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Narren mit Teufelsgeige: Drei Freunde halten Weißenhorner Fastnachtstradition hoch

Eine närrische Truppe betritt das Wirtshaus, stimmt Lieder an und alle singen mit. Bis in die 90er Jahre hinein wurde so in Weißenhorn der Gumpige gefeiert. Abseits der Innenstadtparty lebt diese Tradition fort.

PATRICK FAUSS | 0 Meinungen

Gumpiger Donnerstag in Weißenhorn, das ist nicht nur Party machen bis zum Umfallen. Echte Weißenhorner Maskerer fallen nämlich nicht um, sie feiern mindestens bis zum kommenden Morgen durch. Und gerne auch noch darüber hinaus. Rund zehn Gruppen und Kleinkapellen klappern in der Nacht vom Gumpigen Donnerstag zum Freitag ihre jeweils bevorzugten Lokalitäten ab. Dort unterhalten sie die Gäste mit Musik und guter Laune. Ihr Lohn ist der Applaus. Hin und wieder gibt es ein Freibier.

Zwei, die dieser Fastnachtstradition seit Jahren frönen, sind Vinzenz Kühner (54) und Karl-Heinz Vogel (57). Beide sind Mitglieder im Fußballverein. Dort haben sie sich Anfang der 80er zusammengefunden. Bis heute starten sie an jedem Gumpigen ihre nächtliche Tour. Gemeinsam mit ihrem Kumpel Walter Gebauer (52) geht es dann in wechselnder Reihenfolge in die Schnaggaler-Gaststube, in den Bayrisch Pub, zur Fastnachtsfeier der Kleingärtner, in die Bar im Feuerwehrhaus oder in den letzten Jahren auch immer wieder in die Stadthalle.

Angefangen haben die Ausflüge des Trios 1983. Die heute übliche wilde Freiluftparty mit Außenbars in der Innenstadt war damals noch fern. "Es gab noch mindestens 15 Gasthäuser in Weißenhorn", berichtet Kühner. Der Gumpige Donnerstag habe sich in den Gasträumen abgespielt. "Die Leute in den Gasthäusern waren verkleidet und haben auf Gruppen wie uns gewartet", erzählt Karl-Heinz Vogel.

Zentrales Utensil der närrischen Unterhaltungstruppe war und ist Kühners selbst gebastelte "Teufelsgeige" - ein Besenstiel, an dem ein Schlagzeugbecken, ein blechernes Gurkenfass und zahlreiche Bierflaschenkronkorken befestigt sind. An der Spitze ist ein kleiner Zettel mit Einstiegszeilen diverser Party- und Faschingslieder befestigt. Das scheppernde Rhythmusinstrument, traktiert mit einem "Taktstock", macht ordentlich Krach und zieht die Aufmerksamkeit der Gäste auf die Unterhalter. Einen ihrer größte Erfolge feierten die Narren vor einigen Jahren mit einem Auftritt in DJ-Ötzi-Verkleidung bei der Fastnachtsveranstaltung der Interessengemeinschaft Weißenhorner Fasnacht (IWF) in der Stadthalle: Auf der Bar stehend schmetterte das Trio Ötzi-Hits in die Menge. "Die Leute haben getobt", berichtet Kühner. Die geforderten Zugaben gab es über die vier einstudierten Titel hinaus aber nicht. "Man muss auch wissen, wann wieder Schluss ist", meint Kühner. Die Darbietungen der Drei dauern selten länger als eine Viertelstunde.

In den vergangenen Jahren ist es für die Truppe jedoch immer schwerer geworden, geeignete Auftrittsorte zu finden. "Was wir machen, funktioniert am besten in Gasthäusern", meint Kühner. Gegen die laute Musik eines DJ an einer Freiluftbar könne man nur schwer ansingen. Sowieso habe die zentrale Party am Gumpigen wenig mit der Fastnachtstradition zu tun, wie sie die Männer mit der Teufelsgeige feiern. So eine Veranstaltung kann ihrer Meinung nach jederzeit auch im Mai oder an einem anderen Ort gefeiert werden.

Das ursprüngliche Treiben am Gumpigen sei jedoch nicht verschwunden. Vielmehr habe es sich auf den Freitag verlagert. In den vergangenen Jahren wurden die Teufelsgeiger vermehrt von Grundschulen und Kindergärten zu Auftritten am Freitagmorgen angefordert. Bäcker und Metzger, die morgens öffnen, sind an diesem Tag seit jeher Anlaufziel von Traditionsmaskerern. Ein Highlight sei vergangenes Jahr die Freitagnachmittags-Party im "Deutschen Kaiser" gewesen. "Nur echte Maskerer und nur selbst gemachte Unterhaltung" habe es dort gegeben, berichtet Vinzenz Kühner.

Wichtig ist den Männern, dass auch die Jugend mit der urigen Tradition des Gumpigen in Berührung kommt. "Die Jungen müssen das sehen und müssen es lernen", meint Kühner. Diese Überzeugung sei auch der Grund für ihre Auftritte in Kindergärten und Schulen.

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