"Demenzkranke müssen willkommen sein"

Nersingen.  Nersingen erarbeitet derzeit ein Seniorenkonzept. Die Idee dazu hat Justizministerin Beate Merk als "großartig" bezeichnet. Beim Besuch des Seniorenzentrums ging es um ein drängendes Thema: Demenz.

Bunte Tücher wehen durch die Luft. Auf und ab, immer wieder. Gut ein halbes Dutzend Heimbewohner schwenken sie im Stuhlkreis rhythmisch zu Musik. Es ist Zeit für Bewegung im Seniorenzentrum Nersingen in der Weißenhorner Straße. Beate Merk schaut gerührt zu und ergreift spontan die Initiative: "Ich mach jetzt einfach mal mit", sagt sie, lässt sich einen Stuhl bringen und nimmt Platz.

Die Macht symbolischer Bilder ist Politikern bestens bekannt. Auch Merk, die bayerische Justizministerin und christsoziale Politikerin, weiß sich in Szene zu setzen. Vor allem, wenn die Presse anwesend ist. Gestern hat sie mit einer Nersinger Delegation eine knappe Stunde lang das kleine, aber gut ausgelastete, vom Diakonischen Werk betriebene Seniorenzentrum besucht.

40 Betten habe dieses, erklärt ihr die stellvertretende Heimleiterin Carmen Stutz - darunter acht "beschützende Pflegeplätze" für demente Menschen, die "weglaufgefährdet" seien. Diese würden dort eine bestimmte Zeit lang "zu ihrem eigenen Schutz" untergebracht. Dabei sei es ganz wichtig, dass sie sich nicht eingesperrt fühlten, betont Stutz. Denn auch demente Menschen hätten immer wieder "lichte Momente".

Das sieht Merk genauso. Primär ist ihr Ressort zwar nicht für Seniorenpolitik zuständig. Ihren Besuch im Altenheim rechtfertigt sie jedoch damit, dass einige Bereiche auch sie als Justiz- und Verbraucherschutzministerin berührten. Da passt es ins Bild, dass Merk im Sommer vergangenen Jahres eine Kampagne gegen die zunehmende Fixierung von Patienten in Heimen gestartet hatte. Auch die Themen Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten treiben die Ministerin seit längerem um.

Das Altern der Bevölkerung bringe völlig neue Herausforderungen mit sich, sagt Merk. "Damit müssen wir uns in der Gesellschaft noch mehr auseinandersetzen." Einen Beitrag dazu leiste auch der ehemalige Fußball-Manager Rudi Assauer, der vor wenigen Tagen seine Alzheimer-Erkrankung öffentlich gemacht hat.

Nicht nur in solch prominenten Fällen, auch in der gesamten Bevölkerung vollbringen Merks Ansicht nach viele Angehörige täglich eine "unglaubliche Leistung". Die Statistik gibt ihr recht: Zwei Drittel aller Demenzkranken werden hierzulande zuhause gepflegt. Wenn dies aus den unterschiedlichsten Gründen jedoch nicht möglich sei, sei es wichtig, dass Pflegebedürftige in "stationären Einrichtungen willkommen sind", sich wohlfühlten.

Der erste Eindruck, den das Seniorenzentrum bei Merk hinterlässt, ist positiv. Nicht nur das: Auch die Idee der Gemeinde, ein Seniorenkonzept zu erarbeiten (wir berichteten), sei "großartig", meint die CSU-Politikerin. "Sich offensiv einbringen, eine Partnerschaft zwischen Gemeinde und Bevölkerung - das ist der richtige Weg." Den 12. Mai, an dem in Nersingen der erste Seniorentag stattfinden soll, habe sie sich im Kalender bereits rot angekreuzt. Bürgermeister Erich Winkler sowie sein Vorgänger Dieter Wegerer, unter dessen Amtszeit vor zwölf Jahren das Seniorenzentrum gebaut wurde und der aktuell der Vorsitzende des Verwaltungsrats des Diakonischen Werks Neu-Ulm ist, hören das gerne.


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Autor: OLIVER HEIDER | 07.02.2012

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