"Kannst du nicht, gibt es nicht"
Weißenhorn. Kinderkonzert mit Uwe Lal und Abend der offenen Tür: Das Montessori-Kinderhaus in Weißenhorn feiert zehnjähriges Bestehen. Mit Hilfe der evangelischen Kirche hat sich das Konzept in der Stadt etabliert.
Konzentriert schüttelt Jacob Filmdöschen. Jedes macht ein anderes Geräusch. Eifrig sortiert er sie von laut nach leise. Auf einer kleinen Anrichte stehen Trichter, blaues Wasser sowie kleine und große Gläser zum Experimentieren. "Die Kinder sollen lernen, indem sie ausprobieren. Hier sagt keiner: das kannst du nicht. Sowas gibt es einfach nicht", erklärt Lydia Baier, Vorsitzende des Montessori-Vereins Weißenhorn, das Konzept des Kinderhauses. Morgen feiert die Einrichtung mit dem Liedersänger Uwe Lal ihr zehnjähriges Bestehen.
Die Kinder spielen ruhig und konzentriert. Alleine oder in kleinen Gruppen suchen sie sich eine Beschäftigung. Im "kosmischen Raum" etwa können sie das Weltall erkunden oder den menschlichen Körper analysieren, in der Puppenecke Familienleben nachstellen, im Erdgeschoss werden Schmetterlinge gebastelt. Freiheit, Ordnung, Stille, Konzentration und Kreativität stehen im Mittelpunkt des pädagogischen Alltags eines Montessori-Kinderhauses.
"Die Freiheit unserer Kinder hat als Grenze die Gemeinschaft, denn Freiheit bedeutet nicht, dass man tut, was man will, sondern Meister seiner selbst zu sein", hat die Mutter des Konzepts Maria Montessori einmal gesagt. Als 1999 Viktoria Betz die Idee hatte, ein Kinderhaus nach den Prinzipien von Maria Montessori zu eröffnen, war das Konzept in Weißenhorn noch eher unbekannt. Auf einem Informationsabend fand sie schnell interessierte Eltern und holte Ulrich Steenberg ins Boot, der die Fachschule für Sozialpädagogik in Ulm leitet. Auch der damalige Weißenhorner Bürgermeister Heinz Berchtenbreiter ließ sich von der Idee begeistern. Die Zusage des evangelischen Pfarrers Andreas Erstling im Gepäck, die Trägerschaft zu übernehmen, erleichterte es, den Stadtrat zu überzeugen.
Viktoria Betz gründete den Montessori-Verein Weißenhorn und bekam wenig später die Zusage der Stadt, einen Kindergarten in den Räumen der ehemaligen Hausmeisterwohnung der Grundschule eröffnen zu dürfen. "Wir hatten zu diesem Zeitpunkt schon zehn Kinder. Patricia Goldmann hat die Truppe bis zum Einzug drei Mal in der Woche im Gemeindezentrum betreut", erzählt Lydia Baier. Im Januar 2000 durften 28 Kinder ihr neues Domizil beziehen.
Der Erfolg des neuen Kindergartens war durchschlagend. Im September mussten die Betreuerinnen einigen Eltern Absagen erteilen, eine Mutter beaufsichtigte Kleinkinder daheim, bis sich für die Kinder ein Platz im Kinderhaus fand. "Aus der Notsituation ist 2005 eine feste Einrichtung geworden. Inzwischen sind unsere Schlawiner im Claretiner-Kolleg", sagt die Vorsitzende. Zwei Erzieherinnen kümmern sich um die Zwei- bis Vierjährigen, die häufig in den Montessori-Kindergarten übertreten.
Info
Die Feier zum zehnjährigen Bestehen, die mit einem Abend der offenen Tür verbunden sein wird, beginnt am Freitag um 16 Uhr in der Grundschule Süd.
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Autor: NINA MERKLE | 11.03.2010
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Angelina und Mette basteln Schmetterlinge für das Kinderkonzert zum zehnten Geburtstag des Montessori-Kinderhauses. Foto: Nina Merkle
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