Imker Feuerstein: Schlagfertigkeit und etwas Marktatmosphäre

Er wird zwar nicht mehr auf dem Münsterplatz aufgebaut. Aber den Marktstand müssen weder Robert Feuerstein noch seine Kunden missen.

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Nicola und Robert Feuerstein in ihrem Laden in Unterelchingen, den sie wie ihren früheren Honig-Marktstand am Ulmer Münsterplatz ausgebaut haben. Den Imker-Betrieb hat Vater Roland Feuerstein gegründet.  Foto: 

„Sie haben unwahrscheinliches Glück. Sie erleben eine Weltpremiere“, sagt Robert Feuerstein und verschwindet in seinem Unterelchinger Geschäft in Richtung Abfüllanlage. Davor sieht es aus wie einst auf dem Münsterplatz: Fein säuberlich stapeln sich die Gläser mit ihrem goldfarbenen Inhalt am Marktstand. Nur einen Schritt weiter beobachtet Feuerstein, wie eine schokobraune Masse in kleine Gläschen fließt. Der Imker strahlt: „Ein ganz neues Produkt“, an dessen Entwicklung er lange herumgetüftelt habe. So viel verrät er: Der Brotaufstrich enthält Honig, Kakao und geröstete Haselnüsse. Keinen Zucker „und kein Palmfett“. Der Regenwaldkiller kommt dem Elchinger nicht ins Glas. Denn die Menschheit könne auf vieles verzichten, „aber nicht ohne Natur überleben“, so der 50-Jährige. Seinen Job betrachtet er als Beitrag zu Umwelt- und Naturschutz.

Robert Feuerstein als einer der wenigen hauptberuflichen Imker in Deutschland (siehe Infokasten) ist inzwischen Herr über etwa 100 Völker mit jeweils bis zu 50.000 Bienen. Ihretwegen hat der gelernte Jurist, der eine Zeitlang auch als Anwalt in einer Kanzlei gearbeitet hatte, die Anstellung als Produktmanager in einem Verlag an den Nagel gehängt. Ein Leben als Rockmusiker hätte er sich ebenfalls vorstellen können, sagt er. Kreativität und Schlagfertigkeit kommen ihm jedoch auch beim Vermarkten seiner Produkte zugute, die Kunden aus ganz Deutschland übers Internet bestellen. Hin und wieder verschickt er Pakete ins Ausland, so kam sein Honig bis nach Finnland, Japan und Hongkong.

Die Imkerei hatte Roberts Vater Roland Feuerstein 1986 angefangen. Mit zwei Völkern und erstaunlichem Erfolg. Gleich im ersten Jahr gab´s Honig. Der war so gut, dass er mit dem Vermerk „selber essen“ im Keller eingelagert wurde. Irgendwann war´s zu viel, und Roland Feuerstein ging mit seinen Honiggläsern auf den Markt. Die Zahl der Völker wuchs, das Geschäft mit den Bienenprodukten wurde zum Lebensunterhalt, „was ich nie gedacht hätte“, wie der inzwischen 80-jährige Roland Feuerstein sagt. Noch heute ist er täglich draußen bei den Stöcken. Aber schon vor etlichen Jahren stieg Sohn Robert ins Geschäft ein. Zunächst neben seiner Tätigkeit im Verlag.

Schritt in die Selbstständigkeit

Doch irgendwann musste Robert Feuerstein eine Entscheidung treffen, und die fiel aus zugunsten der Arbeit in der und für die Natur. Ausschlaggebend waren nicht zuletzt die Freude am Verkaufen sowie der  für den Vater von drei Söhnen  nicht unwesentliche Faktor, dass sich die Selbstständigkeit gut mit der Familie vereinbaren lässt. Ohnehin schafft seine Frau Nicola, die er „mit Honig erobert“ habe, längst im Geschäft mit.

17 Jahre lang war Robert Feuerstein mittwochs und samstags auf dem Ulmer Wochenmarkt anzutreffen und dort nicht zuletzt bekannt für seinen Charme und seine flotten Sprüche. Nach vier Bandscheibenvorfällen kam mit dem Jahresende 2016 das endgültige Aus für den mobilen Marktstand. Doch am Unterelchinger Standort bietet sich den Kunden nicht nur das gewohnte Bild. Kalt ist es zu dieser Jahreszeit im Laden ebenfalls, wenngleich es längst nicht so zieht wie auf dem Ulmer Wochenmarkt.

Schon vor sieben Jahren hatte Feuerstein den Raum gemietet – zum Lagern, Abfüllen und Verkaufen seines Naturprodukts. Dabei lässt der  Imker es allerdings nicht bewenden, vielmehr experimentiert er, bis er sein neues Produkt entwickelt und als „Weltrevolution im Honigglas“ an den Mann und die Frau gebracht hat. „Das ist ja das Spannende, immer etwas Neues zu machen und kreativ zu sein“, schwärmt der Imker.

Ladenverkauf In Deutschland gibt es rund 100.000 Imker, aber nur etwa 300 Hauptberufliche. Einer der wenigen ist Robert Feuerstein. Sein Laden in Unterelchingen sieht aus wie sein früherer Stand auf dem Ulmer Wochenmarkt: Geöffnet ist der Laden in der Lange Straße 1 in Unterelchingen  von Montag bis Samstag von 9 bis 12.30 Uhr, mittwochs ist er geschlossen.

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