Wie Sonnenlicht ungetrübt zu Strom wird

Sauberer Strom aus der Sonne, so ist die Photovoltaik bekannt. Sauber muss es dort in der Tat zugehen: Zuviel Schmutz auf den Solarmodulen kann den Ertrag verringern. Die passenden Reiniger baut Cleantecs.

STEFAN CZERNIN |

Sie sind von deutschen Dächern nicht mehr wegzudenken, bläulich schimmernde Solarmodule prangen auf Wohnhäusern, Schulen und Feuerwachen. Sie drängen sich dicht an dicht auf den Flachdächern von Betrieben. Besonders Landwirte haben - wegen der lange Zeit üppigen und auf 20 Jahre garantierten Einspeisevergütung - ihre Scheunen und Ställe oft großzügig mit Solarmodulen tapeziert. Jede erzeugte Kilowattstunde lässt die Kasse klingeln. Wie viel Einspeisevergütung über das Jahr zusammenkommt, hängt ab von der Zahl der Sonnenstunden - und wie gut die Module das Sonnenlicht in Strom umwandeln.

Und diese Effektivität kann mit der Zeit nachlassen, sagt Anton Jäger (56), Geschäftsführer der Firma Cleantecs in Hittistetten. Bei auf Ställen und darum herum angebrachten Anlagen sogar um bis zu 20 Prozent. Weil die Belüftung die ammoniakgeschwängerte Stallluft nach draußen befördert - und sich diese dann als "Schmierschicht" auf den Modulen ablagere, so Jäger. Und diese Schicht beseitigten weder Schnee noch Regengüsse. "Da hat es in den vergangenen Jahren ein Umdenken gegeben", sagt er.

Jägers Firma stellt in Hittistetten Solarreiniger her, Teleskop-Lanzen, an deren Ende eine Bürste sitzt. Die Lanze wird an einen Hochdruckreiniger angeschlossen, das Wasser bringt die Bürste ins rotieren - und dient zugleich zur Reinigung der Module. Jägers Firma hat die Bürstentechnik mit Wasserantrieb ausgetüftelt. Und in Hittistetten wird auf dem derzeit noch beengten Betriebsgelände an einer ganzen Zahl weiterer Prototypen gearbeitet: Solarreiniger, die auf Arbeitsbühnen oder Betonpumpenfahrzeugen montiert werden und großteils automatisch arbeiten sowie Modelle speziell für Freiflächenanlagen.

Im Schnitt 15 bis 20 Patente meldet Jäger im Jahr an, das gehört zur 30-jährigen Firmentradition, die in einer Garage in Hittistetten begann. Der Mechanikermeister hat schon in den 80er Jahren, zusammen mit der Illertisser Firma Kränzle, Rotationsdüsen für Hochdruckreiniger entwickelt, um dem Branchenriesen Kärcher Paroli bieten zu können. Noch heute steuern die Rotationsdüsen 60 Prozent zum Cleantecs-Gesamtumsatz von rund 3,7 Millionen Euro bei, die Solarreiniger kommen derzeit auf 15 Prozent. Daneben hat die Firma mit 25 Mitarbeitern unter anderem noch Lamellenreiniger für Jalousien und Kaugummientferner im Angebot, die ebenfalls an Hochdruckreiniger angeschlossen werden.

Für die kommenden zwei bis drei Jahre rechnet Jäger mit einer steigenden Nachfrage nach Solarreinigern in Deutschland. Die schwere Krise in der Solarindustrie, die Pleiten, die gekappte Einspeisevergütung schlagen auf Cleantecs nicht unmittelbar zurück. "Die Anlagen sind ja verbaut", sagt Jäger. Und jetzt, da der große Boom der Neuinstallationen von Solarmodulen vorüber scheint, entdeckten zunehmend die Solarunternehmer die Reinigung vorhandener Anlagen als zusätzliches Standbein. Außerdem zählen Gebäudereiniger zu Jägers Kunden. Die Kunden stammen überwiegend aus Deutschland, das Interesse reicht aber weiter: Es gibt etwa Bestellungen aus Chile, aus dem arabischen Raum. Diese Woche hat sich ein australischer Geschäftsmann in Hittistetten über die Reinigungstechnik informiert. Auch auf der Intersolar-Messe in München ist Cleantecs vertreten.

Die arg beengten Betriebsverhältnisse werden bald der Vergangenheit angehören, derzeit entsteht etwa 100 Meter weiter für zwei Millionen Euro ein neuer Standort. Die Entscheidung war wohl überlegt. "Ich bin niemand, der impulsiv nach vorne springt", sagt Jäger.

Und was rät er Hausbesitzern, die eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert haben, sollen sie diese auch von einer Fachfirma reinigen lassen? Zunächst lohne ein Blick in die Nachbarschaft: Gibt es dort größere landwirtschaftliche Anwesen, produzierendes Gewerbe, sprich: potentielle Verschmutzungsquellen? Haben die monatlichen Erträge im Vergleich zu den Vorjahren abgenommen? Einen eindeutigen Hinweis liefere ein klassischer Test: Bei Gelegenheit einfach einmal ein Solarmodul mit einem weißen Tuch abwischen. Das zeige unmittelbar auf, ob Handlungsbedarf besteht.

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