Damm-Sanierung: Artenvielfalt statt toter Donaulandschaft

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  • Der ökologische Umbau des Damms bei Elchingen hat begonnen: (von links) Die wissenschaftlichen Begleiter Thomas Mayer und Sebastian Blaß, Projektleiter Ralf Klocke und der örtliche Bauleiter. 1/2
    Der ökologische Umbau des Damms bei Elchingen hat begonnen: (von links) Die wissenschaftlichen Begleiter Thomas Mayer und Sebastian Blaß, Projektleiter Ralf Klocke und der örtliche Bauleiter. Foto: 
  • So sieht das Ufer beim Kraftwerk Günzburg aus.
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    So sieht das Ufer beim Kraftwerk Günzburg aus.   Foto: 
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Die Dämme vor dem Donaukraftwerk bei Elchingen sind ein eher monotones Band. Betonplatten schützen vor Wellenschlag, die Gestaltung der Ufer ist naturfern und eher lebensfeindlich. Fischen bieten sie keinerlei Unterschlupf. Diese Dämme dienen maßgeblich dem Hochwasserschutz. Es sind Funktionsbauten. Spaziergänger suchen dort vergebens nach einem Fluss-Erlebnis.

Im Bereich der Staustufe in Oberelchingen wird dieser Zustand gerade geändert. Dort sind Bagger aufgefahren, die im Auftrag der Bayerischen Elektrizitätswerke (BEW) den nördlichen Damm umbauen. Er wird nicht allein um 70 Zentimeter erhöht, weil im Zuge des Klimawandels stärkere Hochwasser-Ereignisse immer wahrscheinlicher werden. Er wird gleichzeitig dabei auf 500 Metern Länge auch ökologisch umgebaut. Dieser Teil der Arbeiten, der ein Novum bedeutet, wird im Herbst erledigt.

Ein Gewinn für alle, die mit dem Fluss zu tun haben, nennt das Ralf Klocke, bei den BEW der zuständige Projektleiter. Würde die Dammerhöhung nach klassischem Muster allein mit einer notwendigen Verbreiterung zur Landseite einhergehen, ginge Auwald verloren. Die Elektrizitätswerke müssten mehrere Hektar Ausgleichsflächen auftreiben, „doch die gibt es derzeit nicht“.

Daher wird in den Fluss hineingebaut, sein Querschnitt etwas verringert – bislang ein Tabu. Den Durchbruch brachten langwierige Verhandlungen mit Behörden, genaue hydrologische Berechnungen und ein EU-Förderprogramm. „Es ist das einzige Projekt aus dem Naturschutzprogramm Life, das 2016 nach Bayern ging“, hebt Klocke hervor. Es habe Pilotcharakter für ähnliche Vorhaben in ganz Europa.

Entsprechend genau ist nun die wissenschaftliche Begleitung. Untersucht wird beispielsweise die Stabilität des Damms, dessen Kiesaufschüttung auf den seitlich im Becken angelagerten Flussablagerungen vorgenommen wird, erläutert Thomas Mayer von der Neemo GmbH, Mitglied des Monitoring-Teams. Geomatten sollen Ausschwemmungen verhindern.

Besonderes Interesse aber findet die ökologische Entwicklung. Denn der Dammverlauf ist künftig nicht mehr schnurgerade, sondern reichhaltig gegliedert. Ins Flussbett eingebracht werden sogenannte Bermen, also senkrecht zur Uferlinie stehende Steindämme, ebenso Totholz, Wurzelstöcke und größere Wasserbausteine. Auch aufgeschüttete Inseln soll es geben – als Schutzzonen für Brutvögel. Spaziergänger wiederum profitieren von der künftigen Zugänglichkeit der Uferbereiche.

Die Dammböschung wird mit unterschiedlichen Kiessorten gestaltet. So entstehen in diesem Bereich neue und vielfältigere Lebensräume für Pflanzen und Tiere, für Fische oder Amphibien. Sogar Bäume sind nun am Ufer statthaft, bislang ein rotes Tuch für die Dammüberwachung.

„Die Artenvielfalt wird hier förmlich explodieren“, ist sich Gutachter Sebastian Blaß vom Aueninstitut Neuburg sicher. Wobei der Ausgangspunkt allerdings nahe Null liege. „Die Bereiche der Staubecken sind aus ökologischer Sicht so ziemlich Tote Hose.“

Wie es künftig dort ausschauen wird, lässt sich im Bereich des ebenfalls von den BEW betriebenen Donau-Kraftwerks Günzburg heute schon besichtigen. Dort befindet sich eine der im Vorfeld des EU-Projekts realisierten Musterstrecken. Realisiert vor einem Jahr, schaut’s da heute so aus: wild und ungeordnet.

Unternehmen Die Bayerischen Elektrizitätswerke, eine 100-prozentiges Tochterunternehmen der  Augsburger Lechwerke, unterhalten und betreiben 36 Wasserkraftwerke an Donau, Günz, Iller, Lech und Wertach. Das Unternehmen erzeugt jährlich rund eine Milliarde Kilowattstunden Strom aus regenerativer Wasserkraft und beschäftigt rund 150 Mitarbeiter.

Kosten Wie in Oberelchingen werden auch an der Staustufe in Offingen „Öko-Bermen“ eingebaut – eine naturnahe Veränderung des Damms. Beide Vorhaben schlagen jeweils mit rund 700 000 Euro zu Buche. Die EU fördert den ökologischen Teil des Gesamt-Projekts mit 600 000 Euro.

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