straftat zu werden, relativ gering. Die Bereitschaft zur Gewalt aber ist bei vielen Tätern gestiegen. "Das macht uns Sorgen", sagte der Polizeipräsident.

Straftaten: Im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums wurden im vergangenen Jahr 41 232 Straftaten registriert, 800 weniger als 2010. Der Kreis Neu-Ulm ist für die Ermittler trauriger Spitzenreiter, was Straftaten angeht. Dort wurden im Vergleich zu anderen Landkreisen die meisten Delikte begangen. Allerdings ging auch im Kreis Neu-Ulm die Zahl der registrierten Straftaten zurück - um 290 auf 7858 Fälle. Ein Vergleich: Im Nachbarlandkreis Unterallgäu gab es im Vergleichszeitraum etwa 4000 Straftaten.

Brutalität: Die Zahl der Gewaltdelikte (Körperverletzungen, Raub, Widerstand gegen Polizisten) ist 2011 erstmals seit vier Jahren wieder gestiegen, um 72 auf 1390 Fälle im Bereich des Präsidiums. Die Brutalität nahm zu. Immer häufiger schlugen Täter grundlos drauf los. Nicht selten traten sie auch dann noch auf ihre Opfer ein, wenn diese bereits am Boden lagen. Gewalt gegen Polizisten ist inzwischen Alltag. "Vor zehn Jahren hatten wir 150 Fälle, nun sind es 300", sagte Polizeipräsident Memel. "Eine Steigerung um 100 Prozent also."

Einflussfaktor Alkohol: Fast die Hälfte aller Straftäter war alkoholisiert. "Alkohol enthemmt, macht aggressiv, fördert Gewaltausbrüche, ganz klar", betonte Memel. Der Einsatz gegen Betrunkene sei alles andere als ein Honigschlecken. "Da braucht man als Polizeibeamter ein dickes Fell."

Jugendkriminalität: Jede fünfte Straftat wurde 2011 von jungen Leuten zwischen 14 und 21 Jahren begangen. Gut 50 Prozent aller gefährlichen Körperverletzungen im öffentlichen Raum, auf Straßen oder Plätzen, wird von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in diesem Alter begangen. Zum Vergleich: Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt gerade einmal acht Prozent.

Drogen: 2011 wurden alles in allem 2052 Rauschgiftdelikte registriert, gut 230 weniger als im Vorjahr. Der Handel mit beziehungsweise der Konsum von Cannabis-Produkten stehen mit rund 1100 Fällen im Fokus.

Betrug: Mit 5371 Fällen stellen Betrügereien einen Schwerpunkt dar. Betrüger sind laut Präsidium vor allem im Internet unterwegs, bei Auktionen, Ver- und Ankäufen.

Schwerpunkt Neu-Ulm: Gut 165 000 Menschen leben im Landkreis Neu-Ulm. Dieser hat nach Angaben des Präsidiums die höchste Kriminalitätsbelastung aller 71 bayerischen Landkreise - wenn man die so genannte Häufigkeitszahl zu Grunde legt. Demnach kommt der Kreis Neu-Ulm auf rund 4700 Straftaten pro 100 000 Einwohner. Die Zahl ist deshalb so hoch, weil die Straftaten in der Stadt Neu-Ulm in die Statistik für den Kreis einfließen, sagte der Polizeipräsident. In der Stadt Neu-Ulm gebe es etliche Brennpunkte der Gewalt. Die Diskotheken-Meile an der Lessing-Straße zum Beispiel. "Das war und ist ein Problemfeld."

Extremismus: Die islamistische Szene in Ulm/Neu-Ulm ist nach Angaben des Polizeipräsidiums zwar geschwächt, dennoch gebe es in der Doppelstadt nach wie vor gewaltbereite Islamisten. "Wir haben etwa 20 Personen dort im Auge, gegen die offen und verdeckt ermittelt wird", sagte Kriminaldirektor Karl-Heinz Alber. "In Raum Ulm/Neu-Ulm sind wir weiter gefordert."

Aufklärungsquote: Gut 27 700 der 41 232 Straftaten wurden im vergangenen Jahr aufgeklärt. Das entspricht einer Aufklärungsquote von 67,2 Prozent. Damit liegt das Präsidium um 3,2 Prozentpunkte über der Aufklärungsquote in Bayern.

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