Straß fühlt sich abgehängt
Straß. Auch die Straßer Bürger hätten gern einen Supermarkt. Außerdem sei der Nersinger Ortsteil miserabel ans öffentliche Verkehrsnetz angebunden, klagten Bürger am letzten der Nersinger Ausspracheabende.
"Straß ist abgehängt. Ohne Auto bist Du der Mops." Mehr als 60 Zuhörer fanden sich am Donnerstagabend zur Bürgerversammlung in Straß ein. Viele davon waren richtig sauer. Die Diskussion ins Rollen brachte der Seniorenbeauftragte der Gemeinde, Franco Baldoni. "Warum hat Nersingen mit dem Einkaufszentrum bald vier Supermärkte, Fahlheim und Straß aber gehen leer aus? Konnte nicht mit günstigem Grund gelockt werden? Und wann gibt es endlich einen Innerortsbus, damit auch Straßer und Fahlheimer Senioren leichter zum Einkaufen nach Nersingen kommen?" Bürgermeister Erich Winkler versicherte den Zuhörern, dass sich die Gemeinde sehr wohl bemüht habe, Supermärkte in Straß und Fahlheim anzusiedeln, sie aber nur Absagen erhalten habe, da es sich für die Märkte offensichtlich nicht lohne. Auch sei es nicht möglich, beliebig günstige gemeindeeigene Grundstücke anzubieten. Gemeinden seien hier an gesetzliche Vorgaben gebunden.
Ein großes Thema war in der Versammlung die schlechte Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz. Wer kein eigenes Auto hat, ist "verratzt", so das Fazit vieler Bürger. Was weitgehend auch für Fahlheim gelte, ergänzte der Neu-Unterfahlheimer Winkler. Viele seien auf die Zugverbindung von Nersingen Richtung Ulm und Günzburg angewiesen, was aber - zumindest in der kalten Jahreszeit - wiederum ein Auto voraussetze, um zum Bahnhof zu gelangen. Die Anbindung mit dem Bus sei auch dorthin mehr als schlecht. Überhaupt sei die Busanbindung von Straß aus zwischen 8 und 10 und von 13 bis 16 Uhr "katastrophal", von abends und den Wochenenden ganz zu schweigen.
So klagte ein berufstätiges Paar, seit die Kinder auf weiterführende Schulen gehen, habe es im Winter täglich das Problem "Wer holt die Kinder ab?" Eine Frau berichtete, sie müsse fast zwei Stunden früher den Bus nehmen, um pünktlich um halb elf am Arbeitsplatz zu sein. Eine weitere Bürgerin fragte, wann die Busunternehmen endlich mit der Zeit gehen. "Seit 30 Jahren fährt der letzte Probst-Bus um 18.30 Uhr. Dabei haben sich die Öffnungszeiten längst auf 20 Uhr verschoben."
Die Gemeinde weiß um das Problem, hatte sie doch bereits 2008 eine Umfrage gestartet, um den Bedarf bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu ermitteln und gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Lösungen zu erarbeiten. Enttäuscht äußerte sich ein Bürger: "Die Umfrage hatte Hoffnung geweckt. Inzwischen ist aber nichts besser, sondern manches schlechter geworden. Weitere Verbindungen sind gestrichen worden." Ratlosigkeit auf Seiten der Gemeinde. Winkler: "Ich kann keine Lösung anbieten." Er versprach aber, am Thema dranzubleiben und sich erneut mit Landratsamt und dem Verkehrsverbund an einen Tisch zu setzen. Auch was den noch immer nicht vorhandenen Innerortsbus anbelangt.
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: MIRANDA TIEPERMANN | 06.02.2010
| Artikel twittern |
|
|
Kein Supermarkt und zu wenige Busverbindungen: Die Menschen in Straß sind der Ansicht, dass der Teilort der Gemeinde Nersingen zu wenig Infrastruktur bietet. Archivfoto
MEISTGELESENE ARTIKEL
Türsteherpoltik in Crailsheim in der Kritik
Daheim Geburtstag zu feiern ist ganz schön, aber zum Schluss mit der ganzen Clique noch in die Diskothek zu gehen, hat auch was. Also machte das kürzlich auch die ältere Tochter des Crailsheimer Bürgermeisters Herbert Holl so.... mehr
Inferno in der Hechinger Altstadt
Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte am Montagabend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr
Inferno in der Hechinger Altstadt
Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte gestern Abend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr
Hechinger Brandruinen qualmen noch
Am Tag nach dem Großbrand in der Hechinger Altstadt qualmt es immer noch aus den Brandruinen. Feuerwehrleute sind auch 20 Stunden nach Ausbruch des Feuers noch mit Löscharbeiten beschäftigt.... mehr
Haussklave erhängt sich bei Sex-Spiel in Neu-Ulmer Bordell
Neu-Ulm Ein 36-jähriger Hausbediensteter hat sich am Montag im Neu-Ulmer Bordell „Lili M.“ bei einem Sex-Experiment offenbar zu Tode stranguliert.... mehr

ZURÜCK

Kommentare (2)
Wer fährt schnell?
Nach meiner Beobachtung sind es vor allem die Anwohner selbst, die mit mehr als Tempo 30 durch die verkehrsberuhigten Straßen brettern.Also erstmal selber an der langen Pinocchio-Nase fassen und nicht auf andere zeigen!
Selber Schuld
In ein Kaff ziehen, weil dort die Miete bzw Grundstückspreise spottbillig sind und sich dann über bekannt Gegebenheiten wie die schlechte Verkehrsanbindung und nicht vorhandene Supermärkte beschweren.Von dem eingesparten Geld kann man sich doch locker ein Auto leiste. Ansonsten einfach Geld in die Hand nehmen und Richtung Stadt ziehen!