Gastronomie in Horb
: Hinter den Kulissen des Da Vinci

Gaetano Materazzi äußert sich unzufrieden mit der Vermieterin des Eiscafés: Es gibt keine Heizung, und nicht überall ist zuverlässig Strom verfügbar.
Von
Manuel Fuchs
Horb

Diesen Text haben die Betreiber des Cafés „Da Vinci“ am Flößerwasen von außen sichtbar an den Scheiben angebracht.

Nicht gesetzt

Die Stühle und Tische stehen gestapelt im Gastraum des „Da Vinci“. Die Räume wirken abweisend, kalt, jedenfalls unbenutzt. Obwohl der Frühling in Horb bereits deutlich zu spüren ist, wird hier kein Eis verkauft.

„Wir können nicht arbeiten, weil die Vermieterin uns ständig das Wasser abstellt“, erklärt Gaetano Materazzi die missliche Lage. Das wiederum tut Aurora Hug, wie sie im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE bestätigte, weil Gennaro Materazzi, Gaetanos Bruder und der eigentliche Pächter, mit den Pachtzahlungen seit Monaten im Rückstand ist. Er rechtfertig dieses damit, dass seine Vermieterin Vertragsinhalte und Zusagen schuldig geblieben sei.

„Gennaro hatte mir den Mietvertrag gezeigt. Ich hab ihm gesagt: ‚Unterschreib das nicht, das ist kein gutes Geschäft!‘“, sagt Gaetano. Auch der Imbiss-Betreiber, der die Räumlichkeiten vorher gemietet hatte, soll abgeraten haben. „Er hat alles, den ganzen Streit mit der Vermieterin, vorhergesehen“, beteuert Gaetano. Und anscheinend Recht behalten.

Gaetano demonstriert im Eiscafé einige der Missstände: Die Gästetoiletten haben keinen Strom. Sie werden über das Haupthaus versorgt, in dem die Vermieterin wohnt. Diese vermutet, ihre Pächter haben bei Bauarbeiten eine Leitung angebohrt und einen Kurzschluss verursacht: „Ich mach die Sicherung jedenfalls nicht mehr rein!“, erklärt sie am Telefon. Aus den Wasserhähnen kommt kein warmes Wasser. Das meiste Geschirr werde in der Spülmaschine gereinigt, und für alles andere müsse man sich eben mit einem Wasserkocher behelfen, erklärt Gaetano. Nicht effizient, aber immerhin effektiv.

Die Fußbodenheizung, welche die Vermieterin anfangs nach Materazzis Darstellung „nur noch reparieren lassen“ wollte, gab es nie, auch keine Heizkörper, um wenigstens den Gastraum zu beheizen. Deshalb kann man das Lokal ausschließlich im Sommer betreiben, „aber dann zahlen wir nicht Pacht für ein ganzes Jahr“. Dass sein Bruder Gennaro sich auf mündliche Zusagen der Vermieterin verlassen und die verlangten Nebenkosten zunächst gutgläubig bezahlt hatte, sieht er als Fehler an. „Deshalb bin ich jetzt hier; ich spreche noch besser Deutsch als er. Und ich bin ein bisschen temperamentvoller.“ Gennaro kümmert sich derweil um seine Pizzeria in Vaihingen an der Enz.

„Wir haben über 100000 Euro in die Küche und die Einrichtung investiert“, erklärt Gaetano. Angesichts der vielen neuen Möbel und Geräte eine glaubwürdige Summe. „Das macht doch keiner, der nicht länger bleiben will. Fünf Jahre läuft unser Pachtvertrag, und den wollen wir wahrnehmen, Eis verkaufen!“ Natürlich sind Möbel und Geräte von einer Bank vorfinanziert; die fälligen Raten stottern die Materazzis gemeinsam ab. „Wir sind eine Restaurant-Familie und halten zusammen.“

Gastronomische Anforderungen

Was er nicht versteht: „Wenn ich ein Lokal vermiete, weiß ich doch, was der Mieter braucht.“ Dazu gehört außer Strom in allen Räumen, einer tauglichen Heizung und heißem Wasser auch die Möglichkeit, Gäste so zu bewirten, dass sie sich wohlfühlen.

Die Vermieterin besteht jedoch auf dem Durchfahrtsrecht zu ihrem neckarseitig gelegenen Hof über die städtische Fläche zwischen Gebäudekante und drei dort gepflanzten Bäumen. Nach ihrer Darstellung ist der geforderte Abstand der Außenbestuhlung vom Gebäude im Mietvertrag erwähnt, war ihrem Pächter also rechtzeitig bekannt.

Die Materazzis wollen das Eiscafé so schnell wie möglich wieder öffnen. „Das Team steht bereit; an uns liegt es nicht“, erklärt Gaetano. Um die Rahmenbedingungen zu verbessern und beide Parteien ihre pachtvertraglichen Pflichten erfüllen zu lassen, hat er die ganze Angelegenheit längst einem Anwalt übergeben.

Das scheint der einzig gangbare Weg zu sein. Die Materazzi-Brüder erklärten zwar, sie seien weiterhin gesprächsbereit und offen für einen konstruktiven Austausch. Aurora Hug äußerte gegenüber der SÜDWEST PRESSE am Telefon jedoch zunächst, sie sehe keinen Sinn darin, sich mit ihren Pächtern noch einmal an einen Tisch zu setzten: „Ich will sie einfach nur noch aus dem Haus haben.“ Aber sie werde darüber nachdenken.