Ordnung ins Chaos bringen

Weißenhorn.  Das Szenario, erschreckend: Nach einem schweren Busunfall müssen 85 Verletzte versorgt werden. In Weißenhorn übten 140 Helfer den Ernstfall.

Zunächst einmal herrscht Chaos: Ein vollbesetzter Bus ist in zwei Personenwagen gerast. Die Insassen der Autos sind schwer verletzt. Aber auch im Bus hat es viele Passagiere schlimm erwischt. Passanten, die das Drama miterlebt haben, stehen unter Schock.

Dieses Szenario war die Grundlage für die Katastrophenschutzübung am Samstag vor der Wilhelm-Busch-Schule in Weißenhorn. Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW), der Feuerwehr und des Roten Kreuzes übten dort das Zusammenspiel.

Weil die Übung im Rahmen der Festwoche zum 75-jährigen Bestehen des Roten Kreuzes stattfand, stand die Versorgung der 85 angenommenen Verletzten im Vordergrund. Und diese war nicht zuletzt eine logistische Aufgabe.

Während Feuerwehr und THW die Unfallstelle sicherten, kümmerten sich die Notärzte im Bus zunächst um die Schwerverletzten. Es galt, sie so schnell wie möglich aus der Gefahrenzone zu bringen. Für Thomas Baum, dem Beauftragten für das örtliche Hilfeleistungssystem, war es von großer Bedeutung, am Unfallort so schnell wie möglich Ordnung zu schaffen.

Dazu diente ein Auffanglager für die Verletzten direkt an der Schule. Jeder musste registriert, beruhigt, verbunden und mit einem Schild mit Namen und Vorgangsnummer versehen werden. Im Ernstfall werden hier Verwandte nach Angehörigen suchen, Verletzte gegen Schmerzen und Ängste ankämpfen. Auch die Helfer stehen unter starker psychischer Anspannung.

Von nun an wurde jeder Patient durch den Rettungsvorgang geschleust. Eva Petters, die sich als Mimin zur Verfügung gestellt hatte, hatte einen Unterschenkelbruch und ein paar Schürfwunden davongetragen. Nachdem ihre von einem Schminkteam sorgsam aufgetragenen Wunden versorgt waren, wurde sie von einem Sanitätsfahrzeug zur Hasenwiese gefahren.

75 Einsatzkräfte des Kontingents Schwaben hatten dort im Zentrum von Weißenhorn ein medizinisches Camp mit fünf Zelten geschaffen.

Eva wurde auf einer Trage ins Sichtungszelt transportiert, Ärztin Anna Lochner (29) untersuchte die Wunden und stufte ihre Verletzung als mittelschwer ein. Es standen drei Zelte zur Verfügung. Für Leichtverletzte, mittelschwere Fälle und Schwerverletzte. Die Zelte waren in der Katastrophenfall-Simulation die abschließende Station für Helfer und Darsteller.

Im Ernstfall würden die Krankentransporter, die zunächst die Verletzten angeliefert hatten, die nun stabilisierten, versorgten und genau untersuchten Patienten aufnehmen, um sie auf die Kliniken in der Umgebung zu verteilen.


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Autor: PATRICK FAUSS | 21.06.2010

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