Anschub für ambulante Palliativmedizin

Der Kreis Neu-Ulm unterstützt den Aufbau einer ambulanten palliativen Versorgung mit einem Team von Ärzten und Pflegekräften: Start ist im April geplant - Träger ist ein Verbund von Initiativen und Verbänden.

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Die Palliativstation an der Stiftungsklinik Weißenhorn ist einer der stationären Kooperationspartner des ambulanten Teams in Mittelschwaben.  Foto: 

Acht festangestellte Pflegekräfte, dazu 1,4 Arztstellen: Der Betrieb einer ambulanten palliativen Versorgung in zwei Landkreisen ist teuer. Ein solches spezialisiertes Team soll in den beiden Landkreisen Neu-Ulm und Günzburg noch in diesem Jahr die Lücke schließen zwischen Klinik und hausärztlicher Betreuung.

Im April soll die sogenannte „Spezialisierte ambulante palliativmedizinische Versorgung“ (SAPV) ihren Betrieb aufnehmen, der Landkreis Neu-Ulm unterstützt deren Entstehung mit einer einmaligen Anschubfinanzierung in Höhe von 25.000 Euro – und er bewilligt ein Darlehen oder eine Bürgschaft von bis zu 80.000 Euro.

Die Betreuung schwerstkranker Menschen in ihren letzten Lebensmonaten ist eine Leistung, auf die Krankenkassenpatienten bereits seit dem Jahr 2007 Anspruch haben. Doch für den wirtschaftlichen Betrieb eines solchen Spezialistenteams ist ein Einzugsgebiet von mehr als 250.000 Einwohner konzipiert. Im vergangenen Jahr hat der Raphael Hospiz Verein Günzburg die Initiative ergriffen, für die beiden Landkreise eine Lösung zu organisieren, die zusammen auf knapp 300.000 Einwohner kommen.

„Wir brauchen die Anschubfinanzierung für Investitionen und für den Zeitraum, bis die Erstattung der Leistungen der ersten Monate durch die Krankenkassen erfolgt“, sagte Dr. Peter Keller vor dem Sozialausschuss des Kreistags in Neu-Ulm. Keller ist Chefarzt an der Klinik in Günzburg und Vorsitzender des dortigen Hospizvereins. Träger der künftigen ambulanten Versorgung, die vom Hausarzt verschrieben werden kann, wird der als gemeinnützige GmbH konzipierte Palliativdienst Mittelschwaben sein. Gründungsmitglieder sind sieben Gesellschafter, viele von ihnen Wohlfahrtsverbände aus der Region. Außer dem Günzburger Raphael Hospiz und der ökumenischen Hospizinitiative Krumbach ist das Diakonische Werk Neu-Ulm dabei, der Caritasverband für die Region Günzburg und Neu-Ulm, die ökumenische Sozialstation Günzburg sowie der Caritasverein Illertissen. Außerdem ist Professor Wolfgang Schreml Gesellschafter, früherer Günzburger Chefarzt und Förderer und Spezialist für Palliativmedizin in der Region.

Peter Keller, Schremls Nachfolger an der Spitze des Günzburger Hospizvereins, betonte die kooperative Ausrichtung der neuen Dienstleistung. „Es versteht sich, dass die psychosoziale Begleitung durch die Hospizvereine und deren ehrenamtliche Helfer weiterhin erfolgen wird“, hatte er im Vorfeld an Landrat Thorsten Freudenberger geschrieben. In Kontakt stehe man ebenso mit stationären Einrichtung wie dem Benild-Hospiz in Illertissen und der Palliativstation an der Stiftungsklinik in Weißenhorn.

Der künftige Dienstsitz der Gesellschaft ist noch offen – zurzeit seien einige Standorte in der Prüfung. Einer davon ist Weißenhorn. Die Versorgungsteams sind als selbstständige Organisationseinheiten konzipiert. Die Planung sieht eine 24-Stunden-Verfügbarkeit an sieben Tagen die Woche vor. Für den Dienstleister im ländlichen Raum „werden ein ganz großer Ausgabenpunkt künftig die Fahrtkosten sein“, informierte Keller.

Info Für den Einzugsbereich Ulm und Alb-Donau gibt es drei SAPV-Teams: in Ulm, im Kreis Biberach und dem Filstal. Diese sind auch für den Alb-Donau-Kreis zuständig.

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