„Brutale Niederlage“: CSU in Region leckt ihre Wunden

Die CSU in der Region leckt ihre Wunden. Heimische Abgeordnete fordern jetzt, klare Kante zu zeigen, gegenüber der erstarkten AfD, aber auch der Schwesterpartei.

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Die CSU musste in der Region herbe Verluste einstecken.  Foto: 

Die massiven Stimmenverluste bei der Bundestagswahl haben die heimischen CSU-Politiker ins Mark getroffen. Der Pfaffenhofener Bürgermeister Josef Walz, dienstältester Rathauschef im Kreis Neu-Ulm, spricht von einem Debakel, Alfred Sauter, Landtagsabgeordneter aus dem Kreis Günzburg, von einer brutalen Niederlage, Johann Deil, Chef der Jungen Union (JU) im Kreis Neu-Ulm, von einem herben Rückschlag.

Wie konnte es soweit kommen? CSU-Fahrensmann Sauter attestiert seiner Partei ein Glaubwürdigkeitsproblem. Schließlich sei im Wahlkampf Kanzlerin Angela Merkel unterstützt worden, die man zuvor über Monate hinweg für ihre liberale Flüchtlingspolitik scharf  kritisiert hatte. Diesen Spagat habe die CSU nicht hinbekommen. „Den Wählern konnten wir diese Haltung nicht glaubhaft vermitteln.“

JU-Chef Johann Deil stimmt Sauter zu. Das CSU-Ergebnis bezeichnet er als „unglaublich schlecht“. Die widersprüchliche Haltung zur Kanzlerin nennt Deil einen strategischen Fehler,  von dem die AfD genauso profitiert habe wie von der „Zerrissenheit der Gesellschaft in der Migrationsfrage“.

Lesen Sie auch: So lief die Bundestagswahl in Ulm und Neu-Ulm

Personaldebatte entbrennt

Sollte Ministerpräsident Horst Seehofer Konsequenzen ziehen und seinen Hut nehmen? JU-Vorsitzender Deil vemeidet eine klare Antwort. Er will sich zunächst mit seinen Parteifreunden beraten, mutmaßt jedoch: „Die Personaldebatte wird losgehen.“

Das erwartet auch der Pfaffenhofener Bürgermeister Walz, ein Urgestein der Neu-Ulmer CSU. Auch er legt sich in Sachen Seehofer nicht fest, sagt aber vielsagend: „Der Ministerpräsident wird sich seine eigenen Gedanken machen.“ Für den Erfolg der AfD und ihrer Protestwähler hat Walz keine Erklärung. Die Flüchtlingsfrage sei sicher wahlkampfprägend gewesen, alles in allem gehe es den meisten Menschen in der Region aber gut. „Deshalb habe ich auch kein Patentrezept, was man jetzt tun muss.“

Derweil fordern der Landtagsabgeordnete Alfred Sauter und Johannes Stingl, CSU-Fraktionsvorsitzender in Neu-Ulm, klare Kante. Diese müsse ihre Partei gegenüber der erstarkten AfD zeigen, die immerhin zweitstärkste Kraft im Wahlkreis Neu-Ulm/Günzburg geworden ist. Ihr Profil schärfen müssten die Christsozialen aber auch im Bund gegenüber der Schwesterpartei. Die Differenzen zwischen CDU und CSU seien nur oberflächlich beseitigt worden, sagt Stingl: „Vor der Landtagswahl in Bayern im nächsten Jahr gilt es, diese Dinge aufzuarbeiten und zu schauen, was die Bevölkerung wirklich bewegt.“

Findet auch die bayerische Staatsministerin Beate Merk aus Neu-Ulm. Sie will keine Personaldebatten führen, dafür aber einen „intensiven Dialog“ mit der CDU. „Wir müssen gemeinsam klären, was wir wollen. Das ist das Allerwichtigste.“ Die Wähler hätten der CSU ein klares Signal gegeben, ihre Themen durchzusetzen, dazu gehöre die Obergrenze von Flüchtlingen. Ein „Weiter so wie bisher“ dürfe es nicht geben.

Ergebnis Die CSU kommt in Bayern nur noch auf einen Stimmenanteil von 38,8 Prozent, das sind sage und schreibe 10,5 Prozent weniger als bei den Wahlen vor vier Jahren. Im Wahlkreis Neu-Ulm/Günzburg sieht es nicht besser aus: Auch dort verliert die Partei erheblich, erreicht lediglich 39,9 Prozent. 2013: 44,6 Prozent.

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