Albert Vogt mit der Bürgermedaille in Gold ausgezeichnet

Mit der Bürgermedaille in Gold ist in Illertissen Albert Vogt ausgezeichnet worden. Tausende ehreanamtliche Stunden investierte er in das Illertisser Heimatmuseum.

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Albert Vogt restaurierte im Vöhlinschloss Kassetten-Stuckdecken aus dem 16. Jahrhundert  Foto: 

Allein, wenn er daran denkt, was aus der Rathausfassade in Illertissen beinahe geworden wäre, graut Albert Vogt. „Graublau wäre die heute“, entsetzt er sich immer noch darüber, was „Fachleute“ 2011 vorhatten. Wie so oft war er „im richtigen Moment am richtigen Platz“, wie er sagt, konnte eine „Todsünde“ verhindern und zusammen mit seinem Kollegen Wolfgang Bernegger dem rund 120 Jahre alten Bau Helligkeit einräumen. Im Innern hatte er schon zuvor dafür gesorgt, dass historische Strukturen freigelegt wurden. Ähnlich war es bei anderen Projekten: Albert Vogt schaffte mit und ohne Bezahlung, wenn es darum ging, Geschichtsträchtiges zu erhalten.

Nach historischem Vorbild renoviert

„Maler Vogt“ wird er in Illertissen genannt. Dass der Beruf den Vornamen ersetzt, erklärt sich ganz einfach: Albert Vogt ist mit Leib und Seele Handwerker. Was er in die Hand nimmt, hat hinterher tatsächlich Hand und Fuß. Man betrachte den Barocksaal im Vöhlinschloss, das Bienenmuseum und das Heimatmuseum, die Pfarrkirche St. Martin, das Rathaus – um nur einige Beispiele mit seiner Handschrift zu nennen. „In alte Räume darf man mich nicht lassen, ich nehme sofort den Meterstab“, sagt er und betont, dass bei allen großen Illertisser Projekten ein weiterer Name wichtig sei: Josef Kränzle. Ohne dessen finanzielles Engagement  gäbe es keine Stuckdecken im französischen Anbau des Schlosses, stünde das Benefiziatenhaus nicht mehr, wäre die Turmkuppel im vorderen Schloss nicht nach historischem Vorbild restauriert worden.

Albert Vogt stammt aus einer Bauernfamilie in Illertissen. Die Mutter, eine Kriegswitwe, war streng. Der Bub musste mit 14 Jahren eine Lehre als Maler beginnen, „dabei wussten wir nicht mal, wie man einen Kitt macht, was Gips ist“, denkt er laut zurück und vergleicht mit den heutigen Informationsmöglichkeiten für Azubis. „Das war eine schwere Jugendzeit, wir mussten hart arbeiten, hatten ein wenig verständnisvolles Umfeld.“ Sein Lehrherr Hans Schedel sei streng gewesen, aber er blieb fünf Jahre bei ihm.

Über seinen Stiefvater bekam er  Kontakte zur Kirchenmalerei, absolvierte in Augsburg eine Zusatzausbildung. Seine Liebe zur Kunst war geweckt. „In der Residenz in München, da gingen mir die Augen auf.“ Vogts beruflicher Weg zum Meister und zum eigenen Betrieb führte über viele Hürden. Von Anfang an suchte er Kontakte zu fachlich sorgfältigen Handwerkern, von denen er lernen konnte, und zu Schaltstellen in Behörden.

Liebe zum Vergolden

Er baute sich Netzwerke auf, wie man heute sagen würde. Und er hielt, er pflegte diese Beziehungen über Jahrzehnte. „Von denen hat letztendlich sogar die Stadt Illertissen später profitiert“, stellt er fest. Auch wenn er als junger Mensch zunächst noch nicht bei der Kirchenmalerei bleiben konnte – später, als er längst seinen eigenen Betrieb in Illertissen hatte, nahm er viele Gelegenheiten wahr, dieser Leidenschaft zu frönen. Er stieg auch noch ins Stuckateur-Handwerk ein, arbeitete begeistert mit versierten Stuckateuren zusammen.  Besonders interessierte er sich fürs Vergolden.

Mehr als drei Jahrzehnte lang führte Vogt, der auch zwölf Jahre Stadtrat war,  einen eigenen Betrieb, bildete mehr als 40 Lehrlinge aus. Fünf sind inzwischen selber Meister. Seit zehn Jahren führt Sohn Christoph den Familienbetrieb. „Mittlerweile lässt Albert Vogt sich selbst von gelehrten Kunstgeschichtlern nichts mehr vormachen“, sagt Illertissens Bürgermeister Jürgen Eisen.

Heimatmuseum wiederbelebt

Zusammen mit dem damaligen Kulturreferenten Josef Niederwieser habe er dafür gesorgt, dass das Heimatmuseum wiedergeboren wurde. Vogt sei  „Motor der ersten Stunde“ gewesen. Schon 1968 begannen er und Niederwieser damit,  die Bestände zu sichten. „Das war himmelschreiend, wie das alles aussah“, erinnert sich der 75-Jährige. Stark beschädigte Exponate wurden gereinigt, geordnet, restauriert. Albert Vogt kümmert sich noch immer um die Dinge in den Depots des Heimatmuseums, hat erst kürzlich Regale, Tisch und Stühle organisiert.

29 Auszeichnungen Ernennungen zu Ehrenbürgern, Verleihung des Ehrenrings der Stadt, Bürgermedaillen in Gold und Silber, Ehrennadeln: Auszeichnungen, die Illertissens Bürgermeister nach einstimmigen Beschluss im Stadtrat verliehen hat. Wir werden exemplarisch über einige berichten.

Wichtiges Ehrenamt „Ohne Sie könnten die inneren Strukturen in den Vereinen und in anderen Organisationsformen wie Sport, Kultur, Soziales oder Kirche, sowie natürlich auch in der Politik nicht richtig funktionieren. Sie tragen entscheidend dazu bei, damit alles rund läuft.“ So dankte Illertissens Bürgermeister Eisen bei der Bürgerehrung.

Unermüdlich Albert Vogt erhielt „aufgrund seines Einsatzes seit mehreren Jahrzehnten im kulturellen Bereich, für „tausende von ehrenamtlichen Stunden für Malerarbeiten, Renovierungen und Erhalt historischer Räume und Gebäude sowie für ein großartiges Engagement im Bereich des Illertisser Heimatmuseums“ die Bürgermedaille in Gold. Die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland war ihm schon 1997 verliehen worden. is

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