Allgäu-Airport-Geschäftsführer: „Wir haben geliefert“

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Seit 80 Jahren wird in Memmingerberg geflogen, vor 15 Jahren wurde die erste Airport-Gesellschaft gegründet, vor zehn Jahren begann der Linien- und Charterflugbetrieb. Am Allgäu Airport wird 2017 viel jubiliert. Wir sprachen deshalb mit dem Flughafen-Geschäftsführer Ralf Schmid, der die zivile Nutzung des ehemaligen Bundeswehr-Fliegerhorsts von Beginn an begleitet.

Herr Schmid, Sie sind selbst begeisterter Flieger. Wie würden Sie die Flugbahn des Airports seit seinem Start beschreiben?

Ralf Schmid: Wer mich kennt, weiß, dass ich ein ungeduldiger Mensch bin. Das heißt, ich bin mit der bisherigen Entwicklung des Flughafens zwar sehr zufrieden, hätte mir die Wirtschaftlichkeit und die eine Million Fluggäste, die wird dieses Jahr erreichen werden, aber schon zwei, drei Jahre früher gewünscht.

Wirtschaftlichkeit? Bedeutet das, der Allgäu Airport schreibt jetzt schwarze Zahlen?

Im operativen Geschäft sind wir eigentlich schon seit 2009 profitabel. Dieses Jahr wird es uns aber erstmals gelingen, auch die Zinsen und Abschreibungen vollständig zu erwirtschaften. Das macht uns unabhängiger vom Geld unserer Gesellschafter.

Es ist also Steigflug angesagt? Kritiker Ihres Regionalflughafens sagen aber, der könne nur durch  die Zuschüsse des Freistaats am Leben gehalten werden.

Bislang sind in den Allgäu Airport 30 Millionen Euro Kapital unserer Gesellschafter aus der Wirtschaft geflossen. Und für unser erstes Konversionspaket haben wir 7,3 Millionen öffentliche Investitionszuschüsse erhalten. Das waren 50 Prozent der Baukosten von 14,6 Millionen Euro, die wir von 2007 bis 2010 hatten. Damit sind wir ein Flughafen mit geringen Ausgaben im Verhältnis zu den hohen Fluggastzahlen.

Sie ärgern sich über solche Kritik?

Ja. Zuerst hieß es, es gibt keinen Bedarf in Memmingen. Dann war es der Lärm, dann die angeblich fehlende Wirtschaftlichkeit. Wer bei uns hinter die Kulissen blicken will, sieht, dass wir bodenständig sind. Wir haben geliefert – die letzten zehn Jahre. Von all den Vorwürfen ist nicht viel übrig geblieben. Wir haben ja auch alle Prozesse gewonnen.

Dennoch werden Sie für den geplanten Ausbau des Airports nun wieder staatliches Geld brauchen. Die Rede ist von 12,2 Millionen Euro.

Das ist doch ganz normal. Infrastrukturprojekte werden gefördert. Die Europäische Union sagt, das ist völlig in Ordnung. Brüssel hat einen Investitionszuschuss des Freistaats in Höhe von 7,75 Millionen Euro bereits 2013 genehmigt. Derzeit wird geprüft, ob der Freistaat uns, wie von Finanzminister Markus Söder zugesagt, 12,2 Millionen zuschießen darf. Wir sind zuversichtlich.

Was machen Sie mit dem Geld?

Wir greifen nicht nach den Wolken, sondern bringen uns auf einen technischen Stand, der uns auf Augenhöhe unserer Marktbegleiter bringt. Wir müssen die Startbahn von 30 auf die vorgeschriebenen 45 Meter verbreitern. Wir müssen das Vorfeld anpassen und bauen eine moderne Befeuerungsanlage, die es den Airlines ermöglicht auch bei ungünstigem Wetter zu landen. Bislang haben wir im Jahr 15 bis 20 Ausweichflüge. Das heißt, die Maschinen müssen an anderen Flughäfen landen. Das ist ärgerlich für Fluggäste und Airlines.

Wann und wie soll es losgehen?

Wir hoffen, noch im zweiten Quartal eine Genehmigung aus Brüssel zu bekommen. Dann würden wir im Herbst planen, im Winter die Bauaufträge vergeben und im Frühjahr mit der Landebahn beginnen. Die Verbreiterung auf drei Kilometer Länge im laufenden Betrieb ist keine Kleinigkeit. Wir haben für den Ausbau ja nur ein Nachtfenster zwischen 23 und 5 Uhr.

Wenn die ehrgeizigen Pläne gelingen, sind Sie und ihre Gesellschafterkollegen wunschlos glücklich? Oder müssen wir noch über den fehlenden Inlandsflugverkehr reden?

Ja, ja. Ohne diese Frage geht es nie. Es ist so: Unsere erste Priorität muss es sein, den Flughafen profitabel zu betreiben. Erst danach können wir schauen, was wir für die Region tun können. Dazu gehört der Inlandsverkehr, der fast immer ein Zuschussgeschäft ist. Bislang gab es von den Touristikern und Politikern vor allem den Wunsch nach innerdeutschen Flügen. Sie haben aber wenig dafür getan. Deshalb suchen wir  ja auch den Schulterschluss mit der Region.

Heißt das, es gibt eine Chance auf innerdeutsche Flüge?

Wenn Ryanair jetzt im September ein Flugzeug bei uns stationiert, gibt es für uns wieder etwas Phantasie in diese Richtung. Wir haben in der Region das Potenzial, jetzt müssen wir abwarten, wie sich der Markt entwickelt.

Und wenn Sie als Geschäftsführer noch einen Wunsch frei hätten?

Für mich persönlich wäre es ein Glück, wenn ich nicht immer und überall auf die innerdeutschen Flüge angesprochen würde. Nein, im Ernst: Ich wäre noch glücklicher, wenn es die eine oder andere Airline gäbe, die zusätzliche Flugzeuge bei uns stationiert.

Kommentar zu Allgäu Airport: Inlandsflugverkehr ist Pflichtaufgabe

Im Vergleich zu anderen Regionalflughäfen steht der Allgäu Airport in Memmingen gut da. In den vergangenen Jahren ist es Ralf Schmid und seinem Team gelungen, den Betrieb profitabel zu machen. Allerdings vor allem als Drehkreuz für Flüge gen Osten.

Flugziele Kunden aus der Region können übers Wochenende nach Vilnius, Moskau oder Belgrad fliegen, nach Porto, Neapel oder Malaga. Städtereisen ab FMM nach Berlin, Hamburg oder Köln gibt es nicht mehr. Oder umgekehrt: Aus anderen Regionen Deutschlands ist das Allgäu nicht per Flug zu erreichen.

Inlandsflüge Das ist, so sehr die wiederkehrenden Forderungen den Flughafen-Geschäftsführer auch anstrengen, ein gewaltiger Mangel. Ein Wermutstropfen in der Bilanz des Airports, um den sich der Geschäftsführer in den kommenden Monaten nun kümmern muss. Die Landkreise und Städte der Region haben durch ihre finanzielle Beteiligung an der Immobilienbesitzgesellschaft ein Bekenntnis zum Flughafen abgegeben. Sie dürfen deshalb erwarten, dass der Airport nun auf ihre Wunschliste einzahlt. Und dort steht der innerdeutsche Flugverkehr ganz oben. Bei Großstadtbummlern, Geschäftsreisenden und heimischen Tourismusanbietern, die auf zusätzliche Kunden hoffen.

Potenzial Und sollte es einer weiteren Begründung bedürfen?! Die hat Ralf Schmid schon selbst geliefert: Das Potenzial ist da!

Ralf Schmid Bereits als Kind verbrachte der 1967 in Schramberg im Schwarzwald geborene Ralf Schmid viel Zeit auf dem Flugplatz. Sein Vater war aktiver Flieger und fungierte lange Jahre als Vorstand eines Sportflugplatzes. Ralf Schmid studierte Bauingenieurwesen und Projektmanagement in Biberach. Seine Diplomarbeit schrieb er über die Konversion des Baden Airport, wo er bis zu seinem Wechsel im Jahr 2002 nach Memmingen arbeitete. Der Vater dreier Söhne ist begeisterter Flieger,  Motorrad-, Ski- und Radfahrer.

Airport Der Memminger Flughafen wird von 76 Gesellschaftern getragen.  Hauptgeldgeber sind Privatleute und -unternehmen aus der Region. Der Airport wurde bis 2003 als Fliegerhorst Memmingerberg militärisch genutzt. Seit 2007 gibt es regelmäßigen Passagierflugbetrieb. Derzeit befindet sich der Airport in einem Strukturierungsprozess. Eine neue Gesellschaft kümmert sich um den Betrieb. Städte und Landkreise beteiligen sich über eine Immobilienbesitzgesellschaft an den Gewerbeflächen am Airport.

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