Waldbesitzer spüren die Krise

Kreis Neu-Ulm.  Der Holzverkauf stagniert. Schuld ist die Wirtschaftskrise. Folgen, die auch die Waldbesitzer in der Forstbetriebsgemeinschaft Neu-Ulm zu spüren bekommen. Sie verkauften 25 Prozent weniger Holz.

Schwierige Zeiten für die Forstbetriebsgemeinschaft Neu-Ulm: Waren es 2006 noch 42 000 Kubikmeter, im Fachjargon Festmeter genannt, die der in Illertissen ansässige Wirtschaftsverein an Papierhersteller, Schnittholzproduzenten und Holzhändler verkaufte, sanken die Verkaufszahlen 2007 auf 39 000 Festmeter. Im jetzt zu Ende gegangenen Wirtschaftsjahr 2008/2009 brachen die Verkäufe ein weiteres Mal ein: Nur noch 28 000 Festmeter Holz aus den Wäldern in der Region fanden Abnehmer.

Dabei boomten die Fichten-, Buchen- und Eichenstämme bis vor drei Jahren. "Der Rohstoff aus unseren Wäldern war gefragt", blickte Josef Mack, der Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft, ein wenig wehmütig zurück. Im Saal der Gaststätte "Hirsch" hätte man jetzt ein Blatt fallen hören können. Mehr als 100 Waldbesitzer und Behördenvertreter waren zur Jahresversammlung nach Attenhofen gekommen. Mack habe, räumt er ein, "mit solchen Absatzproblemen nicht gerechnet".

Denn längst werden aus den Holzstämmen nicht mehr nur Papier, Häuser und Möbel hergestellt. Zunehmend wird das Stammholz auch zu Hackschnitzeln und Pellets verarbeitet und wandert in Holzheizöfen. Die Alternative zu teurem Gas und Öl kam an bei den Kunden. Alles deutete auf Wachstum und florierende, neue Märkte hin. Diese Zeiten scheinen jedoch erst einmal vorbei zu sein. Zwar ist Fichtenholz derzeit gefragt. Aus den Stämmen werden in den Sägewerken Bretter geschnitten. "Doch wie sich die Märkte weiterentwickeln, wie sich die Wirtschaftskrise auswirkt, Exporte und Konjunkturprogramme wirken, das weiß im Moment niemand", sagt Peter Schaffner, der forstliche Berater vom Landwirtschaftsamt in Krumbach, der bei der Versammlung keine Prognose abgeben wollte, "die nachher nicht eintrifft".

Holz ist nicht nur einfach Holz. Das zeigt sich an der Produktpalette, mit der die Forstbetriebsgemeinschaft um Kunden wirbt. Zu kaufen gibt es Holz für die Papierherstellung und Holzstangen, aus denen man Zäune bauen kann. Es gibt Brennholz und genormte, 5 oder 20 Meter lange Stämme, so genannte Rundhölzer, die man direkt aus dem Wald kaufen kann. Nicht zu vergessen das Laubholzsortiment, das die Forstbetriebsgemeinschaft für Möbelbaufirmen und Schreinereien bereithält. Das sicherte Umsätze und bescherte den über 900 Mitgliedern ordentliche Erträge.

Dann kam die Krise. Die drei Mitarbeiter der Geschäftsstelle in Illertissen gingen im Januar in Kurzarbeit. "Eine Sparmaßnahme, die uns eine Punktlandung bescherte und kein Minus in der Kasse brachte", sagte Josef Mack. Nun hoffen die Waldbesitzer, dass das Holz der Betriebsgemeinschaft für potenzielle Kunden wieder attraktiver wird.

Seit Beginn der Wirtschaftskrise haben amerikanische Importeure 80 Prozent weniger Holz aus Europa gekauft. Daher sanken die Schnittholzpreise um sechs Prozent. Dass sich der Preis bei knapp 65 Euro für den Festmeter einpendelte und nicht noch weiter nachgab, lag aber vor allem daran, dass die Waldbesitzer auf die Krise reagierten und weniger Bäume fällten, die Produktion des frisch geschlagenen Holzes für die Schnittholzproduktion in den Sägereien zurückfuhren. Seit Sommer zieht der Holzmarkt nun ein wenig an. "Es wird wieder mehr Holz nach England und China exportiert", erklärte Forstberater Schaffner. Das knappe Angebot ließ die Preise dann schließlich für einen Festmeter Rundholz auf fast 75 Euro steigen. Doch die Märkte bleiben unberechenbar: Trotz guter Auftragslage sinken die Preise für Schnittholz inzwischen wieder. "Wir erleben täglich neue Preise", stellte Schaffner ernüchtert fest. Für Laubholz bezahlen die Aufkäufer pro Festmeter derzeit 50 bis 55 Euro. Eine Tonne Industrieholz, darunter fällt auch Holz für die Papierherstellung, ist für 55 bis 58 Euro zu haben. Der Grund: Die deutsche Papierproduktion ist in den vergangenen anderthalb Jahren um über 18 Prozent zurückgegangen. Die Papierwerke in Dachau und in Baienfurt mussten wegen der einbrechenden Nachfrage ihre Werkstore schließen. Nicht viel besser sieht es bei den Holzbrennstoffen aus: Eine Tonne Pellets gibt es derzeit für 205 Euro, eine Tonne Hackschnitzel ist für 80 bis 85 Euro zu haben. "Das entspricht einem Heizölpreis von rund 26 Cent", erklärt Schaffner. Zum Vergleich: Ein Liter Heizöl kostet aktuell rund 55 Cent.

Was tun? Der Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Michael Kölbl rät zum Durchhalten. "Pflegen Sie Ihre Wälder. Machen Sie Holz. Die Sägeindustrie rechnet mit Ihnen und wir natürlich auch", appellierte er an die Waldbesitzer.


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Autor: PETRA AST | 20.11.2009

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