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Autor: WERNER GALLBRONNER, 29.01.2013

Zugestochen und Geld gestohlen - Drei Männer müssen in Haft

Im Juli 2011 wollten zwei Männer nach dem Besuch einer Gaststätte zu Fuß noch zu einem Sommerfest in Pfaffenhofen weiterziehen. Doch so weit kam es nicht, vielmehr gegen 23.35 Uhr zu einer folgenschweren Begegnung mit drei Männern, alle Mitte 20, die gerade von dem Fest kamen. Die Gruppen, schon angetrunken, pöbelten sich mit Kraftausdrücken gegenseitig an, gingen aber zunächst jede ihres Weges. Doch plötzlich drehte das Trio um.

„Komm, gib mir das Messer, den stech’ ich ab“, habe der eine gerufen, erinnerte sich einer der beiden Angegriffenen gestern beim Prozess vor der Strafkammer am Landgericht Memmingen. Dann sei alles schnell gegangen, sagte der 46-Jährige: Einem Stich Richtung Bauch entging sein 32 Jahre alter Begleiter nur, weil er ihn beiseite schubste. Das Messer traf aber dessen Unterarm. Er selber bekam eine Bierflasche auf den Hinterkopf, verlor kurz das Bewusstsein. Als beide auf dem Boden lagen, traten zwei aus dem Trio mit den Füßen zu. Der Dritte beteiligte sich nicht an der Attacke.

Als er bei einem der Opfer die Geldbörse aus der Hosentasche ragen sah, habe er sich spontan entschlossen, die mitzunehmen, gab einer der Angeklagten zu, die alle drei voll geständig waren. Auch dem anderen Niedergeschlagenen nahm er das Portemonnaie ab. Das Geld, insgesamt an die 500 Euro, teilte er mit seinen Kumpanen, der am Angriff Unbeteiligte erhielt 50 Euro, der Messerstecher 200 Euro. Die beiden Haupttäter fuhren dann per Taxi in eine Disco nach Neu-Ulm – auch, um sich Drogen zu besorgen. Der Dritte ging nach Hause.

Alkohol, Drogen, Aggressionen und Gewalt gehören zum täglichen Leben der drei Angeklagten, wie aus ihren eigenen Angaben und dem Auszug aus dem Strafregister zu entnehmen war. Bemerkenswert ähnlich ihre Lebensläufe: Sie waren zwischen 11 und 14 Jahre alt, als sie mit Haschisch und Alkohol erstmals in Berührung kamen. Andere Drogen kamen dazu, zuletzt täglicher Konsum: Amphetamine, Ecstasy, Kokain, LSD und Heroin. Alle drei brachen Schul- oder Berufsausbildung ab, ihre verschiedenen Anläufe, in der Berufswelt Fuß zu fassen, waren nur zum Teil von Erfolg gekrönt. Auch, weil sie immer wieder straffällig wurden. Delikte wie Körperverletzungen, Nötigungen, Beleidigungen und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz waren darunter. Entzug und Therapien, wenn überhaupt versucht, scheiterten bisher.

Der am Angriff Unbeteiligte sitzt derzeit in Strafhaft, bei den beiden anderen sind Bewährungsstrafen offen, die nun wohl widerrufen werden. Vor Gericht gaben sie sich reumütig. Der Angreifer mit dem Messer gab über seinen Anwalt die 200 Euro an eines der Opfer zurück. Vom Vorwurf des schweren Raubes rückte die Staatsanwaltschaft ab, weil der Vorsatz fehlte. Was blieb, waren gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzung, Diebstahl und für den Dritten Hehlerei. Er sitzt dafür vier weitere Monate. Die anderen verurteilte das Gericht zu drei Jahren und acht Monaten sowie zu vier Jahren Haft. Bei Letzterem kamen weitere Delikte dazu. Für beide ordnete Richterin Brigitte Grenzstein die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an, wobei sie das als Chance verstanden haben will, dass die Männer ihr Leben endlich auf die Reihe bekommen.

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