Beim Pilgern auf dem Jakobsweg auf das Schaf gekommen

Stefan Hämmerle ist in Schäferkreisen bekannt wie ein bunter Hund: Beim Pilgern auf dem Jakobsweg fand er zu seinem ungewöhnlichen Hobby.

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Stefan Hämmerle stützt sich auf seinen Stecken und beobachtet mit wachem Auge die knapp 300 friedlich grasenden Mutterschafe und Lämmer. Zwischendurch kontrolliert er, ob noch genügend Wasser in den Eimern und ob der mobile Zaun noch gut verankert ist. Für den passionierte Hirtenhelfer aus Illertissen sind die Weiden des Digelfeldes, einem Naturschutzgebiet bei Hayingen im Landkreis Reutlingen, fast ein Heimspiel: Er hat schon wesentlich größere Distanzen zurückgelegt, um Schafe zu hüten.

An diesem Tag sind es die Schafe von Ernst Fauser aus Pfronstetten (Kreis Reutlingen), der zurzeit mit seinen Tieren im Biosphärengebiet Schwäbische Alb auf Wanderschaft ist. Fauser ist froh, einen Helfer zu haben: Es ist nicht einfach, so viele Tiere über die hügelige Landschaft zu dirigieren, auch wenn zei Hütehunde mithelfen.

Herzhaftes Vesper

Hämmerle kommt nicht vom Fach, früher war er selbstständiger Vertriebsleiter. Ihm macht die Arbeit in der freien Natur sehr viel Spaß. Nein, er müsse sich nichts dazuverdienen, sagt der 70-Jährige im gleichen Atemzug. Außer einem herzhaften Vesper springt bei dieser Tätigkeit sowieso nichts heraus. Für ihn sei das eine Berufung.

Eine Berufung? Ja, sagt Hämmerle und beginnt zu erzählen. 2004 war er auf dem Jakobsweg in Richtung Santiago de Compostela unterwegs, als er sich zwischen Salamanca und Zamora hoffnungslos verirrte. In der fremden Landschaft traf er ausgehungert auf einen Schäfer, der ihm Fladenbrot, Käse, Tomaten und einen Rotwein reichte. Außerdem erklärte er dem Deutschen die jahrtausende alten Viehpfade, über die Hämmerle wieder den richtigen Weg fand.

„Diese Begegnung hat mein Leben verändert“, sagt Hämmerle, der von dieser traditionellen Wanderweidewirtschaft, der „Transhumanz“, begeistert war. Wenn im Frühjahr in großen Teilen Spaniens subtropische Temperaturen herrschen, wandern die Schäfer mit ihren Huftieren mehre hundert Kilometer weit in feuchte, gebirgige Regionen in den Norden des Landes.

Obwohl Hämmerle kein Spanisch spricht, reiste er ein Jahr später noch einmal dorthin und bot einem Schäfer an, ihn auf seinem Weg zu begleiten. Und zwar als „Hirtenjunge“. Davon bekam ein örtlicher Fernsehsender Wind, der über den Deutschen einen Filmbeitrag drehte und wenig später landesweit ausstrahlte. Dort hieß es: „Stefan Hämmerle, ein sympathischer Bayer, der kein einziges Wort Spanisch spricht, hat aber ein gewisses Etwas, das die ganze Welt mag.“

Das hat den Leuten gefallen. „Und dann nahm das Schicksal seinen Lauf“, schmunzelt der Illertissener, der daraufhin von zahlreichen Schäfern eine Einladung zur nächsten Transhumanz erhielt. Die nahm er dankend an.

Inzwischen ist er in Schäferkreisen bekannt wie ein bunter Hund. In den vergangenen Jahren war er nicht nur in Spanien, sondern auch in Österreich, der Türkei und in der Schweiz auf Wanderschaft. Meistens ist er vier Wochen lang unterwegs. Seine Frau sieht das gelassen. „Die freut sich, wenn ich mal aus dem Haus bin“, sagt Hämmerle und lacht übers ganze Gesicht.

Manchmal greift er auch Schäfern in der Heimat unter die Arme. So wie jetzt dem Pfron­stettener Ernst Fauser. Im Gegensatz zum Ausland, wo traditionsgemäß im Zelt übernachtet wird, leistet sich Hämmerle im Biosphärengebiet auf der Alb am Abend eine Pension.

Aussterbendes Handwerk

„Hier auf der Alb ist das Leben noch in Ordnung“, findet Hämmerle. Das sei nicht überall in Deutschland so. Er meint damit den Flächenverbrauch, der den Weidezug erheblich erschwere. Deshalb nutzt er bei Vorträgen jede Gelegenheit, auf das aussterbende Handwerk hinzuweisen.

Eine Schäferschippe hat Hämmerle übrigens keine: Als Hirtenhelfer darf er die nicht benutzen. Das bleibt dem Schäfer vorbehalten, der damit seinen Hütehunden Zeichen gibt, sodass sie die Schafherde gezielt in die gewünschte Richtung treiben.

Hämmerle weiß aber ganz genau, für was der neben der kleinen Schaufel angebrachte Haken dient: „Nämlich die Tiere an ihren Beinen zu fangen.“ Um ein kleines Lamm zu greifen, reichen oft die Hände aus. „Das ist dann meine Arbeit.“

Und wie lange macht er diese Arbeit noch? „Noch fünf Jahre“, kommt wie aus der Pistole geschossen. Und dann? Dann schreibt er ein weiteres Buch über seine Erlebnisse bei der Wanderschäferei. Vom ersten, „Sierra Serena – unterwegs mit Nomadas, Pastores und Amigos“, das vor vier Jahren erschienen ist, gibt es nur noch wenige Restexemplare.

Kontakt Wer Stefan Hämmerle zu einem Vortrag über die Wanderschäferei engagieren oder ihn als Hirtenhelfer einladen möchte, kann sich unter Tel. (0151) 17 32 11 26 mit dem Illertissener in Verbindung setzen.

Buch Dort gibt es auch sein Buch „Sierra Serena – Unterwegs mit Nomadas, Pastores und Amigos“ zu bestellen. Weitere Informationen über Hämmerle und seinen Erlebnissen gibt es unter www.Torrobuch.de im Internet.

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