Ohne ihn sähe Senden heute ganz anders aus Altbürgermeister Koch wird heute 80 Jahre alt

Senden.  Er hat die Stadt Senden geprägt, wie kaum ein anderer: Othmar Koch war Bürgermeister von 1964 bis 1989. Heute feiert er seinen 80. Geburtstag.

Was macht einer, der befürchten muss, dass er sich an seinem Ehrentag kaum vor Gratulanten wird retten können? Genau, er verreist. So hat es auch der Sendener Altbürgermeister Othmar Koch getan. Er wird heute 80 Jahre alt, und natürlich haben unter anderem die Stadt wie auch der Parteifreunde aus der CSU Geschenke besorgt. Die gibt es nun also erst in der kommenden Woche, wenn der Ehrenbürger wieder in seiner Stadt ist.

Die hat der aus dem hessischen Hünfeld stammende Diplom-Verwaltungswirt in seiner Zeit als Bürgermeister von 1964 bis 1989 aus dem beschaulichen Markt Senden erst geschaffen. Die selbstständigen Gemeinden Ay, Aufheim, Wullenstetten und Witzighausen verband er zu einer Groß-Kommune. Das Hallenfreibad wurde gebaut, die Eislaufanlage, das Gewerbegebiet im Norden entstand. Am 7. Juni 1975 erhielt er aus den Händen des bayerischen Innenministers die Urkunde zur Stadterhebung. Damals, erzählte Koch einmal wehmütig, sei Politik viel mehr als heute in parteiübergreifenden Stammtischrunden als am Ratstisch gemacht worden.

Er sei zufrieden, "etwas aufgebaut" zu haben, sagte Koch anlässlich seines 75. Geburtstags. Und er meinte nicht nur das Vierteljahrhundert als Bürgermeister: Nach der Wende hatte er auf Bitten des bayerischen Gemeindetags in Sachsen und Thüringen Aufbauhilfe geleistet. Wie in Senden habe er dort die Erfahrung gemacht, dass nur mit dem Engagement der Einwohner eine Gemeinde vorwärts zu bringen sei: "Weder ein Bürgermeister noch ein Gemeinderat stellen eine Kommune dar, sondern die Bürger und die Vereine."

In seinem Ruhestand widmet sich Koch seiner Familie und seinen Hobbys: Er fotografiert und liest gerne Bücher über Technik oder Zeitgeschichte. Seit langem ist er überdies begeisterter Modellflieger, der seine Maschinen teils selbst am Computer konstruiert. Auch im Garten gibt es viel zu tun, dort bauen Koch und seine Frau Kartoffeln, Zwiebeln und Obst an. Einen Schlaganfall vor einigen Jahren verwand der Kommunalpolitiker gut. Nichtstun oder Klagen sei nichts für ihn. "Dazu habe ich keine Zeit." Sein Motto lautet: "Immer vorwärts."

In den vergangenen Jahren hatte Koch, der nach wie vor in Senden wohnt, weniger positive Schlagzeilen gemacht. 2007 wetterte er öffentlich gegen die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an den CFW/FWG-Stadtrat und verdienten Ehrenamtler Erwin Rogg. Anlass war dessen 80. Geburtstag. Andere hätten diese Auszeichnung mehr verdient, meinte Koch, bis dato einziger Ehrenbürger der Stadt. Seither ist Rogg bei offiziellen Anlässen der einzige Ehrenbürger. Koch, der nur noch als Altbürgermeister tituliert werden will, ist nicht mehr aufgetreten.

1980 hatte Koch als Bürgermeister den Kauf des 100 000 Quadratmeter großen Areals des ehemaligen Sägewerks Gagstätter eingefädelt. 1981 kam heraus: Das Gelände ist teilweise mit Chemikalien verseucht. Derzeit lässt es die Stadt mit Millionenaufwand sanieren. Koch betonte stets, 1980 habe niemand etwas von der Gefahr gewusst.


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Autor: NIKO DIRNER | 01.09.2010

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