Sogar die Hasen in Estland knabbern Futter aus Senden
Senden. Mit drei neuen Außendienstlern und einer verstärkter Präsenz im Internet ist der Sendener Futterhersteller Kama entgegen dem Markt kräftig gewachsen. Jetzt will der junge Chef die Produktion ausbauen.
Zuerst fällt draußen ein nagelneuer Silo-Anhänger auf. Dann am Empfang der Hinweis: "Wir sind jetzt auch bei Facebook!" Als nächstes kommt dem Besucher im Büro freudig Labrador Sancho entgegen, gefolgt von seinem Herrchen: Vor einem Jahr hat der damals erst 28-jährige Patrick Kriebel die Geschäftsführung des Kraftfutterwerks Kama in Senden übernommen. Seither hat sich in dem 1931 als Futterkalk-Werk in Pforzheim von Karl Mansdörfer gegründeten Unternehmen einiges getan.
"Wir sind zweistellig gewachsen, während der Mischfuttermarkt insgesamt ein Minus von neun Prozent zu verzeichnen hat", sagt Kriebel, jetzt 29. So eine Entwicklung passiert freilich nicht einfach so. Sie bedeute auch nicht, dass sein Vorgänger Hans-Peter Wöhrle Fehler gemacht habe, betont der Sendener. "Wir sind engagiert und zielorientiert." Grundlage des Erfolgs ist der Ausbau des Vertriebs: Kriebel hat der Konkurrenz zwei Mitarbeiter mit vielen Kunden abgeworben.
Dazu kam der Ausbau der Online-Aktivitäten. "Unsere Internet-Seite hat uns den überregionalen Auslandsmarkt eröffnet." Das Hasenfutter werde mittlerweile bis nach Estland geliefert. Und über die Handelsplattform Ebay werden Kleinmengen bis zu 25 Kilo verkauft. "Das läuft sehr gut." Der Auftritt im beliebten sozialen Netzwerk Facebook diene eher der Kontaktpflege: "Die anderen Firmen sind auch da. Und junge Landwirte holen sich ihre Infos aus dem Netz."
Die meisten Abnehmer für die Produkte von Kama sitzen nach wie vor zwischen Alb und Allgäu. Das Werk steht seit 1966 in der Sendener Siemensstraße, nachdem in den 40er Jahren der Umzug von Pforzheim nach Neu-Ulm erfolgt war. Das Unternehmen, das zu 80 Prozent Kuhfutter herstellt, wuchs und wuchs - bis 1981 die Quote eingeführt wurde, die Milchproduktion von der EU beschränkt wurde. In der Folge brach der Umsatz stark ein. Bauern sparten, gaben auf, Großbetriebe entstanden, Einkaufsringe forderten Rabatte, ausländische Anbieter expandierten. Es folgten Krisen in der Landwirtschaft. Allen voran die Rinderkrankheit BSE, die auch vielen Deutschen den Appetit auf Rindfleisch verdarb.
Und in der jüngsten Wirtschaftskrise legten die Rohstoffe Preissprünge von bis zu 100 Prozent hin, weil sich branchenfremde Spekulanten im Agrarbereich tummelten. Diese Turbulenzen habe man gut überstanden, sagt Kriebel. Eine dicke Kröte hatte das Unternehmen dieses Jahr dennoch zu schlucken: Bei der Insolvenz der Landhandelsfirma Zirn (Giengen/Brenz) habe Kama eine "stattliche Summe" verloren. Dennoch werde das Kraftfutterwerk am Jahresende gute Zahlen vorweisen. "Ich denke, das zeichnet einen Mittelständler aus", sagt der in der Autoindustrie ausgebildete Industriekaufmann, der 2001 zu Kama kam. Mit dem Untergang des Wettbewerbers habe Kriebel von dort einen weiteren Außendienstler gewinnen können. Rund 25 Mitarbeiter hat das Unternehmen Kama heute insgesamt.
Es könnten mehr werden: Das Werk wird erweitert. "Wir bauen eine komplett neue Mischfuttermühle", kündigt der Geschäftsführer an. Damit werde Kama die Kapazität um 50 Prozent steigern. "Wir haben vor, beim Umsatz noch einmal zweistellig draufzusatteln." Mit dem Ausbau der Produktionsanlage geht einher die Erweiterung der Rohwaren-Annahme. Die Eigentümer, allen voran der Kama-Gründer und Hauptgesellschafter Karl Mansdörfer, hätten das Vorhaben abgesegnet. Detaillierte Pläne sind in Arbeit, in den kommenden zwei Wochen soll es bereits losgehen.
Und Sancho? "Er ist im Büro dabei, macht immer morgens seine Runde und begrüßt jeden", sagt Herrchen Kriebel. "Er sorgt bei all dem Stress für die gute Laune."
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: NIKO DIRNER | 30.07.2010
| Artikel twittern |
|
|
MEISTGELESENE ARTIKEL
Türsteherpoltik in Crailsheim in der Kritik
Daheim Geburtstag zu feiern ist ganz schön, aber zum Schluss mit der ganzen Clique noch in die Diskothek zu gehen, hat auch was. Also machte das kürzlich auch die ältere Tochter des Crailsheimer Bürgermeisters Herbert Holl so.... mehr
Neu-Ulmer Bordell-Chefin wehrt sich gegen Vorwürfe
Neu-Ulm Der in einem Neu-Ulmer Bordell aufgefundene Tote wird nicht obduziert. Die Polizei ist sicher: Der 36-Jährige starb durch einen autoerotischen Unfall. Derweil hat sich die Bordellchefin zu Wort gemeldet.... mehr
Inferno in der Hechinger Altstadt
Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte gestern Abend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr
Hechinger Brandruinen qualmen noch
Am Tag nach dem Großbrand in der Hechinger Altstadt qualmt es immer noch aus den Brandruinen. Feuerwehrleute sind auch 20 Stunden nach Ausbruch des Feuers noch mit Löscharbeiten beschäftigt.... mehr
Haussklave erhängt sich bei Sex-Spiel in Neu-Ulmer Bordell
Neu-Ulm Ein 36-jähriger Hausbediensteter hat sich am Montag im Neu-Ulmer Bordell „Lili M.“ bei einem Sex-Experiment offenbar zu Tode stranguliert.... mehr

ZURÜCK