Angeln mit der App

Smartphones sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Selbst die Angler am See wollen nicht darauf verzichten. Nersinger Jungfischer haben daher mit einem Verlag eine"App für Angler" entwickelt.

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Die Nersinger Jungfischer haben bei der Entwicklung dieses Angler Apps mitgetüftelt. Privatfoto

Wer glaubt, dass Fischer nur eine Angel, richtige Köder und viel Geduld für das wahre Anglerglück brauchen, der irrt. Sie müssen Schonzeiten und -maße der jeweiligen Fischart berücksichtigen, Verbote und Bestimmungen des Angelvereins vor Ort einhalten und die richtige Ködertiefe auf den"Zielfisch" anpassen.

"Wir haben uns gefragt: Was muss ich als Angler alles wissen und was benötige ich direkt vor Ort am Gewässer", erklärt Jugendleiter Tobias Glaser (28) vom Fischerverein Nersingen. Und diese Überlegungen hatten auch einen Grund: Denn zusammen mit den Entwicklern eines Kemptener Verlags haben die Nersinger Jungfischer eine Angel-App entwickelt - eine Anwendung für Smartphones also.

Der Kontakt sei auf der Jagd- und Fischereimesse in Ulm im Februar zustande gekommen. Dort hatten die Nersinger verschiedene Projekte vorgestellt. Ein Mitarbeiter des App-Verlags habe sie angesprochen - und sie sofort für das Angler-Projekt der etwas anderen Art gewonnen, wie Glaser sagt.

Kernstück der App ist das"Fangbuch". Hier können die Nutzer die eigenen Fänge eintragen, mit dem Handy ein Foto direkt vor Ort aufzeichnen und abspeichern. Des weiteren können die Gewässer, an denen geangelt wird, über den Internetdienst"Google Maps" lokalisiert und hinterlegt werden.

Da jedes Bundesland andere Vorschriften in Sachen Schonzeiten hat, kann sich der Angler in der App sein Land aussuchen. Die Idee, diese Vorschriften mit denörtlichen Bestimmungen des Angelvereins zu koppeln, kam in einem Workshop von den Junganglern, erzählt Glaser."Für mich und meine Jungs war es sehr spannend, an einer solchen App mitwirken zu dürfen. Unsere Ideen wurden zwar kritisch begutachtet, aber manch eine Funktion stammt von uns."

Wie viel Input haben die sieben Nersinger, die regelmäßig gegrübelt und getüfelt haben, tatsächlich geliefert?"30 bis 40 Prozent der Konzeption gehen auf sie zurück", sagt Peter Felser vom App-Verlag. Die Entwicklung habe im Verlag stattgefunden, der sich auf"Apps" für Jäger und Naturfreunde spezialisiert hat. 15 bis 20 dieser Programme entstehen pro Jahr in Kempten. Bis die App"Angeln Pro" fertig programmiert war, sind vier Monate ins Land gegangen."Es war zum Beispiel aufwendig, die App so zu programmieren, dass iPhone- und Android-Besitzer Tipps und Photos untereinander austauschen können." Apple mit seinem Betriebssystem iOs und Geräte mit Googles Android sind derzeit die Marktführer.

Einige gute Ideen der Nersinger waren technisch nicht umsetzbar. Zum Beispiel die Funktion, mit dem Handy den gefangenen Fisch zu fotografieren und sich die Größe anzeigen zu lassen. Aus organisatorischen Gründen klappte das Ansinnen nicht, via Smartphone Angelkarten vor Ort zu lösen."Dazu wäre es nötig, dass die Daten für sämtliche Tümpel in Deutschland hinterlegt sind", erklärt Felser.

Im Apple-Store kostet die App fünf Euro, für Android-Geräte nur vier Euro."Bei Android herrscht eine größere Gratis-Kultur, die die Kunden geprägt hat." Dort sei es viel schwieriger, hochpreisige Apps zu verkaufen. Und wie viele Käufer müssen zuschlagen, dass die App Gewinne bringt? Felser überlegt und sagt:"Ein paar tausend müssen es schon sein." Das wäre natürlich für Tobias Glaser und seine Jungs eine tolle Sache. An den Einnahmen werden sie übrigens nicht beteiligt; lediglich eine Aufwandsentschädigung hat die Jugendgruppe für ihre Mitarbeit bekommen.

Aber braucht der traditionelle Fischerüberhaupt ein Smartphone am See? Oder will er nicht lieber die Stille genießen?"Während dem Angeln lassen wir natürlich lieber die Seele baumeln", sagt Glaser. Davor und danach könne die App aber gute Dienste erweisen. Ihm und seinen Jungs hat es der Verlag inzwischen ermöglicht, die App runterzuladen. Dazu gekommen sei noch keiner, sagt Glaser. Und der Jugendleiter selbst hat gar kein Smartphone, sondern ein herkömmliches Handy.

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