"Jetzt reicht es aber auch"

Senden/Erbach.  Wir können langsam keinen Schnee mehr sehen! So tönt es aus dem Sendener Bauhof. Der Winter hat Mensch und Material an die Grenzen gebracht. Ist alles abgetaut, geht es gleich mit Blumenpflanzen weiter.

Martin Falk ist in seinem Element. Der Mitarbeiter des Sendener Bauhofs drückt das Gaspedal des schweren Unimogs nach unten und stiebt den geteerten Wirtschaftsweg in Richtung Gerlenhofen entlang. Den hat der nächtliche Schneefall im Weiß der angrenzenden Felder gänzlich verschwinden lassen. Nur die rechts verlaufende Bahnlinie ins Allgäu gibt in etwa die Richtung vor. In mächtigen Wolken wird der Schnee auf die Seite geworfen. Da mach eine hüfthohe Schneewehe der Fahrt ein Ende. Das Fahrzeug wird zur Seite gedreht und rutscht von der befestigten Fahrbahn. Falk sitzt trotz Allradantrieb fest. Über das Mobiltelefon fordert er aus dem Bauhof Unterstützung an. Eine halbe Stunde später ist Vorarbeiter Stefan Kunz mit einem Frontlader zur Stelle. Zunächst werden die angehäuften Schneemassen beiseite geschaufelt. Anschließend hebt Kunz das schwere Frontschild des Unimogs an. Nun haben wieder alle vier Räder Bodenkontakt. Falk kann zurücksetzen und wieder Fahrt aufnehmen.

Der Winter hat Mensch und Material gefordert, wie ein Besuch im Sendener Bauhof zeigt. Das Besondere: Praktisch durchgehend vom 12. Dezember an bis vor wenigen Tagen war Räumen angesagt. Nur kurze Pausen erlaubten es durchzuschnaufen. "Einen so intensiven Winter hat es lange nicht mehr gehabt", sagt Falk. "Wir sind alle an der Grenze. Kaum ein Tag, an dem wir nicht draußen waren", bestätigt Kunz. Er sollte sich eine Bruch operieren lassen, sein Kollege das verknackste Knie kurieren. Doch um die Kollegen nicht im Stich zu lassen, wird weiter gemacht.

Woraus die Strenge der Jahreszeit noch abzulesen ist, ist der Verbrauch von Streusalz (siehe auch Info-Kasten). Um die Jahreswende waren die Sendener Silos weitgehend leer. Anfang Februar wies die Stadt darauf hin, dass sie den Winterdienst nicht wie gewohnt durchführen könne. Sämtliche Straßen und Wege könnten ab sofort nur noch geräumt und anschließend "mit abstumpfenden Stoffen" - gemeint ist Splitt - gestreut werden. Falk erzählt: Wenn es noch Streusalz gab, dann nur als Sackware. Das bedeutete 100 Tonnen von Hand in die Streugutbehälter der Fahrzeuge schütten. Aber egal, in welcher Form angeliefert wurde, "das war für uns immer wie Weihnachten", berichtet Kunz. Wurde es ganz eng, sprangen die beim Winterdienst helfenden Fremdfirmen ein. Ihnen bescheinigt Kunz durch die Bank "einen tollen Einsatz".

Abgesehen von "jeder Menge Überstunden" sind die Bauhöfe mit dem Winter nicht unzufrieden. "Keine Nicklichkeiten" wie Eisregen stellte Kunz zum Beispiel fest. Das zeigten auch die verhältnismäßig geringen Unfallzahlen. Trotzdem ist Kunz mit Kollegen aus anderen Orten in der Region einer Meinung: "Jetzt reicht es aber auch", sagt der Sendener. Hoffen auf eine Ruhepause ist jedoch fehl am Platz. Ein harter Winter bedeute immer Verzug bei den Grünarbeiten: Beete müssen bepflanzt, die Geräte auf Spielplätzen aufgebaut werden.


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Autor: FRANZ GLOGGER | 13.03.2010

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