Der erste Schritt hin zu einer besseren Welt ist gemacht

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Felizitas Smith, Fairtrade-Promoterin, hat in Senden referiert.  Foto: 

Der nötige Stadtratsbeschluss wurde bereits vor einem Jahr gefällt (wir berichteten). Mit der Bildung einer so genannten Steuerungsgruppe im Rahmen einer Info-Veranstaltung wurde am Donnerstag die letzte Hürde überwunden. Wie etwa in Weißenhorn, Illertissen, Langenau und den weiteren bislang rund 500 deutschen Kommunen, die sich als Fairtrade-Town den Kriterien der dahinter stehenden Kampagne verpflichtet haben, sollen in der Illerstadt künftig fair gehandelte und unter fairen und ebenso ökologischen Bedingungen produzierte Produkte besser in den Blickpunkt der Verbraucher gerückt werden.

Rund 1,1 Milliarden Euro Umsatz sei im zurückliegenden Jahr mit Produkten mit dem „Transfair“-Siegel in Deutschland erzielt worden, informierte Felizitas Smith, Fairtrade-Expertin bei der Werkstatt Solidarische Welt, die etwa drei Dutzend Besucher im Bürgerhaus. Die Tendenz weise zwar stetig nach oben, und doch mache dies umgerechnet gerade einmal 16 Euro pro Verbraucher und Jahr aus. Kommen jedoch Großverbraucher und Multiplikatoren wie Kommunen hinzu, ließe sich diese Bilanz deutlich steigern. Vor allem setzt die Kampagne auf bessere Vernetzung von Personen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft, eine Aufgabe, die der nun installierten Steuerungsgruppe unterliegt.

Bürgermeister Raphael Bögge sagte die Unterstützung der Verwaltung zu. Jörg Portius, bei der Stadt zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, Wirtschaftsförderung und Integration, werde sie administrativ unterstützen. Bögge, der schon bald den offiziellen Aufnahmeantrag stellen will, sieht ein großes Potential in der Stadt, „es gibt ja ein großes Spektrum an fair gehandelten Produkten“. Sein Rathaus-Kaffee und der im Therese-Studer-Haus stamme bereits aus fairer Produktion, die offiziellen Präsentkörbe der Stadt würden bereits mit solchen Artikeln bestückt. Mehr aber sei noch nicht geschehen, so der Bürgermeister auf Nachfrage. Selbst im Rathaus müsse man erst noch das entsprechende Bewusstsein dafür schaffen. Ein Versuch mit „fairem“ Orangensaft am Ratstisch sei wieder abgebrochen worden, räumte Zweiter Bürgermeister Josef Ölberger achselzuckend ein.

Frage nach Transportwegen

Einige Kostproben aus seinem Sortiment präsentierte der örtliche Weltladen, Schokolade, Knabber­gebäck, Wein. Der stammte aus Chile und provozierte damit eine kritische Nachfrage: Was ist mit dem weiten Transportweg? Mit dem Klimaschutz?

Smith verschwieg im Gespräch nicht, dass die Orientierung für die Verbraucher mitunter ganz schön kompliziert werden könne. Denn die Kriterien der Regionalität und der Ökologie würden ihren Stellenwert weiterhin behalten. So könne sie die Beschwerde eines örtlichen Imkers bei Bögge, der sich ausgebootet fühlt, durchaus nachvollziehen. Zu Honig aus der Ferne erst greifen, wenn der regionale ausverkauft ist, lautet ihre Empfehlung in diesem Fall.

Steuerung Viele Initiativen mit Durchhaltewillen können womöglich doch eine Veränderung des Konsumentenverhaltens bewirken. Die neue Steuerungsgruppe in Senden soll vernetzen und Ideen entwickeln, um „fairen“ Produkten und den dahinter steckenden Ideen und politischen Forderungen weiteren Auftrieb zu verschaffen. Dazu zählen auch die Installierung von Arbeitsschutzrechten für die Produzenten und der Aufbau demokratischer Strukturen etwa durch die Bildung von Kooperativen. Für die Steuerungsgruppe meldeten sich: Bürgermeister Raphael Bögge, Nicola Schreier vom Sendener Weltladen, die Stadträtinnen Claudia Schäfer-Rudolf (CSU) und Maren Bachmann (SPD) sowie der Grünen-Stadtrat und Pädagoge Helmut Meisel, der sich als „Vertreter der Schulen“ in dem Gremium sieht.

Vorreiter Die Stadt Langenau nimmt für sich in Anspruch, sich seit Juni 2013 als erste Kommune im Alb-Donau-Kreis und der Region Ulm/Neu-Ulm mit der Auszeichnung Fairtrade-Town schmücken zu dürfen. Seit Januar 2014 ist Weißenhorn dabei. Auch Illertissen hat das Verfahren eingeleitet, Und die Stadt Neu-Ulm hat im Juli dieses Jahres offiziell die Bewerbung zur Fairtrade-Stadt eingereicht.

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