Reiter üben Selbstkritik

Weißenhorn.  Der finanziell in Schieflage geratene Reit- und Fahrverein Weißenhorn befindet sich offenbar wieder auf Kurs. Die Reiter wollen die Stallanlagen weiter betreiben und atmosphärische Störungen beheben.

Weniger Mitglieder, leere Stallungen, interne Querelen. In den vergangenen Wochen hat es, wie berichtet, reichlich Wirbel um den Reit- und Fahrverein Weißenhorn (RFV) gegeben. Nun haben die Reiter eigenen Angaben zufolge einen Schlussstrich unter die jüngste, weniger ruhmreiche Geschichte gezogen. Die Zukunft des 284 Mitglieder starken Vereins scheint gesichert. Das gilt auch für den Betrieb der Pferdeställe. Vorsitzender Volker Knapp hatte kürzlich eingeräumt, dass es große Probleme bei der Belegung des Reitstalls und deshalb ein Defizit gebe, was den Betrieb der Anlage an der Illerberger Straße im Westen der Stadt Weißenhorn angeht. Derzeit seien lediglich 15 der rund 50 Pferdeboxen belegt. Zu wenig, wie Knapp betonte. Gerüchte, wonach der RFV bankrott sei, wies Knapp energisch zurück.

Einsteller und Vorstand haben sich nun zu einer Art Krisensitzung getroffen. Das Ergebnis der intensiven Beratungen: Der von einem Weißenhorner Landwirt gepachtete Stall könne laut einer Wirtschaftlichkeitsprüfung "bei einer überschaubaren Eigenleistung" auch bei einer deutlich reduzierten Pferdeanzahl rentabel betrieben werden - und zwar ohne dass der RFV zusätzlich auf Geld des Vereinskontos zurückgreifen muss. Damit nicht genug: Die Einstellerpreise für die Pferdebesitzer sollen nicht steigen.

Um die Ziele zu erreichen, müssten Ausgaben allerdings strenger kontrolliert werden. Vorstand und Einsteller hätten den Plänen einstimmig zugestimmt, heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins. "Weil damit auch der Schulbetrieb und damit die erfolgreiche Nachwuchsarbeit des Gesamtvereins fortgesetzt werden kann."

Thematisiert wurden in der Krisensitzung "die atmosphärischen Störungen und die Defizite im Umgang miteinander". Auch darüber sei offen diskutiert worden. Die Reiter sparten nicht mit Selbstkritik. Die Probleme seien in der Tat hausgemacht, hieß es. Als Grund für die Querelen haben die Reiter vor allem das Fehlen einer Ansprechperson in den Stallanlagen ausgemacht. Künftig soll sich RFV-Chef Volker Knapp, seit 23 Jahren Vorsitzender des Vereins, als persönlicher Ansprechpartner um die Sorgen und Nöte der Einsteller kümmern, bei Meinungsverschiedenheiten soll er moderierend und entschärfend eingreifen.

Zur Erinnerung: Vor wenigen Wochen erst hatte Springlehrer Uwe Carstensen dem RFV den Rücken gekehrt und auch seine 15 Pferde mitgenommen, die in den Stallungen des Vereins untergebracht waren. Vorsitzender Knapp bestätigte daraufhin, dass es interne Querelen in seinem Verein gab. Die aber seien ausschließlich auf den früheren Trainer zurückzuführen gewesen. Es habe Vereinsmitglieder gegeben, die nicht allzu gut auf Carstensen zu sprechen gewesen seien. Über Details der Auseinandersetzungen wurde nichts bekannt.

Was den Betrieb der Reitanlage betrifft, wollen die Weißenhorner Reiter nun "irgendwie über den Winter kommen", wie der Vorsitzende sagte. Die verbliebenen Einsteller seien nach der gemeinsamen Sitzung überzeugt, dieses Ziel in der neuen Konstellation und unter den neuen Vorgaben zu erreichen. Vom kommenden Frühjahr an sollen dann neue Einsteller für die Ställe geworben werden. In einer laut RFV "schönsten Reitanlagen im Landkreis" soll dann endlich wieder mehr Leben einkehren.


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Autor: CARSTEN MUTH | 06.09.2010

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