Lebenshilfe-Werkstatt Senden steigt in den Onlinehandel ein

Wer künftig bei Amazon ein gebrauchtes Buch bestellt, der bekommt dieses womöglich aus der Lebenshilfe-Werkstatt Senden. So kommt Geld rein. Und die Beschäftigten trainieren für den ersten Arbeitsmarkt.

NIKO DIRNER | 1 Meinung

Im internen Verzeichnis der Lebenshilfe Donau-Iller gibt es rund 650 E-Mail-Adressen - und die meisten gehören offenbar Leseratten. Denn auf den Aufruf über diesen Verteiler, bei der Werkstatt in Senden alte Bücher abzuliefern, kamen mehr als 1000 Druckwerke zusammen, berichtet Werkstattleiter Franz Stöberl. Bald schon kann sich jeder einen Eindruck davon verschaffen, was der Lebenshilfe verbundene Menschen so lesen: Die Bücher werden in der Gebrauchtwarenabteilung der Onlinehandelsplattform Amazon zum Kauf angeboten. Es soll nicht bei 1000 Büchern bleiben, gesucht werden vielmehr 100.000 Bücher, sagt Stöberl.

Die Sendener Werkstatt folgt damit dem Vorbild anderer Reha-Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, etwa jener in Kempten. Von dem Unternehmen Buch-Meister erwarb die Lebenshilfe als Franchisenehmer das Recht, auf den Online-Handel zugeschnittene Programme zu nutzen. Dazu gehört etwa eine Software zum Erfassen der Bücher. Davon erhofft sich Stöberl zum einen Einnahmen: "80 Prozent des Verkaufspreises fließen nach Senden. Und die Kemptener haben in vier Monaten 500 Bücher verkauft." Zum anderen kann die Lebenshilfe damit Tätigkeiten anbieten, die jenen des so genannten ersten Arbeitsmarktes ähneln - und dafür soll die Lebenshilfe dem Gedanken nach ihre Beschäftigten ja qualifizieren. "Bislang konnten wir keinen Computerarbeitsplatz anbieten, jetzt haben wir einen", sagt Stöberl.

Die acht Mitglieder der Arbeitsgruppe mit dem doppeldeutigen Namen "Bücher Senden" haben aber noch weitere Aufgaben zu erledigen. Erst sichten zwei die Bücher, sortieren unverkäufliche aus - alle, die mehr als zwei Mängel aufweisen, oder die inhaltlich veraltet sind. Bei Büchern, die nicht online gehen, werden die Seiten vom Einband getrennt. "So erhalten wir gutes Papier, das wir für 50 Euro pro Tonne verkaufen können."

Vier Menschen mit Behinderung sind für das Einscannen der Bücher verantwortlich. Ist ein Buch verkauft, wird dieses in einen wattierten Umschlag verpackt und in alle Welt verschickt. Am Ende steht die Bewertung des Versenders. Die Bestnote von fünf Sternen bekomme nur, wer einwandfrei liefert, sagt Stöberl. "Sonst fliegt man raus." Ein weiterer Ansporn für die Mitglieder der Arbeitsgruppe "Bücher Senden".

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