Premiere für den Fischerbua

Oberelchingen.  Die Oberelchinger Narrenzunft Därles Bärbla hat männlichen Zuwachs bekommen. Fischerbua heißt der - ein kerniger Kerl mit wildem Haar, aber gutem Gemüt. Heute ist er in Oberelchingen zu sehen.

Er ist ein markiger Bursche mit imposanter Größe, langer Nase und buschigen Augenbrauen. Seine lange Mähne aus Büffelhaar reicht bis auf die Schultern. Hemd, Hose und das Schulterteil mit Kapuze sind aus Leinen, schwarz ist der Filzhut, aus derbem Leder die Stiefel. Immer trägt er einen Dreizack bei sich, zudem ein Wurfnetz zum Fische fangen. Außerdem knabbert er ständig an einem kleinen, blauen Fisch.

Schon seit Bestehen der Oberelchinger Narrenzunft spukt die Gestalt des Fischerbuas in den Köpfen der Mitglieder herum. Erste Entwürfe gab es bereits Anfang der 90er Jahre, wurden aber nicht weiter verfolgt. Sie stammten vom Hexenvater Hermann Götz, der über eine lange Zeit Maskenschnitzer und die treibende Kraft der Oberelchinger Därles Bärbla war. Inzwischen hat er sich altershalber zurückgezogen. Die Idee des Fischerbua verschwand in der Schublade.

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens voriges Jahr haben die Därles Bärbla entschieden, den Fischerbua künftig mit auf Umzüge zu nehmen, die Vorbereitungen liefen da schon eine gute Weile. "Vom Entwurf bis zur Realisierung unserer neuen Fastnachtsfigur war es ein langer Weg und viel Arbeit", sagt Zunftmeister Christian Holl. Die Gruppe gibt es seit 1985, sie besteht aus 70 Erwachsenen, 25 Kindern.

Eigentlich sind die Därles Bärbla unter den Faschingszünften dafür bekannt, dass sie ihre Masken noch komplett selbst mit der Hand herstellen. Das übernehmen die beiden vereinseigenen Maskenschnitzer Hans Laible und Andreas Huber. Das gilt als Seltenheit in der Szene. Denn viele Zünfte sind mittlerweile dazu übergegangen, professionelle Schnitzer zu beauftragen, zum Beispiel im Schwarzwald. Es gibt inzwischen auch Firmen, die dieses Handwerk ausführen. Bei der Maske des Fischerbuas ist die Oberelchinger Narrenzunft neue Wege gegangen. "Wir haben traditionelles Handwerk mit moderner Computer-Technik gepaart", berichtet Christian Holl. So wurden die von Andreas Jautzke hergestellten Skizzen zunächst von dem Oberelchinger Modellschnitzer Erich Seitz ins Kleinformat übertragen. Mittels 3D-Technik entstand daraus am Computer ein Gittergesicht. Die Firma Prototypen Teufel in Nersingen formte dann eine Kunststoffmaske, und die Elchinger Firma Kollinger lieferte dazu wiederum einen Aluminiumabguss für das Kopierfräsen. Die handwerkliche Feinarbeit am Rohling übernahm dann aber Maskenschnitzer Andreas Huber, die Bemalung Dieter Müller. Dieser kombinierte Arbeitsschritt sei aus Kostengründen nötig gewesen, betont Holl. Und für Verein und Firmen eine aufwendige Angelegenheit gewesen.

Ebenso zeitraubend sei auch die Kostümrecherche in Archiven und im Internet gewesen. Denn schließlich wollte man das Gewand möglichst nah an der Historie orientiert gestalten. "Wir haben dadurch einen Eindruck über die Arbeit und Kleidung der Donaufischer im 17. Jahrhundert in unserer Region gewinnen können", sagt Holl. So hat sich die Gruppe, die generell sorgsam altes Brauchtum pflegt, die Zeit von zwei Jahren Entwicklung gegönnt. Sie wollten es anders machen als manche Zünfte, die fast jedes Jahre auf die Schnelle eine neue Figur herausbringen. "Unser Fischerbua sollte einfach Hand und Fuß haben und sich in die Legende unserer Zunft harmonisch einfügen", erklärt Holl.

Zurzeit schwebt der frisch gebackene Faschings-Jüngling im siebten Himmel: Er hat kürzlich, am 6. Januar, geheiratet. Und zwar eine Därles Bärbel. Der Zunft-Legende zufolge war es dem Fischerbua und der Därles Bärbel nämlich nicht vergönnt zu heiraten: Der Fischerzunftmeister war strikt dagegen. Durch einen pfiffigen Trick hats dann aber doch geklappt (siehe Infokasten).

Info Heute, Freitag, stellen die Därles Bärbla in Oberelchingen den Narrenbaum. Um 19 Uhr treffen sich die Hästräger am Martinstor, dann ziehen die mehr als 35 angemeldeten Zünfte hinunter zur Krone. Weitergefeiert wird im Oberelchinger Feuerwehrhaus und in der Brühlhalle.


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Autor: SUSANNE HELIOSCH | 10.02.2012

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