Schauspiel-Projekt: Auf der Theaterbühne Selbstbewusstsein tanken

|
Befreit aufspielen: Lazar (links) und seine Mitschüler proben im Klassenzimmer für den großen Auftritt.  Foto: 

Am Anfang geht es darum, locker zu werden. Sich zu trauen. Aus diesem Grund haben sich die elf Schülerinnen und Schüler der Praxisklasse an der Vöhringer Uli-Wieland-Mittelschule  in zwei Gruppen aufgeteilt. Vor den anderen werden kleine Szenen dargestellt  – eine nervige Biene am Ohr vertreiben, einen Koffer für die Urlaubsreise packen.

Innerhalb einer Woche entwickeln die Schüler in einem Theaterprojekt ein Stück, das am Freitag in der Aula vor Mitschülern aufgeführt wird. „Schöne neue Welt“ lautet das Motto.

Und damit dieses mit Leben gefüllt wird, haben die beiden Theaterpädagoginnen Saskia Hinze und Hanna Pelikan vom Theater Luftschloss die Regie im Klassenzimmer der Neuntklässler übernommen. Und arbeiten erstmal daran, Hemmungen abzubauen. „Damit sie sich trauen, aus sich rauszugehen, Emotionen zu zeigen“, sagt Saskia Hinze. Was bei Schülern im Alter zwischen 15 und 18 Jahren nicht immer ganz einfach ist.

In der Praxisklasse, die von Edith Waedtleges geleitet wird, steht die praktische Vorbereitung auf Mittelschulabschluss und Beruf im Vordergrund. Die Schüler kommen nicht nur aus Vöhringen, sondern auch aus Weißenhorn, Senden oder Illertissen. Unterstützt wird die Praxisklasse mit Geld aus dem Europäischen Sozialfonds. Sie ist eine Chance für Schüler, die sich im klassischen Unterricht eher schwertun, erklärt Edith Waedtleges.  Sechs Wochen sind im Lehrplan für Praktika reserviert, jeden Mittwoch arbeiten die Schüler zudem in einem Betrieb. Die Berufsziele sind Schlosser, Koch, Einzelhandelskaufmann oder Altenpfleger.

Auch das Theaterprojekt ist keine reine Spaßveranstaltung. Die Aufführung und der folgende Applaus geben Selbstbewusstsein, sagt Saskia Hinze. Auch ein guter Stand und eine deutliche Aussprache gehören auf der Bühne dazu – und werden im Klassenzimmer trainiert. Wovon die Schüler  später etwa bei Bewerbungsgesprächen profitieren. „Sie merken: Ich kann mich vor andere hinstellen. Es ist nicht peinlich“, sagt Hinze.

Gehöriges Lampenfieber

Das rund halbstündige Stück besteht aus verschiedenen Szenen: Eine Gruppe Zeitreisender kehrt aus der Zukunft zurück und berichtet dem Publikum von den gesammelten Eindrücken. Ein Professor, der ein unverständliches Kauderwelsch spricht, wird dabei ebenso eine Rolle spielen wie ein dressierter Außerirdischer.

Einer der Schüler ist der fünfzehnjährige Lazar, der bei den Übungen engagiert dabei ist. „Es macht Spaß“, sagt er. „Wir haben einen guten Zusammenhalt in der Klasse. Wie in einer Familie.“ Was auch das gemeinsame Theaterspielen vereinfacht. Und trotzdem: Die anstehende Aufführung macht ihn dann doch ordentlich nervös.

Um die 100 Schüler werden am Freitagvormittag als Publikum in der Aula sitzen. „Hauptsächlich aus den niedrigeren Klassen“, sagt Klassenlehrerin Edith Waedtleges. „Fünf bis sieben.“ Vor den Jüngeren können die Schüler der Praxisklasse befreiter agieren. Wobei sie auf der Bühne schon die  ein oder andere Überraschung erlebt habe, berichtet Saskia Hinze. „Klassenclowns, die ganz ruhig werden.“ Und zurückhaltende Schüler, die plötzlich groß aufspielen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Prozess gegen Tolu in Istanbul: Vater hofft auf Freilassung

Mehr als sieben Monate nach ihrer Festnahme wird der Prozess gegen die deutsche Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu in der Türkei fortgesetzt. weiter lesen