"Brauchen harte Fakten"
Weißenhorn. Die Stadt Weißenhorn hat auf die Kritik am geplanten Bau von Supermärkten auf der Festwiese reagiert. Nun sollen der Lärmschutz für die Anwohner untersucht, Vorbehalte auf diese Weise abgebaut werden.
Die umstrittenen Pläne für den Bau zweier Supermärkte auf der Festwiese in der Innenstadt treiben die Weißenhorner weiter um. Gestern haben sich Vertreter der potentiellen Investoren von Aldi und Feneberg mit Bürgermeister Wolfgang Fendt zusammengesetzt und über das weitere Vorgehen beraten. Wichtiges Ergebnis: Die Stadt will eine weitere Gesprächsrunde organisieren.
An diesem Gespräch sollen neben den Investoren auch Vertreter von Straßenbauamt und Landratsamt teilnehmen. Die Investoren wurden aufgefordert, ihre Pläne bis dahin zu konkretisieren. Auf Grundlage dieser Pläne soll vor allem über den Lärmschutz für Anwohner diskutiert werden. "Wir brauchen harte Fakten, die Anwohner und Investoren Planungssicherheit", sagt der Weißenhorner Bürgermeister. "Die gibt es bislang noch nicht." Die Ergebnisse der Erörterungen mit den Fachbehörden sollen dann den Bürgern vorgestellt werden. Fendts Hoffnung: "Vielleicht gibt es ja einen Konsens, und die Missverständnisse sind ausgeräumt."
Anwohner wollen, wie berichtet, das Vorhaben mit einer Unterschriften-Aktion verhindern. Die Supermarkt-Gegner benötigen rund 900 Unterschriften, um einen Bürgerentscheid zu erreichen. Am Samstag wollen sie während des Markts auf dem Kirchplatz mit ihrer Aktion beginnen, wie Anwohner-Sprecher Jürgen Kohler gestern auf Anfrage berichtete. Er und weitere Anwohner befürchten mehr Verkehr und Lärm sowie eine "Verschandelung der Innenstadt".
In der vergangenen Woche hatten Kohler und seine Mitstreiter zu einer Diskussionsrunde geladen, an der 60 Interessierte teilnahmen. Die Debatte habe die Anwohner darin bestärkt, weiter gegen das Projekt zu kämpfen. "Weil die Planungen für uns absolut unbefriedigend sind."
Was auffällt: Der Gewerbeverband in Weißenhorn hatte sich bislang noch nicht zu den umstrittenen Plänen geäußert. Claus Oehme war nun auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE nicht zu sprechen. Pressesprecherin Anita Abele wollte lieber nichts sagen. Sie verwies auf Dieter Swoboda, den zweiten Vorstand. Der sagte: "Ich werde kein Statement abgeben." Er sprach von einer schwierigen Diskussion. Das Projekt sei auch im Gewerbeverband umstritten. "Wir als Vorstand wollen deshalb nicht vorpreschen."
Die Bürgerinitiative für eine besseres regionales Verkehrskonzept in Weißenhorn (BIV) wollte sich ebenfalls nicht eindeutig positionieren. Weil der Bau der Märkte noch nicht endgültig beschlossen sei, lautet die offizielle Begründung. "Deshalb wollen wir uns erstmal im Vorstand nicht festlegen", sagt BIV-Vorsitzender Wilhelm Pilger. "Ich halte die Pläne für völlig inakzeptabel", betont Pilger, fügt aber hinzu: "Das jedoch ist meine ganz persönliche Einschätzung."
Er prognostiziert: Wird das Supermarkt-Vorhaben verwirklicht, ist rund um die Festwiese mit bis zu 1500 Autos pro Tag mehr zu rechnen. Betroffen sei etwa die Reichenbacher Straße, an der zwei Schulen liegen. "Aus verkehrsplanerischer und städtebaulicher Hinsicht kann ich das nicht gutheißen." Pilger und seine Vorstandskollegen fordern eine stärkere Beteiligung der Bürger. "Bei einem Projekt solcher Größe wäre das angebracht." Die BIV fordert einen Runden Tisch, an dem Anwohner, Investoren, Vertreter der Stadt und der Schulen in der Reichenbacher Straße teilnehmen. "Und ja, auch wir wären dann gerne dabei", sagt Pilger.
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Autor: CARSTEN MUTH | 08.02.2012
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