Adventskalender ohne Schokolade

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Seit zehn Jahren geht in Tiefenbach ab 1. Dezember pünktlich um 17.30 Uhr ein selbst gestaltetes Fenster auf. „Es müssen keine Kunstwerke entstehen, es reicht schon eine Kerze“, erläutert Gabi Klingenberg vom veranstaltenden  örtlichen Pfarrgemeinderat. Von Herzen soll es kommen, das ist ihr das Wichtigste. Ihr Tipp: „Man kann beispielsweise Kinder etwas basteln lassen.“ Das funktioniere prima.

Das Prozedere ist immer das Gleiche: Zuerst wird das Fenster beleuchtet, dann folgt das Programm. Das kann ein Gedicht sein, eine Geschichte oder ein musikalischer Beitrag. „Jeder darf machen, was er will.“ Es reiche auch eine einfache Begrüßung. „Kein Fenster war bisher doppelt“, lobt Gabi Klingenberg die Kreativität der Teilnehmer. „Es gibt jedes Jahr tolle Ideen

Essen? Getränke? Gabi Klingenberg verneint. Keine Plätzchen, kein Alkohol. Nur heißen Tee gebe es. „Wir wollen keinen finanziellen Aufwand.“ Der dafür nötige Tee-Topf werde jeden Tag von Fenster zu Fenster weiter gereicht. Für die Organisatorin steht etwas ganz anderes im Mittelpunkt –  Gemeinschaftsgefühl.

„Das Dorf soll sich spüren. Es ist egal, wer ein Fenster gestaltet, und was für einer Konfession er angehört, in erster Linie steht der Mensch da“, betont sie. Begriffe wie Zusammengehörigkeit oder Wir-Gefühl führt sie in diesem Zusammenhang auf. Andererseits soll der Dezember jedoch auch als besonderer Monat wahrgenommen werden, nicht nur in Bezug auf Weihnachten. Gabi Klingenberg möchte entschleunigen, die Hektik des Alltags herausnehmen. Mit den Nachbarn sprechen, für den Nächsten da sein unabhängig von der Religion, oder eben auch gemeinsam als Familie zum Fenster gehen – menschliche Werte eben, die sie mit dem begehbaren Adventskalender verknüpft. „Das ist mein Herzstück.“ Und ihre Motivation: „Wir machen das für die Tiefenbacher.“

Drei Fenster des Adventskalenders fehlen heuer. Dafür hat sich niemand finden können. „Das ist kein Problem“, meint die Organisatorin. Vielleicht nächstes Jahr wieder. Überhaupt stellt sich die Frage, wie Gabi Klingenberg das Ganze vorbereitet. „Zwischen Ende September und Anfang Oktober beginnen die Planungen“, rekapituliert sie. Veröffentlichungen im Amtsblatt, Briefe an Schule und Kindergarten gehörten ebenso dazu wie persönliche Gespräche.

Die Ex-Tiefenbacherin, die jetzt in Illertissen wohnt, spricht auch von einem „Selbstläufer“, denn: „Manche kommen schon von sich aus auf mich zu.“ Oder die neu Zugezogenen: „Auf diese Weise findet Integration ins Dorfleben statt.“ Ganz zu schweigen von Vereinen oder verschiedenen Gruppierungen. „Wir machen das jetzt zehn Jahre.“ Die Menschen fühlten sich angesprochen, würden sehen, dass etwas läuft.

Das zeigt sich auch an der Resonanz: „Vor dem Fenster versammeln sich immer zehn bis zwanzig Personen.“ Einladungen stehen auf Plakaten, Handzetteln, doch animieren ebenso persönliche Gespräche zum Kommen. Eine wichtige Geste. Treues Stammpublikum gibt es natürlich auch: „Einige trifft man immer wieder“, hat Gabi Klingenberg festgestellt.

Die geöffneten Fenster werden übrigens jeden Tag ab 17 Uhr bis 22 Uhr beleuchtet. Das dauert bis zum 6. Januar. „Viele Besucher oder Gruppen machen zwischen den Jahren eine Runde durchs Dorf, um sie sich anzuschauen.“ Nun geht es aber erst mal am Donnerstag in der Grundschule am Lichtacker los.

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