Kein Zufall mehr
Region. Auffällig häufen sich Raubüberfälle auf dem Land. Betroffen sind Supermärkte, Post, Bank und Geschäfte. Die Täter sind maskiert und bewaffnet. Ermittlungsgruppen mehrerer Landkreise sind ihnen auf der Spur.
Der Parkplatz des Supermarkts liegt verlassen in der Dunkelheit, als am Dienstag drei maskierte, mit Messern bewaffnete Männer zwei Verkäuferinnen eines Discounters in Beimerstetten überfallen. Sie erbeuten einige tausend Euro und flüchten mit dem Auto.
Ihren beiden Kolleginnen gehe "es soweit ganz gut", erzählt eine andere Mitarbeiterin. Die eine habe sogar am Mittwoch schon wieder in der Frühschicht gearbeitet, um sich abzulenken. Die Bedrohung werde die Frauen aber wohl noch lange beschäftigen. Um "die Privatsphäre" der beiden zu schützen, möchte das Unternehmen nicht, dass sie selbst sich zu dem Vorfall äußern. Ihre Kollegin ist sich sicher, dass "uns die Täter ausgespäht haben". Normalerweise arbeiteten in der Spätschicht drei Kolleginnen: "Drei Täter - drei Opfer" stellt sie eine Gleichung auf. Ausnahmsweise seien an dem Abend nur zwei da gewesen: "Da haben die ein leichtes Spiel gehabt."
Obwohl sie und ihre Kolleginnen oft spät Feierabend machen, habe sie bisher keine Angst gehabt. "Wir machen die Abrechnung und gehen nach Hause, das ist unser Arbeitsalltag." Es sei wie beim Autofahren: Solange einem nichts passiert ist, denke man nicht an Gefahren. Der Überfall in Beimerstetten reiht sich ein in eine Reihe von Raubüberfäl len in der Region seit Oktober 2009. Die Täter haben es auf Filialen von Discountern, Geschäfte, Post, Spielhalle und Tankstellen abgesehen. Viele haben ein ähnliches Muster, sagt Winfried Helmer, Sprecher der Kriminalpolizei Neu-Ulm. Zwei bis drei maskierte Täter tauchen im Dunkeln auf, früh am Morgen oder Abend. Sie lauern den meist weiblichen Angestellten auf, bedrohen sie mit Pistole, Messer oder Eisenstange und verlangen Bargeld. Die Opfer sagen aus, dass diese einen ausländischen Akzent haben.
Zig Raubüberfälle innerhalb weniger Wochen - zunächst sprach die Polizei in Neu-Ulm und Ulm von "Zufall". Inzwischen sieht das anders aus: "Es drängt sich die Annahme auf, dass die Fälle zusammenhängen", sagt Rainer Durst, Sprecher der Polizeidirektion Ulm. Sein Neu-Ulmer Kollege bestätigt das: Auffällig sei der zeitliche Zusammenhang und die Auswahl der Objekte nach den Kriterien "auf dem Land" und "gute Verkehrsanbindung". Mittlerweile habe ja jeder Discounter eine Filiale in jedem größeren Ort, dazu kommen lange Öffnungszeiten: "Wenn die schließen, ist es im Winter stockdunkel." Vor Ort gebe es oft keine Polizeidienststelle. Seit längerem beobachte die Polizei, "dass einst klassische Objekte für Überfälle wie Banken seltener betroffen sind".
Als Reaktion auf die Raubüberfälle sind bei der Kriminalpolizei in Ulm und Biberach Ermittlungsgruppen gebildet worden, die Erkenntnisse austauschen. Die Fahndung nach den Tätern zieht sich über mehrere Städte und Landkreise, auch in Neu-Ulm und im Kreis Heidenheim gibt es eigens dafür zuständige Beamte. Bisher aber habe es zu den Tätern "keine signifikanten Beobachtungen" gegeben. Denkbar sei, dass es sich um eine größere Gruppe handelt, aus der Einzelne für Überfälle "rekrutiert" werden.
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Autor: PETRA LAIBLE | 23.01.2010
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Ein bewaffneter Überfall auf eine Tankstelle in Marbach wurde von einer Überwachungskamera festgehalten. Ein solches Täter-Bild gelang bei den Raubüberfällen in der Region bisher nicht.
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