„Promilleweg“ am Aldi

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Eine „Verarsche der Bürger“, „unglaublich“ und „traurig“, waren im Laufe des Jahres nur einige der Reaktionen, die das Unverständnis angesichts des neuen Kreisverkehrs bei Filzingen zeigten. „Mir ist in meiner Amtszeit noch nie eine Maßnahme begegnet, bei der sich die Leute so unter der Gürtellinie aufgeregt haben“, sagte Wolfgang Höß auf der Bürgerversammlung in Altenstadt.

Das letztlich mit 972 000 Euro im August fertiggestellte Straßenbauprojekt überstieg das Budget um 300 000 Euro, weil während des Baus schadstoffbelastetes Material gefunden wurde, das teuer entsorgt werden musste. „Es sieht aber danach aus, dass auch dieser Betrag förderungsfähig ist.“ Zur Bürgerkritik am Standort, der Notwendigkeit und der Größe sagte Höß nun: „Mittlerweile sind sehr viele Bürger zufrieden und ich auch.“

Eine Einschätzung, die der Bürgermeister für einige der im laufenden Jahr strittigen Projekte der Marktgemeinde resümierte. So war nicht nur die neue Friedhofsplanung, besonders von Seiten der Kirche, in die Kritik geraten; auch die städtebauliche Entwicklung im Ortskern ließ viele Anwohner fragend zurück. Denn lange Zeit war es ruhig auf der Großbaustelle des ehemaligen Obermeier-Areals in der Memminger Straße. Es wurden Stimmen laut, ob der geplante Discounter Aldi nun doch nicht kommt und ob wieder Investoren abgesprungen seien. „Ich möchte jetzt mal aufräumen mit den Gerüchten, die ich mindestens dreimal pro Woche zu hören bekomme“, sagte Höß. „Der Bebauungsplan ist rechtskräftig, der Durchführungsvertrag mit den Vorhabensträgern abgeschlossen und der Mietvertrag mit Aldi rechtswirksam.“ Man rechne mit einem zeitnahen Baubeginn, im September kommenden Jahres sei der geplante Eröffnungstermin.

Die Unsicherheit über städtische Projekte sei auch Ausdruck des Wunsches nach Beteiligung seitens der Bürger, versuchte Höß den kritischen Stimmen etwas Gutes abzugewinnen. Dass sich die Altenstädter aktiv beteiligen, zeigten nicht zuletzt die vielen eingegangenen Vorschläge für neue Straßennamen. Seit dem Baubeginn in der Memminger Straße wird die Namensgebung für Straßen und Plätze, die in der neuen Mitte entstehen werden, immer konkreter.

Die neue Mitte soll als Platz ganz sicher einen Namen bekommen. Ob sie aber nun „Alte Wolke“, „Mittelpunkt“ oder gar „Oase“ heißen wird, darüber müsse noch diskutiert werden, sagte Höß. Auch für den Weg im Westen, der an der Kirche entlang zur Bahnhofsstraße führt, zeigten sich die Altenstadter kreativ: „Weg zur Kirche“ war dabei das simpelste, ansonsten gingen auch Ideen ein wie „Feierabendgasse“, „Bürgermeister-Höß-Weg“ und „Promilleweg“.

Altenstadt ist ein „Raum mit besonderem Handlungsbedarf“ (RmbH), ganz offiziell: Neben Oberroth und Senden wurde im Landkreis auch der Markt Altenstadt in das Landesentwicklungsprogramm aufgenommen. Das hat das Ziel, ländliche Räume in Bayern zu stärken. Wer als RmbH eingestuft wird, hängt nicht von der Finanzkraft der Kommune ab, sondern wird nach einer speziellen Berechnung ermittelt. Für den Markt bedeute das bessere Förderkonditionen und erhöhte Bezuschussungssätze, sagte Höß.

Blick auf anstehende Projekte

Zu bauen und zu planen gibt es in Altenstadt noch einiges, wie der Bürgermeister erläuterte: neues Seniorenzentrum, Bahnübergang in der Mühlbachstraße in Untereichen, Hangsicherung von Kirche und Friedhof in Herrenstetten, Neubau einer Multifunktionshalle und natürlich das große Streitthema Feuerwehrhäuser in Filzingen und Illereichen. „Insgesamt“, resümierte Höß, „war das ein sehr beratungsintensives Jahr.“ Lisa Maria Sporrer

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