Katholisches Gymnasium droht Schülerin mit Rauswurf
Illertissen. Ärger am Kolleg der Schulbrüder in Illertissen. An dem katholischen Gymnasium droht einer Zehntklässlerin jetzt der Verweis von der Schule. Grund: Die Schülerin ist kürzlich
Für Manfred Schöpplein liegt der Fall klar auf der Hand. "Die Schülerin hat mit ihrem Verhalten Fakten geschaffen", sagt der Leiter des Kollegs der Schulbrüder in Illertissen. Nun müsse die Zehntklässlerin mit Konsequenzen rechnen - dem Verweis von dem katholischen Gymnasium. Fakten geschaffen hat die Zehntklässlerin durch ihren Austritt aus der katholischen Kirche. Die Mutter der Gymnasiastin hat die Kolleg-Leitung laut Schöpplein kürzlich über die Entscheidung ihrer Tochter informiert. Auch darüber, dass ihre Tochter künftig nicht mehr am Religions-, sondern am Ethikunterricht teilnehmen wolle. Das Kolleg der Schulbrüder will das nicht akzeptieren - weil das Vorgehen der Schülerin schlicht und einfach einem Bruch des Schulvertrags gleichkomme. Schließlich handele es sich bei dem Kolleg um eine private Schule unter Trägerschaft der katholischen Kirche.
Die Unterzeichnung eines Vertrags bei Schulantritt sei an Privatschulen wie der in Illertissen obligatorisch. Nach Angaben Schöppleins müssen die Eltern eine Vereinbarung mit dem Schulwerk der Diözese Augsburg schließen, bevor ihr Kind am Kolleg aufgenommen wird. Die Vereinbarung bindet die Kinder an das kirchliche Leitbild, die christlichen Glaubens- und Wertvorstellungen. Alle Schüler christlichen Glaubens müssen am Religionsunterricht teilnehmen, welcher Konfession auch immer sie angehören. Wer gegen die Bestimmungen verstößt, muss mit dem Verweis rechnen. "Darauf habe ich die Mutter aufmerksam gemacht", sagt Schulleiter Schöpplein. Er ergänzt: "Das Schulwerk ist über den Fall bereits informiert worden."
Dort wird über das weitere Vorgehen entschieden. "Wir haben von der Angelegenheit aus Illertissen gehört. Sie ist bekannt", sagt Kathi Marie Ulrich, Pressesprecherin der Diözese. Im Gegensatz zu Kolleg-Leiter Schöpplein sagt sie: "Offiziell liegt uns aber hier in Augsburg nichts vor." Ob der Kirchenaustritt für die junge Gymnasiastin in Illertissen Konsequenzen hat, ist nach Angaben der Sprecherin noch offen. Sie betont aber: Wer der Kirche den Rücken kehrt oder nicht mehr am Religionsunterricht teilnehmen möchte, muss in der Tat befürchten, von einer katholischen Schule zu fliegen.
Das Kolleg der Schulbrüder ist das einzige Gymnasium in der gut 17 000-Seelen-Stadt Illertissen. Deshalb ist die Schule grundsätzlich für alle offen, auch für jene, die anderen Religionen angehören. Auch die Eltern dieser Schüler müssen einen Vertrag unterzeichnen und sich damit einverstanden erklären, dass sie und ihre Kinder das Leitbild der katholischen Kirche respektieren. Die konfessionslosen Schüler besuchen am Kolleg den Ethikunterricht. "Sofern er denn angeboten wird", wie der Schulleiter sagt.
Bei der Diözese in Augsburg ist die Sprecherin um versöhnliche Töne bemüht. Sobald der offizielle Bericht vorliege, werde sich das Schulwerk damit befassen und "möglicherweise auch" das Gespräch mit der Schülerin und ihrer Mutter suchen. Die Zehntklässlerin sei religionsmündig und könne selbst entscheiden, ob sie aus der Kirche austrete. "Das muss ja nicht automatisch bedeuten, dass damit das Ausbildungsverhältnis zwischen ihr und der Schule endet."
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Autor: CARSTEN MUTH | 30.04.2010
Am Kolleg der Schulbrüder in Illertissen sorgt derzeit der Kirchenaustritt einer Zehntklässlerin für Wirbel. Träger des katholischen Gymnasiums ist das Schulwerk der Diözese Augsburg.
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Kommentare (11)
Tolleranz kontra Kirche
Man muss sich mal vorstellen: Es werden Deutsche nach Afganistan geschickt mit der Bemekung dass Frauen auch ein Recht auf Unversehrtheit und Schule haben.Und im eigenen Staat duerfen Geisltiche Gewalt und Druck gegenueber der Bevölkerung ausueben.
Wie weit ist der Hindukusch eigentlich weg?
Toleranz und Kirche - ein Widerspruch?
Scheint so, als nähmen die klerikalen Eliten die Sache mit der freien Willensentscheidung von Menschen, die sich in ihren Händen befinden, nicht sonderlich ernst.Aber was anderes sollte man von einer Organistation schon erwarten, die sich weltweit in die Angelegenheiten der Menschen einmischt und sie, wie hier deutlich wird, bei "Zuwiderhandlungen" unter Druck setzt, sich obendrein noch einen Dreck darum schert, wenn es um die Beachtung säkularer Regeln und Gesetze geht?
Aus eben diesem Grund haben auch Kreuze in staatlichen Schulen nichts verloren, da wir nicht nur eine christlich geprägte Kultur haben, sondern auch eine auf Freiheit und Toleranz gegründete Wertegemeinschaft - was in den Jahrhunderten teuer und oftmals blutig gegen feudale und klerikale Machtstrukturen erkämpft werden musste.
Mag eben sein, ein Vertrag, wie im Bericht genannt,ist rechtens - dies macht ihn jedoch nicht weniger diskriminierend und schändlich.
Was heißt hier Toleranz?
Ich frage mich, ob dieser Vertrag, der den Eltern aufgezwungen wird, rechtens ist. Wenn es sich um das einzige Gymnasium in der Gegend handelt und die Finanzen nicht ausschließlich von der Kirche geregelt werden, also der Staat einen erheblichen Anteil zum Betrieb der Schule leistet, dann darf sich der Staat auch nicht seine Rechte beschneiden lassen. Dies bedeutet, dass Ethikunterricht zwingend alternativ (unabhängig von tatsächlicher Religionszugehörigkeit oder Atheismus) angeboten werden muss.Davon abgesehen, würde der katholischen Kirche ein wenig Weltoffenheit ziemlich gut anstehen, nicht nur aufgrund der aktuellen Diskussionen, denn tatsächlich laufen ihr die Mitglieder schon länger davon.
Es wird höchste Zeit für gravierende Reformen.
In obigem Zusammenhang stellt sich auch die Frage , ob die katholische Kirche überhaupt noch als Träger einer Schule geeignet ist (Säkularisation!). Meine Kinder würde ich dort unter solchen Repressalien nicht mit gutem Gewissen hinschicken.