Enten zum Kringeln
Nersingen. Ein Museumsbesuch langweilt Kinder. Von wegen. Die Jungen und Mädchen des Nersinger Kindergartens haben sich köstlich bei ihrem Streifzug durch die "Duckomenta" in Oberfahlheim amüsiert.
"Was fällt euch hier auf?" Walter Wörtz, Kulturreferent im Landkreis Neu-Ulm, schaute in die Runde seiner Besucherschar und bekam die Antwort, die er erwartet hatte: "Überall sind Enten und Mäuse." Die sechsjährigen Vorschulkinder des Nersinger Kindergartens St. Ulrich hatten gut beobachtet. Ente heißt auf Englisch "Duck", darum heißt die Ausstellung "Duckomenta", erklärt Wörtz.
Große und kleine Besucher können in der Ausstellung im Landkreismuseum Oberfahlheim bekannte Kunstwerke und Objekte der Geschichte neu entdecken. Ob "Archaeopteryx", "Mona Lisa" oder der "Mann mit dem Goldhelm": Statt Menschen sind die Konterfeis von Enten und Mäusen oder deren Spuren erkennbar. Wörtz nahm die kleinen Besucher deshalb mit auf eine Reise durch 5000 Jahre Kulturgeschichte im "Enten-Universum".
Zwar waren die Originale von Rembrandt, da Vinci, Raphael & Co. den wenigsten Vorschulkindern ein Begriff. Dafür entdeckten sie in den Werken spannende Details und assoziierten bekannte Zeichentrickfiguren. Oft reichten abstrakte Andeutungen - und die Finger der Mädchen und Jungs schnellten nach oben: "Den kenn ich. Das ist Donald Duck, die Schlafmütze!" Auf einem Werk war nur ein großes und zwei kleine schwarze Quadrate zu sehen, sonst nichts. Das reichte für die Fantasie der Kinder aus und sie dachten an die "Micky Maus".
Wörtz begann seinen Streifzug bei den "Ur-Enten" in der Saurierzeit. Dort "lernten" die Kinder, dass nicht nur die Saurier, sondern auch die Enten schon zur Urzeit unsere Erde bevölkerten. Römische Gefäße mit Entenfüßen gab es zu bewundern und einen "Dötzi" im Eis zu bemitleiden. Was die Kinder zu der Frage bewegte: "Ist der echt?" Doch da konnte Wörtz den Nachwuchs beruhigen: Nein, die Figur ist nachgemacht und der "Dötzi" ist nur eine Geschichte, ein Märchen.
Mit "Enten- und Mäusebildern" aus mehreren Epochen bis hin zur Neuzeit ging es weiter. "Cool", waren der Enten-Ritter im Goldhelm, der Enten-Mozart mit Perücke, die Tiger-Ente und die nackte Entenschönheit. Dabei sind die Enten doch eigentlich immer nackt, stellten die Kinder belustigt fest. Die hübsche "Enten-Prinzessin" Sissi hatte es vor allem den Mädchen angetan: "Total süß." Aber auch Napoleon als Entenbüste und viele andere Bilder begeisterten die Kinder, besonders wenn es Details wie Zaunpfosten in Form eines Micky- Maus-Kopfes zu entdecken gab.
Die einstündige Führung verging wie im Fluge. Die Kinder hatten sich nicht nur prächtig amüsiert, sondern nebenbei auch reichlich wahres Geschichtswissen über die jeweilige Zeit oder das Originalkunstwerk angeeignet. So erfuhren sie unter anderem, dass Napoleon anlässlich der Schlacht von Elchingen vor 200 Jahren auch in Oberfahlheim war. "Jetzt könnt ihr eure Eltern und Geschwister durch die Ausstellung führen", lud der Kulturreferent die jungen Herrschaften ein.
Viele wollen wiederkommen. Das freut Walter Wörtz, der schon zahlreiche Kindergartengruppen und Schulklassen durch die Ausstellung führte. "Die Nachfrage ist groß. Auch aus Ulm und Umgebung kommen Anfragen." Da die Ausstellung für Groß und Klein gleichermaßen konzipiert ist, hatten auch die begleitenden Erzieherinnen wie Heike Kaimer großen Spaß bei der Führung: "Das war total lustig und sehr interessant. Die Kinder entdecken auf den ersten Blick oft mehr als wir Erwachsenen."
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Autor: MIRANDA TIEPERMANN | 08.02.2012
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Enten soweit das Auge reicht: Die Vorschulkinder des Nersinger Kindergartens waren mit Eifer dabei, als sie Walter Wörtz durch die "Duckomenta" in Oberfahlheim führte. Foto: Miranda Tiepermann
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