Breitseite gegen „Untere Au“

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Dort soll gebaut werden, doch es gibt Protest: Die „Untere Au“ in Senden.  Foto: 

Dass es Protest gibt, ist schon länger klar. Doch wie sehr sich die Eigentümer der benachbarten Grundstücke gegen das geplante Neubaugebiet „Unter Au“ bei Ay wehren, wird erst jetzt deutlich. In einem Brief, den Anwalt Wolfgang Schubaur an die Stadt geschickt hat, steht: „Nachdem einzelne Fehler nicht behebbar sind, rege ich namens und im Auftrag meiner Mandaten an, das Bebauungsplanverfahren einzustellen.“

Das wäre dann eine Vollbremsung für das erste größere Neubaugebiet in der Illerstadt seit Jahren. Das Gebiet liegt nördlich von Ay, wird bislang landwirtschaftlich genutzt und ist durch die Verschiebung der Stromleitung erst ermöglicht worden. Auf knapp fünf Hektar sollen dort Mehrfamilien-, Reihen- und Einfamilienhäuser entstehen (siehe Info-Kasten). Der Bebauungsplan ist im Genehmigungsverfahren.

Die Gegner wenden über ihren Anwalt ein, die Stadt habe einen formalen Fehler gemacht, da sie die Lärmimmissionen von der B.28, der Staatsstraße 2031 und der 380-Kilovolt-Stromleitung nicht im Bebauungsplanentwurf ausgewiesen habe. Dazu hatte Stadtbaumeisterin Manuela Huber bereits im Juni erklärt: „Um diesen Einwand vollständig abzuwenden, müssen nun auf Grundlage aktueller Verkehrszahlen entsprechende schalltechnische Berechnungen erfolgen.“ Nur so lasse sich nachweisen, dass keine Beeinträchtigung der Bewohner des Gebiets zu erwarten ist.

Prognosen bis ins Jahr 2038

Und zwar, sagen Kritiker, müssten diese Prognosen den Zustand im Jahr 2038 abbilden. Denn in den 20 Jahren nach der geplanten Fertigstellung des ersten Gebäudes in der „Unteren Au“ im Jahr 2018 werde das Verkehrsaufkommen in Senden wohl weiter wachsen. Befinde sich die Stadt doch „inmitten einer bereits äußerst leistungsfähigen und weiterhin expandierenden wirtschaftlichen Entwicklungszone“.

Anwalt Schubaur wendet weiter ein, dass die angrenzenden Grundstücke seiner Mandaten nicht in das Bebauungsplanverfahren einbezogen worden seien. Auf diese kämen aber zusätzliche Belastungen zu: Verkehr, Krach und die „erdrückende Wirkung“ der entlang der Freudenegger Straße geplanten mehrstöckigen Mehrfamilienhäuser. Beim Krach führt der Anwalt ausführlich auch die Emissionen der Sportplätze und Freizeitanlagen des benachbarten Fußballvereins Ay an. Diese seien nicht berücksichtigt worden, insbesondere nicht die oft als „besonders lästig“ eingeschätzten Geräusche von Fußball- und Tennisspielern. Kennzeichnend dafür seien „die Unregelmäßigkeit und Impulshaftigkeit der Ballgeräusch bzw. Aufschlaggeräusche sowie eine wechselnde Lautstärke und eine gewisse Monotomie“. Zudem gebe es dort ja zwei Clubheime mit Gaststätten.

Ebenfalls außen vor gelassen habe die Stadt „die Belange“ des Fußballvereins Ay. Wie berichtet, hatte der Verein schon im Vorfeld darauf hingewiesen, dass eine Bebauung in der Nachbarschaft unter Umständen seinen Spielbetrieb gefährden könnte. Andernorts in Deutschland sei es schon zu solchen Konflikten gekommen.

Zu viel Verkehr?

Weiter heißt es in dem Schreiben an die Stadt, die Verkehrserschließung des Gebietes sei nicht gesichert, die Freudenegger Straße sei heute schon überlastet. Zudem gebe es Bedenken, ob die bestehenden Wasserleitungen und Abwasserkanäle für das neue Viertel ausreichend dimensioniert sind. Außerdem seien Naturschutzaspekte nicht oder fehlerhaft berücksichtigt worden, die festgesetzten Ausgleichsflächen zu weit weg vom Plangebiet.

Heute sind die Anlieger zu einem Gespräch bei Bürgermeister Raphael Bögge und Stadtbaumeisterin Huber. Am 17. Oktober soll der Bebauungsplan „Untere Au“ erneut vom Bauausschuss des Stadtrats behandelt werden.

Planung Bis zu 140 Einheiten und damit Wohnraum für 250 Menschen sollen im Gebiet „Untere Au“ entstehen. An der Freudenegger Straße sind bis zu vier Etagen und 12,8 Meter hohe Mehrfamilienhäuser geplant. Gen Süd-Osten sind nur drei Etagen mit maximal 10,5 Metern erlaubt. Hinter den Blocks, die den Straßenlärm abschirmen, sollen Einfamilien- und Reihenhäuser entstehen.

Platzmangel Viele Familien seien in den vergangenen Jahren aus Senden und Ay weggezogen, weil es kein Bauland gegeben habe. Dabei müssten neue Einwohner her, um Kindergarten und Grundschule voll zu bekommen. So sehen es die Befürworter des Baugebiets.

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