„Ich mag das Wildlife“

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Das Herz von Michael von Lossow schlägt noch immer etwas schneller, wenn er an seinen ersten Spaziergang mit den Löwen denkt: „Das war krass. Mir ging die Pumpe“, sagt er und lächelt. „Beim zweiten Mal war es schon viel entspannter.“ Der 24-Jährige kommt aus Gannertshofen, einem kleinen Ort im südlichen Landkreis Neu-Ulm. Sechs Monate hat er in Südafrika verbracht und sich dort zum Wildhüter ausbilden lassen. Eine aufregende Zeit. Nun ist von Lossow wieder zu Hause. Seine Abenteuer sind von kommenden Montag an in der ARD zu sehen.

„Am Kap der wilden Tiere“ heißt die 30-teilige Serie, in der die Arbeit von Tierschützern entlang der „Garden Route“ im Süden Südafrikas vorgestellt wird. Einer der Protagonisten ist Michael von Lossow.

Er hat Löwen geimpft, Affen bespaßt, Giraffenbabys Fläschchen gegeben und gemeinsam mit seinen Kollegen ausgebüxte Geparde und Gnus wieder eingefangen. Von Lossow weiß, wie man Spuren liest, Pflanzenarten bestimmt, Tiere schlachtet, um Raubkatzen zu füttern. Und er hat Schießen gelernt. Als ausgebildeter Wildhüter darf er Touristen zu Fuß durch ein Reservat führen, gemeinsam mit den Löwen einen Spaziergang machen. Da müsse man gewappnet sein. Die Löwen seien an Menschen und Spaziergänge gewöhnt. „Zahme Löwen gibt es aber nicht.“

Der 24-Jährige geht nicht davon aus, wirklich einmal auf Löwen oder Büffel schießen zu müssen, um sich und die Gäste zu schützen. „Mein Trainer hat als erfahrener Guide tausende Walks gemacht. Zu seiner Waffe greifen musste er nie.“

Nichts gehe für einen Wildhüter über Erfahrung. Gute Guides wüssten den Gemütszustand der Tiere zu deuten, gefährlichen Situationen aus dem Weg zu gehen. „Es gibt eine Grundregel: Trete den Tieren nicht zu nahe“, sagt der 24-Jährige. Und fügt hinzu: „Das ist wie bei uns Menschen. Da sollte man seinem Gegenüber ja auch nicht ungefragt total auf die Pelle rücken.“

Von Lossow hat Wirtschaftspsychologie studiert und seinen Bachelor gemacht. 2011 ist er das erste Mal nach Südafrika gereist, um dort als freiwilliger Helfer in einem Tier-Reservat zu arbeiten. Ein Jahr später zog es ihn erneut ans Kap. „Weil ich schon immer etwas mit wilden Tieren machen wollte.“

Anfang 2014 flatterte plötzlich das Angebot einer TV-Produktionsfirma ins Haus, für die ARD-Dokureihe ein weiteres Mal nach Südafrika zu fliegen und als Wildhüter-Azubi vor der Kamera zu stehen. Von Lossow ist froh, sich auf dieses Abenteuer eingelassen zu haben. „Ich habe tolle Leute getroffen und unglaubliche Geschichten mitbekommen.“

Wer hat schon die Gelegenheit, Meeresforscher hinaus auf den Indischen Ozean zu begleiten, um einen Weißen Hai zu vermessen? Von Lossow hat auch das erlebt. Er war aber auch dabei, als Park-Ranger den vom Aussterben bedrohten Nashörnern sicherheitshalber die Hörner stutzten, um sie nicht zur Zielscheibe von brutalen Wilderern werden zu lassen.

Die Ausbildung hat Michael von Lossow geprägt. Es zieht ihn wieder zurück nach Südafrika. Doch die Arbeit als Guide ist auf Dauer keine Option für den 24-Jährigen. „Weil ich dann nur 500 Euro im Monat verdienen würde. Das ist zu wenig, um mir meinen Traum von einer Farm in Südafrika zu finanzieren.“

Seine nahe Zukunft sieht von Lossow deshalb in Deutschland. Er sucht einen Job, will zunächst einmal als Wirtschaftspsychologe arbeiten, Geld für die Auswanderung verdienen. „Ich bin kein Mensch, der ein Leben lang im Büro sitzen will“, sagt er. „Ich mag das Wildlife.“

Info
Die erste Folge der TV-Serie „Am Kap der wilden Tiere“ wird am kommenden Montag ab 16.10 Uhr in der ARD ausgestrahlt. Die weiteren 29 Folgen werden dann jeweils werktags ab 16.10 Uhr gezeigt.

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