Lebenshilfe Donau-Iller startet Second-Hand-Verkauf im Internet

Ein halbes Jahr hat das Genehmigungsverfahren gedauert. Nun hat die Lebenshilfe Donau-Iller ihren Internetshop Bücher-Senden im Amazon-Verkaufsportal gestartet. Zum Auftakt gibt es 3600 Bücher.

PATRICK FAUSS |

Anna-Karina Sauter scannt Bücher ein. Die 24-Jährige sitzt an einem der ersten Computer-Arbeitsplätze, die für die rund 300 betreuten Mitarbeiter der Iller-Donau-Werkstätten in Senden eingerichtet wurden. Entstanden ist er für das neue Geschäftsfeld, das die Lebenshilfe entdeckt hat: der Verkauf gebrauchter Bücher über die Internet-Plattform Amazon. Am vergangenen Freitag um 0.18 Uhr hat das System den Betrieb aufgenommen: Das erste Buch, es trug den Titel "Ein ganzes halbes Jahr", ging über den virtuellen Tresen.

"Der Titel des Buchs passt irgendwie gut", sagt Werkstattleiter Franz Stöberl. Schließlich habe es auch ein halbes Jahr gedauert, bis das Bücher-Pojekt der Lebenshilfe endlich online gehen konnte. Vor sechs Monaten hatte Stöberl die Verkaufssoftware auf den Computern installiert. Die Bedienung ist von einem deutschen Entwickler neu strukturiert worden, damit sie sich auch von Menschen mit Behinderungen besser ausführen lässt. Stöberl hat die Sendener über Mitteilungen und Medienberichte aufgerufen, Bücher für das Projekt zu spenden. "Die Resonanz war enorm." 70.000 Bücher wurden abgeliefert, 10.000 davon sind in den vergangen sechs Monaten gesichtet worden. 3600 gehen nun bei Amazon in den Verkauf. Wer im Amazon-Suchfenster das Stichwort "Bücher-Senden" eingibt, bekommt sie dort aufgelistet.

Weshalb das Genehmigungsverfahren so lange gedauert hat, weiß Stöberl nicht. Die Idee für den Internet-Buchladen hatte er von anderen Werkstattleitern übernommen. "Ich war sofort Feuer und Flamme." Andere Werkstätten hätten ähnliche Läden innerhalb weniger Tage eingerichtet. Möglicherweise hat die Tatsache, dass die Lebenshilfe ein Verein ist, zu Verwicklungen in der Amazon-Bürokratie geführt. Jedenfalls wurden von Stöberl ständig neue Dokumente angefordert, bis endlich alles geklappt hat.

"Wir sind alle glücklich, dass es jetzt läuft", sagt Abteilungsleiterin Julia Knoll. Auch die zehn Mitarbeiter mit Behinderung sind froh, dass sie loslegen können. "Eine Büroarbeit, die abwechslungsreich ist", meint Manfred Rauscher. Der 53-Jährige bereitet die Versandumschläge vor und tütet Bücher für die Käufer ein. Das Buch-Projekt ergänzt die bestehenden Lebenshilfe-Arbeitsplätze laut Julia Knoll besonders gut. Von der komplexen Arbeit am PC bis hin zur Entsorgung nicht verwendbarer Bücher für das Altpapier - das Buchcoverpapier muss hierfür vom Lesepapier abgerissen werden - sei für so ziemlich jedes Anspruchsprofil etwas dabei. Die Tonne Altpapier lässt sich immerhin für 50 Euro verkaufen.

Aussortiert werden etwa Bücher mit zu vielen Macken, schließlich will die Lebenshilfe ein langfristiges Geschäft aufbauen. "Dazu brauchen wir gute Bewertungen der Kunden", sagt Stöberl. Bücher, die zwar zu schlecht für Amazon, aber zu schaden zum Wegwerfen sind, werden außerdem auf Oster- und Weihnachtsmärkten verkauft.

Am besten laufen populäre Belletristik-Titel wie Alpenkrimis. Gute Preise haben auch schon seltene esoterische Werke erzielt. Am ersten Wochenende wurden bereits mehr als 80 Bücher verkauft. Und das Sortiment soll erweitert werden: "Wir freuen uns über jede DVD und CD, die gespendet wird", betont Franz Stöberl.

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