Professionelle Hilfe für Grundschüler Bischof-Ulrich-Schule erhält Sozialarbeiter
Illertissen. Prävention muss möglichst früh ansetzen. Deswegen bekommt die Illertisser Grundschule eine Halbtages-Stelle für einen Sozialarbeiter. Vorerst für zwei Jahre. Die Stelle soll schnell ausgeschrieben werden.
Mit 380 Kindern ist die Bischof-Ulrich-Schule in der Kernstadt von Illertissen die größte reine Grundschule im Landkreis. 30 Prozent der Kinder haben einen Migrationshintergrund, laut Rektor Rüdiger Stahl gibt es auch viele verhaltensauffällige Kinder. Mannigfaltig auftretende Probleme sollen jetzt mit professioneller Hilfe angegangen werden, denn aus dem im vergangenen Frühjahr von Bund und Ländern beschlossenen Bildungspaket gibt es zwei Jahre lang Geld für die Schulsozialarbeit. Die Stadt Illertissen muss allerdings einen zusätzlichen Beitrag leisten. Dem stimmte der Kultur-, Bildungs- und Sozialausschuss nach kurzer Debatte zu. "Schulsozialarbeit sollte möglichst früh ansetzen, denn Verhaltensweisen werden früh geprägt", sagte Bürgermeisterin Marita Kaiser.
Etwa 55 000 Euro kostet ein Vollzeit-Schulsozialarbeiter, erläuterte die Leiterin der Abteilung Kultur, Bildung, Soziales im Illertisser Rathaus, Kerstin Breymaier, den Stadträten. Die Förderung aus dem Bildungspaket beträgt 16 360 Euro im Jahr, allerdings zahlt der Staat vorerst nur bis einschließlich 2013. Für eine 50-Prozent-Stelle würde sich der Anteil Illertissens auf gut 19 000 Euro pro Jahr belaufen. Dass sich dagegen niemand sperren sollte, darin waren sich die Stadträte rasch einig. Ebenso schnell soll die Stelle jetzt ausgeschrieben werden.
Allerdings gab es durchaus auch Kritik. Wieder einmal habe der Staat eine Anschub-Finanzierung für ein sinnvolles Projekt gegeben, und nach zwei Jahren werde er sich wieder zurückziehen, bemängelte Jürgen Eisen (CSU). Dann sei die Kommune wieder allein in der Verantwortung. Trotz Schulsozialarbeit sollten vor allem die Eltern nicht aus ihrer Erziehungspflicht entlassen werden, stimmte er mit Andreas Fleischer (SPD) überein. Heidi Ritsche-Thoma (FWG) mahnte, an die Chancengleichheit zu denken: "Die Kinder können nichts dafür, wenn ihre Eltern diese Pflicht nicht wahrnehmen."
Schulrektor Rüdiger Stahl ging jedenfalls zufrieden aus der Sitzung. "Innerlich hat mein Herz gebebt, als ich von dem Angebot gehört habe", sagte er. "Endlich denkt mal jemand an die Grundschule." Denn die Probleme gebe es durchaus schon bei den Kleinen, und zwar nicht nur bei Kindern mit Migrationshintergrund, sondern in allen Schichten und Umgebungen: Bei den einen haben sich die Eltern getrennt, bei anderen steht die Trennung kurz bevor, wieder andere werden geschlagen. Er hat jedenfalls schon einen Raum reserviert für Einzelgespräche und hofft, so den Kindern helfen zu können.
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Autor: INGE SÄLZLE-RANZ | 10.02.2012
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