Keine weiteren Kraftwerke - 1797 Unterzeichner wollen eine durchgängige Iller

1797 Unterschriften wird Staatsministerin Beate Merk von Illertissen mit nach München nehmen. Die Unterzeichner, allen voran Bürgermeister Höß aus Altenstadt, wehren sich gegen weitere Kraftwerke an der Iller.

PATRICK FAUSS |

Die Pläne, auf baden-württembergischer Seite der Iller eine große Wasserkraftanlage zu bauen, stoßen auf bayerischer Seite auf wenig Zuspruch. Auch die Ankündigung mehrerer Kraftwerkbetreiber, auf bayerischer Seite weitere Kleinkraftwerke zu errichten, trifft auf breite Ablehnung. Um die Energiegewinnung aus Wasserkraft in allen Facetten zu beleuchten und die konkrete Situation der Iller vor Ort aufzuzeigen, haben die Landtagsabgeordnete und Staatsministerin Dr. Beate Merk und Bezirksrat Herbert Pressl zusammen mit dem CSU-Ortsverband Illertissen am Freitag in die Schranne geladen. Etwa 60 Interessierte kamen.

Wolfgang Höß, Bürgermeister von Altenstadt und Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Untere Iller, wetterte gegen solche Pläne. Die Iller werde auf Höhe von Altenstadt durch den UIAG-Kanal bereits um 90 Prozent ihres Wassers beraubt. Noch weitere Kleinkraftwerke würden die Flussökologie weiter verschlechtern, auch wenn sie der ökologischen Stromgewinnung dienten. Mit dieser Aussage erntete Höß Applaus bei den Anwesenden, darunter viele Vertreter von Fischereivereinen. Die meldeten sich in der Diskussion zu Wort, um den Kurs von Höß zu unterstützen. Der Lebensraum für Fische müsse verbessert werden. Höß übergab Staatsministerin Merk eine Liste mit 1797 Unterschriften gegen Kraftwerke. Der Bürgermeister hatte sie gemeinsam mit der Interessengemeinschaft Naturraum Iller gesammelt. Merk betonte, jahrzehntelang sei Raubbau am Fluss betrieben worden. Es gehe nun darum, die ökologische Situation nicht noch weiter zu verschlechtern. In Baden-Württemberg werde dies offenbar anders gesehen. Herbert Pressl bezeichnete den Gewässerentwicklungsplan (siehe Kasten) als "eine mutige Stellungnahme, ohne zu wissen, was dabei rauskommt". Es sei unklar, ob dieser am Ende die Menge des Wassers im Hauptlauf der Iller vergrößere oder verkleinere.

Wasserwirtschaftsamtsleiter Ralph Neumeier räumte ein, es sei offen, ob der Entwicklungsplan zu einer Abnahme im Hauptlauf führe und ob dann Kleinkraftwerke unwirtschaftlich werden. Hier eine Entscheidung zu treffen, sei Sache der Kraftwerksbetreiber. Seine Behörde habe die Aufgabe, jeden Antrag zu prüfen. Die Behörde sei dabei weder gegen noch für einen solchen Bau. Voraussetzung für eine Genehmigung sei die Gewähr, dass das Kraftwerk den ökologischen Zustand des Flusses nicht verschlechtere - zum Beispiel mit Hilfe von Ausgleichsmaßnahmen. Ob Kraftwerke erlaubt werden, entscheide die Rechtsbehörde.

Oliver Born, Fischereifachberater des Bezirks Schwaben, unterstützte den Gedanken des Gewässerentwicklungsplans, Seitenarme entlang der Iller anzulegen. Diese müssten jedoch ganzjährig Wasser führen und auch die Au-Gewässer entlang des Flusslaufs speisen. Die Seitenarme könnten dann Kinderstuben für die Fische werden. Die Iller, wie sie heute ist, könne wegen der vielen Kraftwerke und Wehre kaum noch als Fluss bezeichnet werden - eher als Anreihung stehender Gewässer. Aus diesem Grund hätten die ursprünglichen Flussfischarten große Schwierigkeiten zu überleben. Ziel müsse sein, wieder einen durchgängigen Flusslebensraum herzustellen.

Schnell fließende Seitenflüsse als neue Rückzugsräume

Gewässerentwicklungsplan Ralph Neumeier vom Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz und Leiter des Wasserwirtschaftsamtes in Donauwörth erläuterte den Gästen den Gewässerentwicklungsplan für die Iller. Dieser soll im Herbst 2016 fertig sein. Um den angestammten Tieren und Pflanzenarten der Iller wieder mehr Lebensraum bieten zu können, ist demnach vorgesehen, Seitengewässer anzulegen. Und zwar schnell fließende Seitenflüsse, die neue Rückzugsräume für Flora und Fauna bieten. Wehre, die bislang einzelne Illerabschnitte trennen, sollen nach Möglichkeit durch Rampen ersetzt werden, über die das Flusswasser hinweg fließen kann.

PF

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