"Bin angekommen" - Jens Kaiser ist seit zehn Jahren Bürgermeister in Illerrieden

Illerrieden ist für ihn die erste Adresse - beruflich wie privat. Darum hofft der Bürgermeister, dass er dort noch viele Jahre leben, lenken und gestalten kann. "Ich bin angekommen", sagt Jens Kaiser.

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Bürgermeister Jens Kaiser in der Illerrieder Ortsmitte mit Kirche und Rathaus im Hintergrund. Foto: Dave Stonies

Bei Ihrer Amtseinsetzung nach Ihrer ersten Wiederwahl vor eineinhalb Jahren bescheinigte Landrat Heinz Seiffert Ihnen das Zeug für noch größere Aufgaben. Gibt es für Sie größere Aufgaben als die in Illerrieden?
JENS KAISER: Wenn Sie damit meinen, ob ich von hier weg will? Nein. Da kann mich derzeit gar nichts locken. Die Aufgabe hier füllt mich aus, ich fühle mich pudelwohl und die Arbeit macht mir richtig, richtig viel Spaß.

Was kann einen Schultes denn so glücklich machen in einer so kleinen Alb-Donau-Kreis-Gemeinde?
KAISER: Schauen Sie sich doch mal um: Ein Traum von einer Gegend! Aber mit den landschaftlichen Reizen will ich dieser Frage eigentlich gar nicht zuerst beantworten. Noch wichtiger, dass ich fühle: Ich bin angekommen. Berufliches wie privates Leben sind geprägt von hoher Zufriedenheit. Für beides gilt: mittendrin statt nur dabei. Am Anfang hatte ich ja schon ein bisschen Sorge, wie es sein würde als Bürgermeister. Haben die Leute Berührungsängste? Werde ich in ihrer Mitte aufgenommen auch als Privatmann? Ich bin aufgenommen worden. Ein Beispiel: Auf dem Fußballplatz bin ich nicht der Bürgermeister, sondern wie alle anderen ein Vater, der seinem Buben beim Kicken zuschaut.

Eine gewisse Leidenschaft ist herauszuhören, wenn Sie von ihrem Job reden?
KAISER: Sie dürfen gern eine große Leidenschaft heraushören. Ich habe hier den schönsten Job der Welt. Das Lenken, Gestalten, Verwalten und Organisieren macht mir Spaß, vor allem auch, weil es in einem sehr schönen Betriebsklima geschieht, sowohl bei meinem achtköpfigen Team im Rathaus, als auch bei den 35 Gemeindebediensteten überhaupt. Und auch das konstruktive entspannte Klima im Gemeinderat weiß ich zu schätzen. Es klappt hier einfach mit den Menschen.

Was zeichnet die Illerrieder Ihrer Meinung nach denn besonders aus?
KAISER: Es wird ganz viel aus der Dorfgemeinschaft heraus geleistet. Das ist nicht selbstverständlich und ganz bestimmt nicht überall so. Beispiel: Als vor dem Bürgerhaus in Dorndorf das Pflaster abgesackt war, rief ein älterer Herr hier an. Aber nicht, um sich zu beschweren, sondern um uns die Tatsache mitzuteilen und gleich anzufragen, ob es Recht sei, wenn er das anderntags richte. Ein anderer hat ohne großes Aufhebens die verschmierte Bushaltestelle in Dorndorf neu gestrichen. Oder die Feuerwehr in Wangen: Sie hat sich bereit erklärt, die Fassadensanierung am Bürgerhaus zu übernehmen. Das ist doch toll! Ein anderes Beispiel für ein schönes Miteinander: Bei der Ferienbetreuung auf einer Hütte engagierten sich heuer Vertreter von Feuerwehr, Kindergarten, Gemeinderat und Rathaus Hand in Hand. Dieses dörfliche Miteinander ist ein ganz großes Stück Lebensqualität.

Keine Konkurrenz, kein Neid unter den drei Ortsteilen?
KAISER: Nein, überhaupt nicht. Jeder Ortsteil hat seinen eigenen Charme, seine Besonderheit, das wissen alle. In jedem Ort wird das gemacht, was erforderlich ist und was man sich leisten kann. Wangen hat eine Ortsdurchfahrt gekriegt, Dorndorf die LED Straßenbeleuchtung, weil das jeweils Sinn machte. Dass sich die Leute als Bürger der Gesamtgemeinde fühlen, hat wohl auch auch damit zu tun, dass es vom Kindergarten über die Schule bis zu den Vereinen ein Miteinander aller Ortsteile gibt.

Gibts irgendwas, das nicht funktioniert hat in der Vergangenheit, das womöglich sogar richtig versemmelt wurde?
KAISER: Manches geht vielleicht nicht so schnell, wie man es gern möchte und natürlich: Wo gehobelt wird, fallen auch Späne. Aber so richtig heftig danebengegangen ist in den vergangenen zehn Jahren eigentlich nichts. Wir haben immer das Meiste noch rechtzeitig ausbügeln können.

Die nächsten großen Aufgaben?
KAISER: Unsere zweite Krippengruppe haben wir provisorisch im Dachgeschoss untergebracht. Der müssen wir dringend eine richtige Heimat schaffen. Ende November wird im Kirchengemeinderat der erste Vorentwurf präsentiert. Anfang 2014 wird die Sache dann im Gemeinderat spruchreif. Und dann natürlich die Illertalhalle. Sie ist aus den 70er Jahren, steht optisch und funktionell noch ganz gut da - aber nur auf den ersten Blick. Heizung, Wasser, Abwasser und Sportboden sind sanierungsbedürftig. Eine Generalsanierung mit energetischem Bereich haben wir bereits geprüft. Die Kosten liegen auf dem Niveau eines Neubaus. Eine abgespeckte Sanierungsvariante muss noch untersucht werden.

Geht das finanziell? Wie steht Illerrieden da?
KAISER: Natürlich hat man immer mehr Ideen als Geld, doch wir sind solide aufgestellt. Mit einer Verschulung von rund 400 Euro pro Kopf liegen wir unter dem Landesdurchschnitt.

Und sind dabei noch auf dem Laufenden bei Kanälen und Straßen.
KAISER: Nicht ganz. Aber es kommt uns zugute, dass wir jedes Jahr einen Straßenzug sanieren. Fachleute bescheinigen uns, dass unsere schlechten Straßen noch besser sind als anderswo die guten.

Blick in die Zukunft: Wie sieht Illerrieden aus, wenn Sie nach zwei weiteren Amtszeiten mit Mitte 60 in den Ruhestand gehen?
KAISER: Dann haben wir hier nach wie vor ein intaktes Dorf, wo man zusammenhält, wo es lebendige Vereine gibt, man alles Notwendige zum Leben ein kaufen kann, die Infrastruktur überhaupt zeitgemäß ist. Wir sind 2030 auch nicht zum Schlaf-Vorort von Ulm geworden, sondern eine attraktive kleine Gemeinde in reizvoller Landschaft geblieben.

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