Ausstellung: Politische Plakate neu präsentiert

Premiere in Weißenhorn: Eine im September  beginnende Ausstellung über politische Plakate wird dank fleißiger Gymnasiasten erstmals multimedial.

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Die Zusammenarbeit des Weißenhorner Heimatmuseums mit dem Nikolas-Kopernikus-Gymnasium ist seit einigen Jahren und mit vielen gemeinsamen Projekten gewachsen. In diesem Jahr haben sich Schüler und Museumsleitung wieder etwas neues einfallen lassen: Die neue Kooperations-Ausstellung wird multimedial gestaltet sein. Schon deshalb wird die ab 23. September gezeigte Schau „Angeschlagen – Politische Plakate an Häuserwand und Litfasssäule“ etwas ganz Besonderes. Thema sind Plakate aus der Zeit des ersten Weltkriegs bis zur Adenauer-Ära. Sie dokumentieren Kriegspropaganda, Rassenhass und den demokratischen Neubeginn nach 1945.

  „Das Heimatmuseum muss mit der Zeit gehen“, sagt Museumsleiter Wolfgang Kunze. Und das schließt Digitalisierung mit ein. Deshalb hätten sich die zwölf am Museumsprojekt des Gymnasiums arbeitenden Schüler, Seminarleiterin Monika Göbel und er selbst entschlossen, „Chancen zu ergreifen“ und bei der gemeinsam erarbeiteten Ausstellung über politische Plakate Tablets mit kurzen Filmen, fiktiven Dialogen und animierten Erklärungen bereit zu stellen. Das sei schon mutig gewesen, sagt Kunze im Rückblick, Schließlich gebe es keinen professionellen Kooperationspartner: „Wir sind keine Mediendesigner. Für uns hieß es: Just do it – mach es einfach.“

Was herauskam nennt Kunze schlichtweg „großartig“, die Ideen der Gymnasiasten seien „super“ gewesen. Auch die Schüler, die sich im Seminar nicht nur mit der Analyse von rund 40 Plakaten aus der umfangreichen Museumssammlung beschäftigten, sondern mit Video-Schnitttechniken und Drehbüchern, sind begeistert: „Wir hatten total Spaß“, sagt die 17-jährige Johanna. Ihr Seminarkollege Lukas Niederwieser lobt Lehrerin Monika Göbel. Diese habe dem Kurs viele Freiheiten gelassen.

Immer wieder kamen die Schüler an Grenzen. So wollte Lukas‘ Gruppe, die sich mit Plakaten aus der Zeit der Weimarer Republik beschäftigte, ein Video über das Treffen eines Kommunisten mit einem Demokraten und einem Nationalsozialisten drehen. Erst schrieben sie ein Drehbuch, dann besorgten sie sich passende Kostüme. Und dann scheiterte der Dreh am fehlenden Weitwinkel der Kamera. Aus dem Video wurde nun eine mit Fotos der Dialogpartner hinterlegte Audio-Datei.

Johanna Betz widmete sich Ernst Toller, einem Schriftsteller und linken Politiker der Weimarer Zeit. Ein Plakat, mit dem nach dem Protagonisten der Münchner Räterepublik gefahndet wurde, ist nun die Grundlage für Tollers fiktives Tagebuch. Das Buch werde Teil der Ausstellung und müsse möglichst „echt“ aussehen, so Johanna. Um ein schlichtes, schwarzes Notizbuch aufzutreiben, habe sie einige Schreibwarengeschäfte abklappern müssen.

Schwierigkeiten bereitete den Schülern das strenge Urheberrecht. „Wir sind da überhaupt kein Risiko eingegangen, was die Rechte anderer betrifft“, sagt Lehrerin Monika Göbel. Auch wenn das für die Schüler bedeutete, in ihren Präsentationen auf viele interessante Quellen verzichten zu müssen. Das Urheberrecht ist auch der Grund, warum die Mediendateien zur Ausstellung wohl nicht frei verfügbar über die Homepage des Museums heruntergeladen, sondern nur über die neuen Tablets des Museums vor Ort genutzt werden können.

Eigentlich habe sie das Seminar an dem Weißenhorner Gymnasium wegen ihres Interesses für Geschichte gewählt, gelernt habe sie nun aber durch die Beschäftigung mit den neuen Medien noch viele andere Dinge, sagt Johanna Betz: „Ich interessiere mich jetzt auch noch für andere Berufe – zum Beispiel Museumspädagogik.“

Eröffnung im September

Seminar Die Ausstellung „Angeschlagen – politische Plakate an Hauswand und Litfasssäule“ beleuchtet am Beispiel von rund 40 Plakaten die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, aufgegliedert in die Zeit der beiden Weltkriege, der Weimarer Republik und der jungen Bundesrepublik. Sie zeigt beispielhaft die Rassenideologie der Nazis ebenso wie die Verherrlichung des Vaterlandsbegriffs und die Denunziation politischer Gegner. Die Eröffnung findet am Freitag, 23. September, um 19 Uhr statt. Seminarteilnehmer des Nikolaus-Kopernikus-Gymnasiums werden durch die Ausstellung führen. Anschließend ist die Schau bis zum 13. November zu den üblichen Öffnungszeiten des Heimatmuseums zu sehen.   

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