Konstruktiv und kritisch sein Pfarrer zum Kirchengemeinderat

In Baden-Württemberg wurden am Sonntag die neuen Kirchengemeinderäte gewählt. Pfarrer Gerhard Bundschuh nimmt Stellung zu den Aufgaben und Perspektiven des Gremiums in Dietenheim.

Dietenheim und Regglisweiler haben gewählt. Sind Sie zufrieden, insbesondere mit der Wahlbeteiligung?

GERHARD BUNDSCHUH: Ganz zufrieden kann man mit einer Wahlbeteiligung von 28 und 29 Prozent natürlich nicht sein. Allerdings: Das Interesse an den Wahlen war immerhin größer als jenes am Kirchenbesuch. Sprich: Es haben mehr Menschen gewählt als am Sonntag zur Kirche gehen. Im landesweiten Vergleich liegen Dietenheim und Regglisweiler in der goldenen Mitte, würde ich sagen - im Gegensatz zu Illerrieden, wo wir eine Wahlbeteiligung von 35, in Dorndorf sogar von sage und schreibe 45 Prozent hatten.

Warum wurde die Kirchengemeinderatswahl vom Herbst auf einen Frühjahrstermin verschoben?

BUNDSCHUH: Das hat den einfachen Grund, dass die beiden Diözesen Rottenburg/Stuttgart und Freiburg sich terminlich angeglichen haben. Jetzt gibt es in Baden-Württemberg einen gemeinsamen Wahltermin.

Was macht aus Ihrer Sicht den Reiz aus, sich als Kirchengemeinderat zu engagieren. Wo liegt die Motivation?

BUNDSCHUH: Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat den Leitspruch Dabei sein für die Kirchengemeinderatswahlen ausgerufen. Ich denke, dabei sein, sich einzubringen ist für viele Kirchengemeinderäte Motivation. Und natürlich auch die Verbundenheit zur Kirche. Im Vorfeld haben die Kandidaten deutlich gemacht, was Dabei sein für sie bedeutet. Zum Beispiel, sich in der kirchlichen Jugendarbeit zu engagieren, zu einer lebendigen Gemeinschaft beizutragen, in der Kirchengemeinde Verantwortung zu übernehmen, andere für den Glauben zu begeistern und mehr.

Welche Aufgaben hat der Kirchengemeinderat in der kommenden Legislaturperiode zu stemmen?

BUNDSCHUH: In pastoraler Hinsicht wird er das Thema der Diözese "Missionarische Kirche umsetzen. Dann sind in Dietenheim natürlich die Belange der katholischen Kindergärten und die Kinderkrippe samt ihrem Personal ein stetes Thema. Und schließlich brauchen auch Immobilien Zuwendung. In der Martinus-Kirche werden uns in Kürze Heizung, Elektrik und Alarmanlage beschäftigen.

Sind Sie zufrieden mit der Zusammensetzung des neuen Gremiums: Männer-Frauenquote, Altersdurchschnitt?

BUNDSCHUH: In jedem Fall ist die Frauenquote im Dietenheimer Kirchengemeinderat höher als bei der bürgerlichen Gemeinde. Das ist aber zurzeit wohl ein bisschen der Trend und ich bin überhaupt nicht unglücklich darüber. Wir haben in Regglisweiler sieben Frauen und drei Männer, in Dietenheim stehen sechs Männern vier Frauen gegenüber. Der Altersdurchschnitt beträgt in Dietenheim und Regglisweiler 46 Jahre. Damit haben wir uns ein wenig verjüngt.

Bei den Kommunen brechen die Finanzen derzeit drastisch ein. Wie sind die finanziellen Spielräume in der Kirche? Gibt es Ressourcen?

BUNDSCHUH: In diesem Jahr haben wir auf alle Fälle noch Handlungsspielraum. Wir haben vergangene Woche den Haushalt beschlossen. Allerdings befürchte ich für 2011/2012 einen Einbruch bei den Kichensteuermitteln.

Als Konsequenz der Wirtschaftskrise oder wegen zunehmender Austritte?

BUNDSCHUH. Die Wirtschaftskrise spielt ganz bestimmt eine Rolle. Wenn die Menschen keine Arbeit haben, dann zahlen sie auch keine Steuern. Auch die Kirche hat dann das Nachsehen, weil sie bekanntlich acht Prozent von Einkommens- und Lohnsteuer bekommt. Weniger Kirchensteuern sind aber auch eine Folge, wenn die geplante Steuerreform einmal voll greifen wird. Nicht ausschließen kann ich, dass es vielleicht auch mehr Austritte aus finanziellen Gründen geben wird. Insofern muss sich auch die Kirche auf finanziell schlechtere Zeiten einstellen.

Sie sind Kraft Amtes erster Vorsitzender des Kirchengemeinderats. Was ist Ihr Wunsch für die nächsten fünf Jahre?

Erstmal freue ich mich auf die alten und die neuen Gesichter im Gremium. Und dann wünsche ich uns eine engagierte, gute, konstruktive und kritische Zusammenarbeit.


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Autor: BEATE REUTER-MANZ | 16.03.2010

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