Asylbewerberheim in Elchingen weiter umstritten

Wie viele Asylbewerber werden künftig im ehemaligen Gasthof Adler leben? Diese Frage treibt die Unterelchinger um. Mehr als 120 Zuhörer waren deshalb in den Gemeinderat gekommen.

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Endlich Antworten auf die viele offenen Fragen zum Asylbewerberheim im ehemaligen Gasthof Adler: Das erhofften sich mehr als 120 Zuhörer, die sich, wie schon kurz berichtet, am Montagabend im Sitzungssaal des Gemeinderats drängten. Und eine Frage treibt die Unterelchinger dabei ganz besonders um: Wie viele Asylbewerber werden schlussendlich im Adler einquartiert? Dazu gibt es bislang noch keine belastbare Aussage, was für Verunsicherung und Ärger sorgt.

Zunächst werden Ende des Monats 20 Flüchtlinge einziehen, hatte das Landratsamt erklärt. „Wir sind aber nicht so naiv zu glauben, dass es bei den 20 bleibt“, sagte eine Anwohnerin am Rande der Sitzung. Dazu sei das Gebäude einfach zu groß. Und so wird in der Nachbarschaft des Adlers nun akribisch beobachtet, wie viele Stockbetten von Lastwagen herunter ins Gebäude getragen werden.

Der Tenor aus den Gesprächen mit den Besuchern der Sitzung zeigt: Kaum einer ist grundsätzlich dagegen, dass Asylbewerber in Unterelchingen Zuflucht finden. Allein deren Anzahl macht die Angelegenheit heikel, bis zu 100 sind im Gespräch. Viele Unterelchinger befürchten, dass es sich beim Käufer des Adlers um einen reinen Geschäftemacher handelt, der die Asylbewerber als Ware betrachtet – und aus Profitgier das „Gebäude von der Wirtsstube bis unters Dach mit Flüchtlingen zupfercht“, um möglichst viel Geld abzukassieren, wie ein Unterelchinger sagt.

An die 500 Unterschriften hat eine Initiative bereits gegen eine „Massenunterkunft“ gesammelt, die die „Dorfgemeinschaft überfordern“, eine Integration – wie sie etwa mit den syrischen Familien in Thalfingen gelungen ist – unmöglich machen würde.

Dieser Befürchtung tritt Jochen Grotz, Leiter der Abteilung für Ausländerrecht im Landratsamt, entgegen. Der Kreis habe mit dem neuen Adler-Eigentümer eine feste Miete vereinbart, die nicht von der Anzahl der untergebrachten Asylbewerber abhänge, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. Der Investor habe folglich keinen Nutzen davon, möglichst viele Asylbewerber „in das Gebäude zu stopfen, um einen möglichst guten Gewinn zu machen“. Über die Miethöhe macht Grotz keine Angabe.

In der Gemeinderatssitzung wurde das Thema „Asylbewerberunterkunft“ kurzerhand auf die Tagesordnung gehievt, Bürgermeister Joachim Eisenkolb hatte eine Erklärung vorbereitet. Zunächst wies er darauf hin, dass es der Gemeinderat mehrfach abgelehnt habe, den Gasthof Adler zu kaufen. Und zwar schon zu Bürgermeister Anton Langs Zeiten im Jahr 2006 und zuletzt im Juli 2011. Weil die Gemeinde keine Nutzungsmöglichkeit für den Gasthof mit Hotel sah.

Am 31. Oktober 2013 hat die Adler-Eigentümerin den Gasthof samt Hotel an den Investor verkauft, dem Vernehmen nach für 875 000 Euro. In einem Flugblatt, das seit wenigen Tagen in Unterelchingen kursiert, erklärt die Vorbesitzerin, sie sei von dem Investor getäuscht worden. Dieser habe gesagt, den Adler als Hotel für Ausflügler und Geschäftsreisende wiederzueröffnen. Von einer Unterkunft für Asylbewerber sei nie die Rede gewesen.

Am 4. November wurde die Elchinger Verwaltung vom Notar darüber informiert mit der Bitte zu prüfen, ob die Gemeinde ein Vorkaufsrecht habe. Letzteres hat sie aber laut Eisenkolb nicht. Keine der rechtlichen Bedingungen dafür seien gegeben gewesen. Dass im ehemaligen Gasthof Adler Asylbewerber untergebracht werden, habe er erst am vergangenen Mittwoch erfahren. Das Landratsamt habe ihn darüber informiert, nachdem die SÜDWEST PRESSE Recherchen zu diesem Thema angestellt hatte.

Das nehmen etliche Unterelchinger dem Rathauschef so nicht ab. Sie glauben nicht, dass er so lange ahnungslos geblieben ist. Und sie werfen ihm vor, die Möglichkeit eines Vorkaufsrechts der Gemeinde nicht ernsthaft geprüft und zu leichtfertig aufgegeben zu haben.

„Wir informieren die Gemeinde ein paar Tage, bevor das Gebäude belegt wird“, erklärt Jochen Grotz vom Landratsamt. Das sei die übliche Vorgehensweise. Ob das nicht zu spät sei? „Was spricht für eine frühere Information?“, entgegnet der Abteilungsleiter. Das Landratsamt habe den Gasthof und das dazugehörige Hotel angemietet, um zunächst die 20 Asylbewerber unterzubringen, die dem Landkreis bald zugeteilt werden. Bis Ende des Jahres rechnet Grotz mit insgesamt 50 bis 60 zusätzlichen Flüchtlingen, die er irgendwo unterbringen muss. Derzeit leben im Landkreis Neu-Ulm mehr als 230 Asylbewerber.

Gemeinderat und Bürgermeiser Eisenkolb wollen nun in einem Gespräch mit dem Landratsamt darauf dringen, dass die maximale Anzahl der Asylbewerber in Unterelchingen dauerhaft auf ein Prozent der Bevölkerung gedeckelt wird, also auf rund 30. Grotz möchte dem Gesprächsergebnis nicht vorgreifen. Er betont jedoch, dass das Landratsamt nicht an einen Verteilungsschlüssel gebunden ist.

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