Postagentur lässt Kunden warten - und sperrt dann zu
Ordentlich sauer sind viele Sendener Postkunden: Erst standen sie lange vor der Agentur in der Schlange, dann machte das Personal den Laden mit Hinweis auf den Feierabend einfach zu.
Autor: CLAUDIA SCHÄFER |Die privat betriebene Postagentur im Sendener Bahnhof ist ziemlich klein, der Ansturm an manchen Tagen dagegen groß. Besonders am Samstag, wenn viele Berufstätige ihre Erledigungen machen. Und natürlich vor Weihnachten, wenn viele Grußkarten und Geschenkpakete unterwegs sind. Dann stehen die Wartenden schon mal in der Bahnhofstraße auf dem Gehweg Schlange, bepackt mit Päckchen, Briefen oder Abholscheinen.
So erging es kürzlich auch dem Sendener Klaus H., der seinen vollen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Der Paketbote hatte ihn nicht zu Hause angetroffen und nun wollte H. am Samstag in der Postagentur sein Paket abholen, natürlich während der Öffnungszeiten, also vor zwölf Uhr. Weil aber viele andere Postkunden auf die gleiche Idee gekommen waren, stand H. erstmal in der Schlange draußen vor dem Gebäude. Was er dann erlebte, schrieb er jetzt in einem Beschwerdebrief an die Deutsche Post: "Die Zeit verrinnt, während ich langsam in der Reihe vorwackle wie ein Pinguin. Der Zeiger meiner Uhr nähert sich der Zwölf. Und obgleich mit mir noch Menschen geduldig warten, geht die Tür zu - das war"s." Unverrichteter Dinge fährt der Sendener wieder nach Hause. Wie ihm ergeht es anderen Postkunden und auch Sendenern, die sich am Bahnschalter der Postagentur ein Zugticket kaufen wollten. Er brauche die Post nicht, sie aber ihre Kunden, schreibt Klaus H. an die Post AG: "In diesem Sinne wünsche ich Ihnen noch viel Erfolg mit Ihrem Geschäftsmodell."
Eine solche Beschwerde sei ihm schon lange nicht mehr zu Ohren gekommen, erklärte Post-Pressesprecher Klaus-Dieter Nawrath: "Ich entschuldige mich im Namen der Post bei unseren Kunden." Natürlich könne keiner ausschließen, dass es am Wochenende und vor allem in der Weihnachtszeit zu Wartezeiten an den Schaltern komme. Doch sei es "denkbar ungeschickt und kundenunfreundlich" von Post-Mitarbeitern, Kunden die Türe vor der Nase zuzumachen, die sich noch während der Öffnungszeiten angestellt hatten. "Über so ein Verhalten sind die Leute zu Recht verärgert." Besser wäre es gewesen, um zwölf Uhr dem letzten Wartenden in der Schlange mitzuteilen, dass nach ihm niemand mehr bedient werde, meinte Nawrath. Denn natürlich hätten auch Postbeschäftigte ein Recht auf den Feierabend.
Er werde mit der Gebietsleitung über die Beschwerden reden und darüber, wie künftig "geschickter und kundenfreundlicher" gehandelt werden könne, so Nawrath. Die Leiterin der Sendener Postagentur, Beate Semle, war am Freitag urlaubsbedingt nicht zu erreichen.





