In die Rolle eines Bundestags-Abgeordneten geschlüpft

Daniel Hammer aus Altenstadt ist für vier Tage in die Rolle eines Bundestags-Abgeordneten geschlüpft. Der 17-Jährige erlebte den langen Weg der parlamentarischen Gesetzgebung.

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Daniel Hammer aus Altenstadt-Dattenhausen ist ein politischer Mensch. Der Schüler findet in den konservativen Inhalten der CDU und CSU die meisten Schnittpunkte mit seiner persönlichen Denke. Deshalb engagiert sich der 17-Jährige auch bei der Jungen Union. Im Bundestag in Berlin musste der Fachoberschüler aus Altenstadt kürzlich aber astreine linke Sichtweisen vertreten und diese auch argumentativ gut verkaufen. Hammer war einer von 315 Jugendlichen aus dem gesamten Bundesgebiet, die bei „Jugend und Parlament“ mitmachen durften. In diesem jährlichen Planspiel werden parlamentarische Verfahren nachgestellt.

Wie er zu dem illustren Kreis kam? Die CSU-Abgeordnete Katrin Alb­steiger nominierte den Fachoberschüler, nachdem der sich kurz zuvor bei ihr für ein einjähriges USA-Stipendium im Parlamentarischen Partnership-Programm (PPP) beworben hatte. Die Politikerin erlebte den jungen Mann bei dem Auswahlgespräch als ziemlich clever und vielseitig interessiert.

Interessantes Trostpflaster

In der PPP-Endausscheidung landete Hammer „nur“ auf Platz zwei und ist dort jetzt Nachrücker. Als „Trostpflaster“ gab es aus dem Büro der 33-jährigen Bundestags-Abgeordneten freilich die Teilnahme an der Berliner Nachwuchs-Veranstaltung Ende Mai. Und die hatte es laut Hammer in sich. „Es war kurzweilig, interessant und sehr aufschlussreich“, bringt Hammer die vier Tage in der Landeshauptstadt auf den Punkt. Weitere Erkenntnisse: Die Arbeit eines Abgeordneten kann bisweilen richtig anstrengend sein. Und: Bis eine Initiative zum Gesetz wird, ist es ein „unheimlich langwieriger Prozess.“

Mit neuer Identität und unterschiedlichen politischen Gesinnungen konnten sich die jungen Leute an echten Schauplätzen des Parlaments bei Fraktionssitzungen, in Ausschüssen und nicht zuletzt bei großen Sitzungen im Plenum um Gesetzentwürfe zoffen und – wie man es aus dem Fernsehen kennt – unter dem Bundesadler am Rednerpult verbal für politische Überzeugungen kämpfen. Hammer schlüpfte dazu in die Rolle eines Professors für vergleichende Sozialwissenschaften und vertrat in der fiktiven Partei PGS eher linke politische Inhalte. „Da musste man aus einer ganz anderen Sichtweise heraus diskutieren, argumentieren und Gesetzesvorlagen erarbeiten“, erzählt der Elftklässler, der wie seine Mitstreiter in einem Hostel untergebracht war.

Sachliche Diskussionen

Zur Debatte standen Gesetzes-Entwürfe zur Festschreibung von Deutsch als Landessprache im Grundgesetz, was laut Hammer am Ende mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit durchging, die Einführung bundesweiter Volksabstimmungen sowie die Ausweitung der Beteiligung deutscher Streitkräfte an einer EU-geführten Militäroperation in einem fiktiven afrikanischen Staat. Höhepunkt für Hammer waren nicht, wie man gemeinhin annehmen könnte, die Plenarsitzungen vor großem Publikum. „Ich fand die vorbereitenden Ausschusssitzungen klasse, wo sachlich und informativ diskutiert wurde, interessanter“, erzählt er. Im Reichtagsgebäude trafen die jungen Gäste auch auf „echte“ Abgeordnete.

Daniel Hammer wird nach dieser Berlin-Erfahrung auch weiterhin politisch aktiv bleiben, allerdings doch lieber weiterhin in seiner angestammten Partei, der CSU.

Planspiel „Jugend und Parlament“ war von 1981 an zunächst ein Diskussionsforum, bei dem sich Jugendliche mit Bundestagsabgeordneten austauschten. Seit 2004 ist es ein groß angelegtes Planspiel, bei dem 315 Teilnehmer aus ganz Deutschland in die Rolle von Bundestagsabgeordneten schlüpfen. Die jungen Leute zwischen 16 und 20 Jahren werden in vier Fraktionen aufgeteilt und biografisch bei Alter, Familie, Beruf, Bildungshintergrund und geografischer Herkunft so ausgestattet, dass es der Besetzung des realen Bundestags entspricht. Ziel des Spiels sei nicht die Vermittlung politischer Inhalte. Vielmehr wolle man den jungen Menschen die Funktionsweise des parlamentarischen Apparats näherbringen, heißt es aus Berlin.

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