Modehaus hat neuen Besitzer
Illertissen. Für 1,01 Millionen Euro ist das ehemalige Modehaus Mayer & Müller versteigert worden. Den Zuschlag erhielten Bernd Sauter und Werner Erwin Klasar.
Es war spannend von Anfang bis zum Ende, und ganz offensichtlich hatten sich das auch viele Illertisser schon vorher erwartet, denn im ersten Stock des Auer Rathauses drängten sich etwa 100 Besucher. Die meisten wollten einfach mal mitbekommen, was geschieht, einige wenige waren Bieter bei der Zwangsversteigerung des zentralen Illertisser Geschäftshauses an der Ecke Hauptstraße11/ Marktplatz 2, in dem früher Mode für die Dame und den Herrn verkauft wurde und wo es heute unter anderem Semmeln, Fotos und Reformhausartikel gibt.
11 Uhr. Die Vertreterin des Amtsgerichts Neu-Ulm eröffnet die Versteigerung. Zunächst erläutert sie, worum es geht: Zum vierten Mal versucht die Frankfurter Bank Coreal, das Wohn- und Geschäftshaus, dessen Verkehrswert auf 1,16 Millionen Euro angesetzt ist, unter den Hammer zu bekommen. Dieses Mal sind Einzelgebote, aber auch ein Gesamtgebot möglich. Das geringste Einzelgebot der Immobilienteile beläuft sich auf knapp 2000 Euro, das geringste Gesamtgebot auf gut 28 000 Euro. Das sind die Verfahrenskosten und die Ansprüche der Stadt Illertissen. Aber: Es müssen Rechte übernommen werden etwa für den Grenzanbau, Abwasser- und Kanalleitungen. Eine der wichtigen Informationen: Der Gläubiger kann das Verfahren durch eine Einstellung beenden. Verscherbelt werden soll die Immobilie schließlich nicht.
Um 11.33 Uhr beginnt der Countdown. Bis zum Ablauf einer halben Stunde muss das erste Gebot vorliegen. Es bilden sich Grüppchen, einige Anwesende greifen zum Handy. Zuhörer ergehen sich in Expertengesprächen. Einer, der die Anwesenden nach potenten Bewerbern und solchen, die es nicht sein können, einordnet, sagt: "Heute wird das beendet, Sie werden sehen."
Und tatsächlich. Bevor die halbe Stunde herum ist, gehen Wolfgang und Regina Karger von der Verzinkerei Karger nach vorn und bieten 900 000 Euro. Einige Zuhörer blicken auf Alois Sauter von der Sauter Unternehmensgruppe aus Obenhausen. Kurz darauf ruft dessen Sohn Bernd Sauter: "920 000 Euro." Er bietet zusammen mit Werner Erwin Klasar für eine K+S Immobiliengesellschaft. Karger legt nach: "980 000 Euro". Sauter wiederum: "eine Million und ein Euro". Es ist 12.13 Uhr, und plötzlich ruft jemand von der offenen Tür: "Ich biete eine Million und fünf Euro." Ein Raunen geht durch die Zuschauer, zwei Männer, Mustafa und Kamil Sara, treten nach vorn und geben ihre Personalien ab. Alles blickt gebannt auf Karger sowie das Duo Kasar/Sauter. Die reguläre Bietzeit ist längst überschritten. Sauter und Kasar erhöhen auf eine Million und 10 000 Euro. Kurz darauf heißt es "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten."
Das Ehepaar Klasar aus Illertissen freut sich, besonders aber Sabine Klasar: "Ich habe in dem Modehaus gelernt, ich kenne das Haus in und auswendig und mir hat es immer leid getan, was daraus geworden ist." Bürgermeisterin Marita Kaiser, die mit Kämmerer Markus Weiß und Gerhard Steinle vom Bauamt zur Versteigerung gekommen ist, versucht gleich, Werner Klasar festzunageln: "Ich will auf jeden Fall, dass Sie was für die Innenstadt Verträgliches aus dem Haus machen." Dazu will sich das Ehepaar Klasar aber noch nicht äußern.
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Autor: INGE SÄLZLE-RANZ | 06.02.2010
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