Teure Ballermann-Party

"Dorffest meets Ballermann": Unter diesem Titel hat der SV Nersingen zwei Partys veranstaltet. Das kommt ihn teuer zu stehen. Was die Organisatoren, die Fußballer, nicht wussten: Sie verletzten Markenrechte.

OLIVER HEIDER |

Der Flyer stach ins Auge - so, wie es sein muss. "Dorffest meets Ballermann Volume 2" stand plakativ darauf. Rechts daneben war eine blonde Strandschönheit im türkisfarbenen Bikini zu sehen. Für die Veranstaltung, die am 14. Juli in der Gemeindehalle stattfand, lockte die Fußballabteilung des SV Nersingen (SVN) mit super Schnäppchen: "Cuba Libre: 3,50 Euro, Malibu: 1,50 Euro".

Beinahe aber wäre aus der Schnäppchen-Party ein Zuschussgeschäft geworden. Denn was der Verein nicht bedacht hatte: Die Party- und Eventmarke "Ballermann" ist seit 14 Jahren rechtlich geschützt. "Die Fußballer waren ganz schön zerknirscht, als sie von den Gebühren zur Nachlizenzierung hörten", sagt SVN-Chef Ralph Hamann der SÜDWEST PRESSE. 1500 Euro sollten sie im Nachhinein berappen - weil es zwei Veranstaltungen waren. Schließlich lautet der Titel "Dorffest meets Ballermann Volume 2". Die erste Party dieser Art hatte im Mai 2010 stattgefunden.

Nachdem Hamann und Vertreter der Gemeinde Nersingen sich von einem Anwalt des Bayerischen Landes-Sportverbands (BLSV) beraten lassen hatten und klar war, dass die juristischen Gewinnchancen gleich null waren, konnte der Vereinsvorsitzende den Rechteinhaber in einem "freundlichen Gespräch deutlich runterhandeln". Wie viel der Verein zahlte, darüber vereinbarten beide Seiten Stillschweigen.

Sowohl an der Wortmarke "Ballermann" als auch an "Ballermann 6" hat sich Annette Engelhardt aus Scholen in Niedersachsen umfangreiche Rechte gesichert. Die "A. Engelhardt-Markenkonzepte GmbH" veranstaltet selbst pro Jahr rund 300 Ballermann-Events und arbeitet mit zahlreichen Lizenzpartnern zusammen - darunter etwa RTL 2. Wer mit dem Begriff "Ballermann" locken will, muss vorab eine Lizenz erwerben. Dafür werden pro Besucher einer Veranstaltung 1,50 Euro, mindestens 750 Euro fällig.

Geht es also knallhart ums Geschäft? Oder hat Engelhardt auch für kleine, wenig zahlungskräftige Vereine ein Herz? "Uns macht es sicherlich keinen Spaß, Vereine anzuschreiben", sagt Annette Engelhardts Ehemann André der SÜDWEST PRESSE. Jedes Unternehmen sei jedoch verpflichtet, Verstößen - egal ob durch Vereine oder Firmen - nachzugehen. "Sonst wird die Marke verwässert", erklärt André Engelhardt. Gerichte könnten in der Zukunft sagen: "Ihr verfolgt Verstöße ja ohnehin nicht." Einen gewissen (Ver-)Handlungsspielraum bei Vereinen gebe es aber. Und: "Für Benefiz-Veranstaltungen erheben wir keine Gebühren, sofern die Lizenz vorab beantragt wurde." Kleine Vereine treffen teure Lizenzgebühren natürlich besonders empfindlich. Böse Absicht kann man aber wohl den wenigsten unterstellen. Doch auch Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Das gilt nicht nur für die Marke "Ballermann", sondern auch für Begriffe wie "Bodyvital", "Spinning", "Tae Bo", "Thai Do" oder "Zumba", die allesamt beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragen sind.

Dass der SVN, der rund 970 Mitglieder hat, nicht als einziger in die Marken-Fälle getappt ist, bestätigt Andreas Hettich. Er ist Geschäftsbereichsleiter Vereins- und Verbandsservice im Württembergischen Landessportbund (WLSB). Er berichtet von 25 Fällen im Schnitt pro Jahr, die dem Verband gemeldet werden. "Die Dunkelziffer dürfte viel höher sein." Nicht alle von Schadensersatzzahlungen und Abmahnungen betroffenen Vereine meldeten sich. Insgesamt hat der Verband 5700 Mitgliedsvereine.

Aus dem Alb-Donau-Kreis ist Hettich aus jüngerer Vergangenheit kein Fall bekannt. Tendenziell nehme die Anzahl der betroffenen Vereine zu. Woran liegt das? "Die Suchmaschinen im Internet gewinnen zusehends an Bedeutung", meint Hettich. Bestimmte Begriffe seien schnell gegoogelt. Das Problem sei aber vielschichtiger: Denn nicht nur Begriffe könnten zu Problemen führen, sondern auch Bilder, Musik und Kartenmaterial. "Anfahrtsskizzen beschäftigen unsere Rechtsabteilung derzeit sehr stark", erklärt Hettich. Es herrsche zu oft noch die Vorstellung: Alles, was im Internet stehe, sei frei. "Das stimmt eben nicht."

Im Fall des SV Nersingen hat André Engelhardt eine Nachricht von einer anonymen Mail-Adresse erhalten, in der jemand den Verein anschwärzte. Wer sich dahinter verbirgt, weiß er nicht. "Oft sind das Gastronomen, denen die Partys von Vereinen ein Dorn im Auge sind." Zudem gebe es viele DJs, die im Auftrag von Engelhardt ihre Augen und Ohren offenhielten. Für eigenständige Google-Recherchen fehle ihm die Zeit, behauptet Engelhardt.

Hat ein Verein, wie der SV Nersingen, schon das Markenrecht verletzt, schreibt Engelhardt zunächst einmal selbst einen Brief. Würde er das einen Anwalt erledigen lassen, der laut Gerichten einen Streitwert von 75 000 Euro ansetzen könnte, würde das schnell 1500 Euro an Anwaltskosten ausmachen, die der Verein zu tragen hätte. Gab es um die Jahrtausendwende 300 bis 400 Verstöße pro Jahr, seien es aktuell rund 30 bis 40. Fast alle angeschriebenen Vereine oder Firmen zahlten dann auch die Nachlizenzierungsgebühr.

Für den SVN blieb laut dem Vorsitzendem Hamann trotz Nachzahlung von den Erlösen sogar noch etwas übrig. Künftig will der Verein vorab genau prüfen, mit welchen Begriffen er wirbt - damit aus einer gut geplanten Schnäppchen-Party nicht ein Zuschussgeschäft wird.

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