Tränen der Wahrheit

Was geschah mit Storch Didier, dem Freund von Taube Frieda? In ihrer Not haben Frieda, Sina-Wilhelmine Pretzldeig und Kater Carlo das Radi Rakel aufgesucht: Kann das Orakel das Geheimnis lüften?

HAGG

Plötzlich ertönt die sanfte Stimme des Radieschen-Orakels Radi Rakel aus der Erde:

"Gerne werde ich euch sagen, wo euer Storch wohl stecken mag, doch vorher muss ich euch noch fragen, was vermisst ihr jeden Tag? Erzählt mir, warum Didier euch fehlt, euer schönes weißes Getier, warum euch so die Sehnsucht quält, gibt"s schöne Geschichten? Erzählt sie mir!"

Erschrocken starren alle auf den großen Radieschenschopf, der aus der Erde ragt und sich bei jedem Satz zitternd bewegt. "Frieda, du hast am meisten mit ihm erlebt, jetzt bist du dran!", flüstert Sina. Friedas Augen füllen sich mit Tränen, und sie beginnt leise zu sprechen. "Oft saßen wir zusammen auf dem Dachfirst und bewunderten den Sonnenuntergang. Didier breitete dann immer seine Flügel aus und umschlang mich mit seinem prächtigen Federkleid, während wir von einer gemeinsamen Zukunft träumten. Ich habe ihm nie gesagt, dass ich meine Angst vor der Höhe nur durch ihn überwinden konnte."

Sina und sogar Kater Carlo müssen nun schluchzen, Falke Falco mustert Frieda nachdenklich. Nach einem Moment der Stille beginnt das Radi Rakel sich in Trance zu summen.

"Ja, ich sehe euren Freund vor mir, doch sieht er ganz anders aus, es ist nackt, das schöne Tier und traut sich nicht mehr nach Haus. Er sitzt im Gras so voller Leid, was ist schon ein Storch ohne Federkleid?"

Die vier sind schockiert, damit hat nun wirklich keiner gerechnet. "Mein Gott, der arme Didier", murmelt Sina und hält sich die Hand vor den Mund. "Was könnte ihm nur zugestoßen sein?", fragt Frieda bestürzt. "Vielleicht hatte er einen Unfall oder er wurde gequält?", antwortet Sina mit Tränen in den Augen. "Wartet mal ", wirft Kater Carlo ein. "Erinnert ihr euch an die Begegnung mit dem blau-weißen Storch auf dem Ulmer Münsterplatz?" "Du hast recht, er erzählte uns, dass Didier wegen dieser blöden Wette in den Farben der französischen Flagge angemalt war!", erwidert Sina. "Ich verstehe immer noch nicht", murmelt Frieda. Der Kater hilft Frieda auf die Sprünge: "Ich bin mir sicher, Didier hat versucht, die Farbe loszuwerden. Wahrscheinlich hat er dabei seine Federn verloren!" "Carlo, du bist genial!", ruft Sina und fällt ihm um den Hals. "Orakel, sag uns, wo wir unseren Freund finden können!"

"Bevor ich euch sage wo er ist, brauche ich die Garantie, dass Frieda ihn wirklich von Herzen vermisst, sonst kriegt ihr die Antwort nie!"

Alle Blicke richten sich auf Frieda. Bevor die Taube antworten kann, passiert etwas Überraschendes: Friedas Ex-Freund Falco stürzt vor ihr auf die Knie und nimmt zärtlich ihren Flügel. "Frieda, mein Täubchen, ich weiß, es ist ewig her, aber ich habe mich wieder in dich verliebt! Überlege dir deine Antwort gut. Sieh mich an, ich habe dichtes Federkleid und bin der schönste Falke weit und breit!" Sina springt auf und ruft "Frieda, lass dich nicht täuschen! Dein Herz schlägt doch für Didier, ganz egal wie er aussieht! oder etwa nicht?" Frieda starrt Sina schweigend an. Da mischt sich Carlo ein: "Leute, lasst Frieda in Ruhe ihre Entscheidung treffen!" Frieda sieht ihre Freunde an, schaut zu Falco und senkt ihren Blick. Dann beginnt sie zu sprechen. . .



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Autor: LINDA UND ISABELL | 01.09.2010

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