Bei Regen bekommen diese Kinder keine schlechte Laune

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Der Betrieb ist schon vor einer Weile angelaufen, jetzt wurde der Waldkindergarten in Senden offiziell eingeweiht.  Foto: 

Es ist ein buntes Bild an einem trüben Herbsttag bei Wullenstetten: Kleine Kinder in blauen Matschhosen und farbenfrohen Jacken klettern konzentriert einen kleinen Hang zwischen den Bäumen hinauf und rutschen lachend auf dem Po wieder hinunter. Für die Kinder ist das Waldstück hinter der Bahnlinie am Ende des Riedwegs seit Anfang September ihr zweites Zuhause. Sie besuchen den neu gegründeten Waldkindergarten der evangelischen Kirche in Senden. Gestern ist die Einrichtung offiziell eingeweiht und von Gemeindepfarrerin Kathrin Bohe gesegnet worden.

Am Eröffnungstag habe es sechs Stunden lang durchgeregnet, erzählte Christine Zagel, Initiatorin und Leiterin des Kindergartens. An diesem Tag habe die Vesper im Bauwagen stattgefunden. „Aber seitdem haben wir ihn eigentlich noch nicht groß gebraucht.“ Den Kindern mache vermeintlich schlechtes Wetter nichts aus. „Als es heute Morgen ein bisschen geregnet hat, haben sie das nicht einmal erwähnt.“ Im Gegenteil biete Regen den Mädchen und Buben viele Möglichkeiten: „Wenn es trocken ist, fragen sie: Wo sind meine Pfützen geblieben?“ Die Pädagogin Christine Zagel sagte, sie selbst habe am Anfang befürchtet, auf Dauer im Wald zu frieren. „Aber das ist bis jetzt noch nicht passiert.“

Rund 18 000 Euro habe der Bauwagen gekostet, der den Kindern als Lagerplatz, Treffpunkt, Aufwärm-Quartier und Wickelraum dient, sagte Bohe. Hinzu kämen 2000 Euro für Anschaffungen wie Kinder-Bänke, Bastelmaterialien, Bücher, Zubehör, ein Handy. Im Vergleich zu einem Regelkindergarten sei der Betrieb günstiger, da die Kinder mit dem spielen, was ihnen die Natur biete, zudem müsse kein Gebäude unterhalten werden. Kostspieliger sei hingegen das Personal, da der Betreuungsschlüssel höher sei und nur gelernte Erzieherinnen eingestellt werden, keine Kinderpflegerinnen.

Aktuell werden die Kinder von einer Vollzeit- und zwei Teilzeitkräften betreut, hinzu kommen eine Praktikantin der Fachoberschule und eine Kinderpflegeschülerin. In zwei Jahren sollen 18 Kinder die Waldgruppe besuchen. Da die momentan betreuten Mädchen und Buben erst zwei bis drei Jahre alt sind und alle neu eingewöhnt werden mussten, habe man für zum Start nur neun Kinder aufnehmen können. Mit der Zeit solle der Waldkindergarten wie alle Einrichtungen altersgemischt werden.

„Frau Zagel hat von Anfang an dieses Projekt gelebt und sich mit allen Fasern dafür eingesetzt“, sagte Bürgermeister Raphael Bögge. Er dankte der Erzieherin für ihr Engagement und ihre Hartnäckigkeit. „Der Waldkindergarten ist eine sehr, sehr gute Idee, die wir als Stadt gern unterstützen.“ Pfarrerin Bohe dankte Bürgermeister, Stadtverwaltung und Landratsamt: „Alle haben tatkräftig mitgeholfen, dass dieses Projekt gelingt.“ Ihr besonderes Lob galt Fritz Wohlschlegel, dem Verwaltungsleiter der Gräflich-Fuggerschen Forstverwaltung.  Diese ist Eigentümerin des Waldstücks, auf dem sich die Kinder tummeln. Wohlschlegel habe stets ein offenes Ohr für die Belange des Waldkindergartens.

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